Tötungsdelikt in Esch: «Mein Sohn rannte weg, weil der Angreifer auch Kinder bedrohte»

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Tötungsdelikt in Esch«Mein Sohn rannte weg, weil der Angreifer auch Kinder bedrohte»

ESCH/ALZETTE – Drei Tage nach den traumatischen Ereignissen stand die U13-Mannschaft von Jeunesse Esch am Montag wieder am Ort des Geschehens zum Training auf dem Platz. Der Schock sitzt tief.

von
Jean-François Colin
Die U13-Mannschaft hat auf Anraten des psychologischen Dienstes des CGDIS am Montag wieder trainiert.

Die U13-Mannschaft hat auf Anraten des psychologischen Dienstes des CGDIS am Montag wieder trainiert.

L'essentiel

Montagabend, 17 Uhr. Klirrende Kälte herrscht auf den Trainingsplätzen der Jeunesse in der Escher Hiehl. Auf dem mit Schneeresten gesäumten Kunstrasen kicken rund zwanzig «Minimes», die U13 des Vereins, unter der Leitung von drei Trainern – die meisten mit Jogginganzügen und Mützen. Pässe, Ballannahme, Jonglieren. Alle geben sich Mühe und achten aufmerksam auf die Anweisungen. Eigentlich eine gewöhnliche Szene bei einem Jugendtraining unter der Woche, doch findet sie 72 Stunden nach dem dramatischen Vorfall vom Freitag statt, bei dem ein Angreifer mit zwei Messern auf die Spieler und den Trainer losgegangen war und beim anschließenden Gegenangriff selbst das Leben verlor.

Kurz vor dem Training am Montag hatte die Luxemburger Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass ein 22-Jähriger wegen Totschlags angeklagt ist. Dabei soll es sich um einen Jugendtrainer des Vereins handeln. «Wir mussten so schnell wie möglich zur Normalität zurückkehren und das Training wieder aufnehmen», erklärt Claude Kremer, Vorsitzender des Jugendausschusses des Vereins. Damit folge man den Anweisungen der psychologischen Beratungsstelle des CGDIS.

Eine Mutter äußerte sich schockiert zu dem Geschehenen. «Der Trainer hat sich gut um die Kinder gekümmert. Aus ihrer Sicht hat er sie verteidigt – sie verstehen das alles nicht.» Auch ihr Sohn sei am Tatabend da gewesen: «Er ist weggerannt.» Denn anders als zunächst bekannt war, habe der Angreifer auch die Kinder bedroht. «Er ist in einen Container am Rand des Spielfelds geflüchtet, wo er sich hinter einem Möbelstück verbarrikadiert hat. Wie man es ihnen in der Schule beibringt», erzählt die Mutter.

Als der Junge am Sonntag die psychologische Unterstützung des CGDIS in Anspruch genommen habe, sei er weinend nach Hause gekommen. «In dieser Sitzung hat er noch weitere Dinge erfahren. Er kommt damit sehr schlecht zurecht und wollte am Montag nicht in die Schule gehen.» Die Psychologen des CGDIS hätten geraten, seinen Zustand drei Monate lang genau zu beobachten.

Die Kinder, die am Montag anwesend sind, sind froh, wieder auf dem Rasen zu stehen. Warum genau ihr Trainer in Schwierigkeiten steckt, scheinen viele nicht zu verstehen. «Wir haben mit ihm gewonnen», sagen sie. «Für mich ist er jemand, den die Kinder mögen», so auch die Mutter. Der 22-Jährige sei seit mindestens einem Jahr bei der Jeunesse. Bevor es wieder zum Training ging, habe ihr Sohn überlegt, den Verein zu wechseln, doch die Bindung zum Verein und zum Trainer sei zu groß.

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