Geflüchtete Schüler: «Mein Vater in der Ukraine ist stolz auf mich, dass ich die Sprachen lerne»
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Geflüchtete Schüler«Mein Vater in der Ukraine ist stolz auf mich, dass ich die Sprachen lerne»

JUNGLINSTER – Seit Ende Februar werden 1273 ukrainische Schüler im Land unterrichtet. Auch in Junglinster gehen viele von ihnen zur Schule, wir haben sie vor Ort besucht.

von
Yannis Bouaraba

Fast vier Monate nach der russischen Invasion in der Ukraine gehen in Luxemburg 1273 geflüchtete Schülerinnen und Schüler wieder zur Schule, die meisten von ihnen in öffentliche internationale Schulen. Fast zwei Drittel (812) besuchen eine Sekundarschule, das andere Drittel (471) kam in die Grundschule.

Alle werden derzeit in speziell eingerichteten Klassen unterrichtet, in denen zum Großteil Englisch gesprochen wird, um den Austausch zu erleichtern. «Ich werde von Mariana, einer ukrainischen Lehrerin, unterstützt, die bei Bedarf übersetzt», erklärte François Colin, Mathematiklehrer an der «Lënster Lycée International School» in Junglinster. Je nach Alter und Niveau erhielten einige Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Übungen. «Es ist eine andere Art zu unterrichten, aber alle Schüler sind sehr motiviert», so Colin.

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Die Schule betreut rund 160 geflüchtete Schüler. In seinem Klassenzimmer sitzen etwa 20 von ihnen, die an Computern einen Geometriekurs belegen. Am Dienstag hat Bildungsminister Claude Meisch die Schule besucht. Ein 17-Jähriger aus Dnipro, der vor einem Monat in Luxemburg angekommen ist, erzählte, er habe einige Worte mit dem Bildungsminister gewechselt. «Ich habe ihm auf einer Karte gezeigt, woher aus der Ukraine ich komme», berichtete er. In einigen Monaten werde er 18 Jahre alt – vielleicht wolle er dann in die Ukraine zurückkehren, um der Armee beizutreten. «Hier läuft alles sehr gut, ich bin in Sicherheit und meine Mutter auch», erklärte er «aber ich habe noch nicht entschieden, was ich als Nächstes tun werde.»

«Ihr seid in Luxemburg herzlich willkommen», sagte Claude Meisch beim Ortstermin zu den Schülern. «Einige werden nach dem Konflikt sicher zurückkehren, andere möchten vielleicht bleiben. Ich wünsche euch allen viel Erfolg und dass ihr einen Beruf findet». Von den Schülern bekam er eine Zeichnung, die er als Andenken mitnahm. «Das wird eine schöne Erinnerung sein, ich werde sie in meinem Büro aufhängen», versprach er.

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Abschlussprüfung

Währenddessen nahmen in einer anderen Klasse der Schule jüngere Schülerinnen und Schüler an einem Kurs über «Leben und Gesellschaft» teil. «Hier entdecke und lerne ich neue Sprachen», erzählte eines der Mädchen. «Mein Vater, der in der Ukraine geblieben ist, ist stolz auf mich.» Gerade jüngeren Schülerinnen und Schülern falle der Wechsel zur englischen Sprache schwerer, erklärte Milena, eine ukrainische Sportlehrerin, die in dieser Klasse dolmetscht. «Manchmal sind Schüler zu schüchtern, um sich auszudrücken», daher sei die Rolle der Assistenten daher von entscheidender Bedeutung.

Einige Schüler, die sich im letzten Jahr des Lycées befinden, können im August oder September eine Abschlussprüfung ablegen, die in Luxemburg vom ukrainischen Bildungsministerium organisiert wird. Stattfinden wird diese im Lycée Michel Lucius. Das Institut National des Langues wird während des Sommers Intensivkurse in Englisch und Französisch für diejenigen organisieren, die im Herbst an der Universität Luxemburg studieren wollen. Für die jüngeren Schüler werden die außerschulischen Aktivitäten während der Ferien fortgesetzt, die ebenfalls die Möglichkeit bieten, Sprachen zu üben.

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