Partei befiehlt – Mao stoppt Harry Potter

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Partei befiehltMao stoppt Harry Potter

Der letzte Teil der Harry-Potter-Saga füllt weltweit die Kinokassen. Nur in China blockiert ein Propagandafilm die Leinwände – zur Freude der Raubkopierer.

Am letzten Mittwoch startete «Harry Potter and the Deathly Hallows - Part 2» rund um den Globus in den Kinos, und seither purzeln die Rekorde. In Nordamerika etwa spielte der letzte Teil der Zauber-Saga am ersten Wochenende mehr ein als je ein Film zuvor. Die Fans in China jedoch müssen sich bis zum 4. August gedulden, bis der neue Potter bei ihnen anläuft.

Hauptgrund ist laut dem «Guardian» ein anderer Film, genauer ein Propagandaschinken, den die Kommunistische Partei Chinas zu ihrem kürzlich gefeierten 90. Geburtstag produzieren ließ. «Die Geburt einer Partei» ist das Prequel eines vor zwei Jahren gezeigten Films über die Gründung der Volksrepublik. Das zweistündige Epos schildert die Anfänge der KP unter dem «großen Vorsitzenden» Mao Zedong und ist mit rund 150 chinesischen Stars besetzt.

Nur 20 ausländische Filme pro Jahr

So lange der Film sein Umsatzziel von 800 Millionen Yuan (rund 86 Millionen Euro) nicht erreicht hat, soll kein ausländischer Film ihm Konkurrenz machen, so der «Guardian». Auch der dritte «Transformers»-Teil wird deshalb erst drei Wochen nach dem US-Start anlaufen. Dabei können sich die Fans noch glücklich schätzen. Um die einheimische Industrie zu schützen, werden jährlich nur 20 ausländische Filme in den Kinos zugelassen.

Die großen Profiteure sind im Kopier-Paradies China die Produzenten von illegalen DVDs. «Harry Potter brandneu, gute Kopien, nur zehn Yuan», wurde dem «Guardian»-Reporter auf einem Pekinger Markt angeboten. Der Raubkopierer habe noch andere Blockbuster zu bieten gehabt, darunter «Cars 2», der in den Kinos noch gar nicht angelaufen ist. «Die Geburt einer Partei» dagegen sei im Angebot nicht vorhanden gewesen …

(L'essentiel Online/pbl)

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