Luxemburg: «Meine Gasvorauszahlung hat sich fast verdreifacht»

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Luxemburg«Meine Gasvorauszahlung hat sich fast verdreifacht»

LUXEMBURG – Die Explosion der Gasvorauszahlungen kann Haushalte an ihre Grenzen bringen. Ganz so schlimm wie befürchtet, wird es die kommenden Monate aber wohl nicht.

von
Nicolas Martin
Auch im Großherzogtum kämpfen die Haushalte mit den Energiekosten.

Auch im Großherzogtum kämpfen die Haushalte mit den Energiekosten.

Pixabay

Die Tripartite hat festgelegt, dass der Gaspreis nicht mehr als 15 Prozent über den aktuellen Preis steigen darf. Beunruhigte Haushalte können damit etwas aufatmen: «Seit März dieses Jahres zahle ich 156 statt 350 Euro monatlich. Das ist wirklich viel und ich habe mir schon Sorgen gemacht, wie das weitergeht. Was hätte ich machen sollen, wenn ich ich für das Gas jeden Monat über 600 Euro hätte zahlen müssen? Wir müssen ja alle auch noch andere Rechnungen bezahlen. Da gehen 350 Euro für Strom drauf, 1200 Euro für den Hauskredit, dann kommt der Treibstoff noch dazu… Ich hätte jeden Monat mein Konto überziehen müssen».

Stéphanie ist Angestellte einer Bank und lebt mit ihrem Sohn und ihrem Mann in einem Haus in Strassen. Als sie am Dienstag erfahren habe, dass die Gaspreise in Luxemburg bald gedeckelt werden, sei ihr ein Stein vom Herzen gefallen. Aber sie wolle sich nicht zu früh freuen: «Noch ist die Maßnahme nicht in Kraft, also abwarten und weiter sparen», sagt sie. Stéphanies Familie geht es wie vielen anderen auch. Die Vorauszahlungen für das Gas sind explodiert. «Bei mir sind die Kosten von 416 Euro auf 1135 Euro für zwei Monate gestiegen. Das ist fast drei Mal so viel», erzählt Tom aus Niederfeulen.

Während die Preise in die Höhe schießen, passen die Lieferanten die Vorauszahlungen automatisch an. «Die neuen Vorauszahlungen werden auf der Grundlage des neuen gültigen Tarifs und im Verhältnis zum bisherigen Verbrauch des Kunden berechnet. Wir passen die Preise an, damit unsere Kunden zum Jahresende keine extrem hohen Beiträge zahlen müssen», betont SudEnergie. Enovos handelt nach dem gleichen Vorsorgeprinzip. «Für uns ist es wichtig, die Preise jeden Monat so realistisch wie möglich zu halten. Wir wollen böse Überraschungen für den Kunden vermeiden».

Dennoch große Belastung durch Energiepreise

Hätten sich die Gaspreise ab Oktober, wie befürchtet, tatsächlich verdoppelt, so hätte das für einen typischen Vier-Personen-Haushalt mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 3300 Kubikmetern pro Jahr (36.300 Kilowattstunden pro Jahr) eine Jahresrechnung (inkl. Steuern) von 5400 Euro bedeutet – ohne Netzkosten, die derzeit vom Staat subventioniert werden. Beim derzeitigen Tarif liegen die Kosten noch bei 3050 Euro pro Jahr. Weil sich der Gaspreis aber nach dem neuen Tripartite-Beschluss nur maximal um 15 Prozent erhöhen darf, würde das für den Beispiel-Haushalt eine jährliche Rechnung in Höhe von maximal 3500 Euro bedeuten.

«Uns ist natürlich bewusst, dass die steigenden Energiepreise dennoch für viele Haushalte eine enorme Belastung darstellen. Auf den Großhandelsmärkten sind die Preise innerhalb eines Jahres um den Faktor 10 bis 15 gestiegen», erklärt Enovos und weist darauf hin, dass jeder Kunde bei Bedarf seine Rechnungen auch monatlich, statt im Zweimonats-Takt bezahlen könne. «Dies ermöglicht es dem Kunden, die Energiekosten besser über die Zeit zu verteilen». SudEnergie gibt an, seine Kunden auf mögliche Ratenzahlungspläne hinzuweisen.

«Wir haben uns große Sorgen gemacht und angefangen zu sparen, wo es ging», betont Stéphanie. «Wir achten auf die Temperatur in jedem Raum. Einige beheizen wir schon gar nicht mehr. Wir baden nicht mehr, sondern duschen und ich kaufe in günstigeren Läden ein, weil ich plötzlich eine Quittung von 400 Euro für meinen Einkauf hatte». Sie wisse zwar, dass es ihr immer noch besser gehe als Anderen, am Ende des Monats habe sie dennoch Schwierigkeiten.

Wann kann einem das Gas abgestellt werden?

Was unbezahlte Rechnungen betrifft, so gibt es laut Enovos ein klar geregeltes Verfahren. Bei Nichtzahlung werden dem Kunden drei Mahnungen zugesandt. Wenn der Kunde nicht reagiert, wird eine letzte vierte Mahnung verschickt. Das für den Wohnort des Kunden zuständige Sozialamt wird darüber informiert. Wenn der Kunde den Anspruch hat, kann das Sozialamt die Rechnung gegebenenfalls übernehmen. Die Einbeziehung des Sozialamts in dieses Verfahren soll verhindern, dass Familien in prekären Verhältnissen von der Versorgung abgeschnitten werden. Im Allgemeinen stellen die Energieversorger die Versorgung der Kunden während der Kälteperiode nicht ein, auch nicht bei unbezahlten Rechnungen.

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