Externe Berater – «McKinsey stellt sicher nicht den Haushalt auf!»

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Externe Berater«McKinsey stellt sicher nicht den Haushalt auf!»

LUXEMBURG – Zur Vorbereitung des Haushalts 2014 hat Finanzminister Gramegna die Beraterfirma McKinsey beauftragt. Nichts Schockierendes, seine Vorgänger machten es genauso.

Finanzminister Pierre Gramegna (DP) hat die Firma Mc Kinsey damit beauftragt, ihn bei der Aufstellung des Haushalts 2015 zu beraten.

Finanzminister Pierre Gramegna (DP) hat die Firma Mc Kinsey damit beauftragt, ihn bei der Aufstellung des Haushalts 2015 zu beraten.

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Die Nachricht der vergangenen Woche, dass Finanzminister Pierre Gramegna (DP) McKinsey damit beauftragt hat, die Regierung beim Erstellen des Haushalts für das kommende Jahr zu beraten, hat viele Leser von «L’essentiel» schockiert.

«Wir zahlen dem Minister 19'000 Euro monatlich. Wofür, wenn die Arbeit, die er machen soll, jetzt andere machen?» und «Der Minister gibt offen seine Inkompetenz zu, wenn er seine Aufgabe nicht selbst erledigen kann» sind nur zwei der vielen Reaktionen, die unsere Redaktion erreichten. Dabei ist diese Herangehensweise gar nicht unüblich.

Frieden ließ sich auch beraten

«Die Tatsache, dass wir Aufgaben an Externe vergeben, ist nicht abnormal. Das wird getan, wenn wir Know-how benötigen, das wir nicht innerhalb der Regierung haben», erklärt Luc Frieden (CSV), ehemaliger Finanzminister, auf unsere Anfrage. Während seiner Amtszeit habe er solche Expertise ebenfalls «zwei oder drei Mal» beansprucht: «Zum Beispiel bei der Ausrichtung des Finanzplatzes auf den Remibi (RMB)», fährt Frieden fort. So habe Luxemburg keine Zeit verloren, sich im wachsenden Geschäft mit der chinesischen Währung zu positionieren und die Führungsposition in Europa und der Euro-Zone zu behaupten.

Die Expertise von Unternehmen in solchen Fällen zu beanspruchen sei «sowohl durch den Mangel an Spezialisten auf solchen Gebieten, als auch durch die Notwendigkeit internationaler Netzwerke» gerechtfertigt, meint der ehemalige Finanzminister.

«Wie in der Privatwirtschaft auch»

Eugène Berger, DP-Berichterstatter für den Haushalt 2014, erklärt: «Auch andere Ministerien verlassen sich bei spezifischen oder technischen Problemen auf Beratungsfirmen.» So geschehen bei der Entwicklung des integrierten Verkehrs- und Landesentwicklungskonzepts (IVL) im Jahr 2004.

Die Botschaft ist klar: Der Einsatz von Beratungsunternehmen dient dem Know-how. «Wie in der Privatwirtschaft auch, braucht jedes Unternehmen – in diesem Fall die Finanzverwaltung – Beratung. Wir benötigen daher die Expertise von Externen. Diese dürfen jedoch keine Entscheidungen fällen», heißt es auf Nachfrage im Finanzministerium.

Eigenes Budget für Expertenberatung

Eugène Berger verteidigt die Dienstleistungen von McKinsey: «Es handelt sich um eine Beratung im methodischen Bereich, doch McKinsey stellt sicher nicht den Haushalt auf!»

Darüber hinaus verfügt jedes Ministerium über ein Budget, speziell um solche Dienstleistungen in Anspruch nehmen zu können. Der Haushaltsplan, der dem Parlament vergangene Woche vorgelegt wurde, sieht allein für das Finanzministerium ein Budget von 200‘000 Euro für «Expertenhonorare und Studien» sowie 260‘000 Euro für «Sachverständigenkosten und Studien zur Entwicklung bestimmter Bereiche der Gesetzgebung über die Rechnungslegung des Staates» vor. Der Auftrag an McKinsey kostete den Staat 384'000 Euro. Die Aufträge unterliegen einer gesetzlich geregelten Ausschreibungsprozedur.

(Fatima Rougi/jmh/L'essentiel)

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