Gramegna über Asselborn – «Mein Kollege wurde falsch interpretiert»

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Gramegna über Asselborn«Mein Kollege wurde falsch interpretiert»

LUXEMBURG - Finanzminister Gramegna widerspricht dem Chefdiplomaten Asselborn: In Luxemburg gibt es keine «Tricksereien», die man einstellen könnte.

Sei es Außenminister Jean Asselborn im Spiegel, Premierminister Xavier Bettel beim Regierungsbriefing oder jetzt Finanzminister Pierre Gramegna in der Süddeutschen Zeitung - widersprüchliche Aussagen von Seiten der Regierungsmannschaft lassen derzeit den Eindruck entstehen, dass es der luxemburgischen Führung schwer fällt, bei der Luxleaks-Affäre mit einer Stimme zu sprechen.

«Für solche Tricksereien steht Luxemburg nicht mehr zur Verfügung». Das sagte Jean Asselborn (LSAP) am vergangenen Sonntag in einem Interview mit dem Spiegel. Dem widersprach Pierre Gramegna (DP) am Mittwoch in der Süddeutschen: «Die Aussagen meines Kollegen wurden falsch interpretiert. Luxemburg trickst nicht, das ist alles legal.» Schließlich sei mit den «Steuerrulings» alles in Okay: «Wir werden jetzt nichts ändern. Das würde bedeuten, dass etwas mit diesen Rulings nicht in Ordnung ist.» Kritik an Asselborns Aussage gab es auch aus Reihen der Opposition - und von der DP. Nur Déi Lénk stand dem Luxemburger Chefdiplomaten bei.

EU könnte als Pionier vorangehen

Gramegna geht auch einen Schritt weiter als sein Premierminister. Der hatte erklärt, dass eine Lösung der Steuerproblematik nur auf globaler Ebene umgesetzt werden könne. «Die EU reicht da nicht aus», meinte Bettel. Gramegna sieht jetzt aber doch eine größere Rolle für die EU: «Man muss andenken, ob die EU als Pionier vorangehen muss. So wie sie es auch bei der Abschaffung des Bankgeheimnisses getan hat», sagt er. Er selbst würde gerne dabei mitarbeiten, die «Steuerrulings» in der EU besser abzustimmen.

Seine Freundschaft mit Jean-Claude Juncker, Chef der EU-Kommission, die die Affäre jetzt prüfen muss, sieht Gramegna übrigens nicht als Problem. Zwar habe er mit seinem Kumpel noch nicht «im Detail» über die Steueraffäre geredet – er stünde aber «immer im Kontakt» mit ihm. Schlaflose Nächte hat Gramegna wegen der Steueraffäre sowieso nicht. «Ich bin Zen», sagt der Finanzminister der Süddeutschen.

(Tobias Senzig/L'essentiel)

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