Erste Studie – Massengrab Mittelmeer: 23'000 tote Flüchtlinge

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Erste StudieMassengrab Mittelmeer: 23'000 tote Flüchtlinge

Auf ihrem Weg in ein vermeintlich besseres Leben sterben viel mehr Menschen vor Europas Toren, als bislang geschätzt wurde. Das zeigt erstmals ein Projekt europäischer Journalisten.

Immer mehr Flüchltinge versuchen über den Seeweg nach Europa zu kommen.

Immer mehr Flüchltinge versuchen über den Seeweg nach Europa zu kommen.

AFP

Wie viele Menschen auf ihrem Weg nach Europa verunglückt und ums Leben gekommen sind, hatten bislang weder die EU noch die Internationale Organisation für Migration (IOM) gesamthaft untersucht. Eine Gruppe europäischer Journalisten, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Zahl der auf dem Weg nach Europa verstorbenen oder als vermisst gemeldeten Migranten zu dokumentieren.

Die Zahlen sind erschreckend und liegen viel höher als bislang angenommen. Seit 2000 sind demnach über 23'000 Menschen auf ihrem Weg nach Europa gestorben oder als vermisst gemeldet worden. Zuvor war man davon ausgegangen, dass es seit Anfang der 90er-Jahre zwischen 17'000 und 19'000 Opfern gegeben waren. Die effektiven Zahlen dürften sogar noch höher liegen, nimmt man die nicht dokumentierten Fälle dazu.

Immer mehr Flüchtlinge kommen über den Seeweg

Für ihre Untersuchung mit dem Titel «The Migrants’ Files» stützten sich die Journalisten auf Daten der Non-Profit-Organisation United For Intercultural Action sowie auf solche des Journalisten Gabriele del Grande. Der Italiener protokollierte in seinem Projekt «Fortess Europe» die Anzahl Toten und Vermissten, die sich in Europa ein besseres Leben aufbauen wollten. Del Grande prägte mit seinem Projekt den Begriff der «Festung Europa», der mittlerweile als Synonym für die Asylpolitik der EU steht: Eine Politik, die zwar Menschenleben retten will, aber gleichzeitig sehr restriktiv angelegt und auf Abschottung der Außengrenzen bedacht ist.

Das Journalistenprojekt «The Migrants’ Files» zeigt eine große Schwierigkeit der Migration auf: Sobald die EU ihre Grenzkontrollen verschärfte, wie etwa zwischen der Türkei und Griechenland, verschoben sich die Migrationsbewegungen: Achtmal mehr Migranten versuchen jetzt auf dem Seeweg, in das gelobte europäische Land zu gelangen. 2011 waren es weniger als 1500 Personen gewesen, 2013 über 11'000. Das erklärte Ziel von «The Migrants’ Files» ist es, die hohen Opferzahlen, die hinter der Migrationspolitik der EU stehen, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Flexible Menschenhändler

Menschenhändler sind mit ihren Geschäften äußerst flexibel, wie der Bericht zeigt. Seit Neustem sind die griechischen Inseln Kreta und Kos beliebter Anlaufpunkt, um auf das europäische Festland zu gelangen.

Auch der Seeweg zwischen Libyen und Lampedusa steht hoch im Kurs, wobei Libyen zu einem der wichtigsten Angelpunkte für Migranten geworden ist. Das lässt sich auf das Machtvakuum und die fehlenden Strukturen zur Strafverfolgung zurückführen, die seit dem Sturz von Diktator Muamar al-Gaddafi eklatant in Erscheinung getreten sind.

(L'essentiel / gux)

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