USA – Mann mit Schweineherz ist ein Messerstecher

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USAMann mit Schweineherz ist ein Messerstecher

Der 57-Jährige, dem weltweit erstmals ein Schweineherz als Ersatzorgan eingesetzt wurde, saß zehn Jahre im Gefängnis. Die Angehörigen des Opfers sind schockiert.

Der Mann, der als medizinisches Wunder gilt, da er als erster Mensch weltweit das Herz eines Schweins als Ersatzorgan erhalten hat, ist ein verurteilter Verbrecher. Wie aus Recherchen der «Washington Post» hervorgeht, saß David Bennett zehn Jahre im Gefängnis, weil er sieben Mal auf einen Mann eingestochen und diesen so an den Rollstuhl gebunden hatte. Verwandte des inzwischen gestorbenen Opfers erkannten den Namen des Mannes wieder, der wegen der Jahrhundertoperation in den Medien war.

Sieben Stiche in Rücken, Unterleib und Brust

Bennett hatte den damals 22-jährigen Edward Shumaker im April 1988 beim Billardspielen in einer Bar in Maryland angegriffen, nachdem er gesehen hatte, wie sich seine damalige Ehefrau auf Shumakers Schoss setzte, wie «Daily Mail» berichtet. Shumaker erlitt insgesamt sieben Stiche in Rücken, Unterleib und Brust. Er blieb 19 Jahre lang gelähmt. Bennett, der zum Zeitpunkt des Angriffs 23 Jahre alt war, wurde wegen Körperverletzung und Mitführen einer versteckten Waffe zu zehn Jahren Haft verurteilt, die er jedoch nicht vollständig verbüßte.

Die Familie des Opfers ist der Meinung, dass Bennett die innovative medizinische Behandlung nicht verdient hat und wünscht sich, dass das Schweineherz einer anderen bedürftigen Person eingepflanzt worden wäre. «Ed hat gelitten», sagte Schumakers Schwester gegenüber der Washington Post. Ihre Familie hätte jahrelang mit Verwüstung und Trauma zu kämpfen gehabt, während Bennett einfach weitermachen und ein gutes Leben führen konnte. «Jetzt hat er eine zweite Chance mit einem neuen Herzen bekommen – aber ich wünschte, es wäre an einen Empfänger gegangen, der dies auch verdient.»

«Vorenthaltung medizinischer Leistung ist nicht Teil des Strafsystems»

Medizinethiker sagen zum Fall, dass das Strafrechtssystem bereits Gefängnisstrafen, Schmerzensgeldzahlungen und andere Strafen für Personen vorsieht, die wegen Gewaltdelikten verurteilt wurden. Die Vorenthaltung medizinischer Leistungen sei nicht Teil dieser Bestrafung. Diese Trennung zwischen dem Rechtssystem und dem medizinischen System bestehe aus gutem Grund, kommentiert Scott Halpern, Professor für Medizinethik an der Universität von Pennsylvania.

Derweil wollte sich das University of Maryland Medical Center nicht direkt dazu äußern, ob man von Bennetts krimineller Vergangenheit wusste. Ein Sprecher betonte jedoch, dass Bennet «in großer Not» in die Einrichtung gekommen war und dass die Ärzte die Entscheidung über seine Transplantationsfähigkeit «ausschließlich auf der Grundlage seiner medizinischen Unterlagen» trafen.

(L'essentiel/Reto Bollmann)

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