Johnny Schleck – «Meine Söhne wollen weitermachen»
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Johnny Schleck«Meine Söhne wollen weitermachen»

LUXEMBURG – Johnny Schleck dementiert im Interview mit L’essentiel, dass Fränk und Andy ihre Karriere an den Nagel hängen wollen.

Johnny Schleck sprach mit dem L'essentiel über die Doping-Vorwürfe gegen Fränk und die Verletzung von Andy.

Johnny Schleck sprach mit dem L'essentiel über die Doping-Vorwürfe gegen Fränk und die Verletzung von Andy.

Editpress

Johnny Schleck, der Vater von Fränk und Andy, hatte am Wochenende einer französischen Zeitung gesagt, er habe seinen Söhnen geraten, ihre Radprofi-Karriere zu beenden. Im Interview mit dem «L'essentiel» dementiert er.

L’essentiel: Wollen Sie wirklich, dass Fränk und Andy mit dem Radrennfahren aufhören?

Johnny Schleck: Da kamen schlechte Erinnerungen hoch. Ich habe diese Aussage spontan gemacht, weil ich emotional angeschlagen und enttäuscht war, was diesen Sport angeht. Aber die Jungs lieben den Sport noch immer und sie wollen weitermachen. Aber wir machen zurzeit eine sehr schwere Phase durch.

Was war der Auslöser Ihrer Aussage?
Meine Frau und ich sind auch nur Eltern. Wir saßen vor dem Fernseher und haben zweimal mit ansehen müssen, wie Andy sich bei Stürzen schwer verletzte. Wir sind uns des Risikos bewusst.

Sind Sie vom Radrennsport an sich enttäuscht oder von dem Umfeld?
Ich finde, dass der Radsport im Vergleich zu anderen Sportarten übertrieben stark kritisiert wird. In anderen Disziplinen werden jedes Jahr neue Rekorde aufgestellt und keiner stellt Fragen. Dieses Wochenende gab es Krawalle bei einem Bundesliga-Spiel. Darüber wird einen Tag lang geredet, das war es dann. Den Radsport habe ich mein Leben lang verfolgt, aber etwas vergleichbares habe ich dort nie gesehen. Es werden einfach unterschiedliche Maßstäbe angesetzt.

Wie denken Sie über die Sanktionen gegen Lance Armstrong, die jetzt von der UCI verhängt wurden?
In meinen Augen war Armstrong immer ein sehr großer Champion. Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten sollten, dann wäre ich sehr enttäuscht. Aber in meinen Augen steckt mehr dahinter und es ist nicht richtig, sich an dieser Sache allein aufzuhängen. Wenn ein Sportler Fehler macht, dann sollte nicht eine ganze Sportart darunter leiden müssen. Ich finde es gut, dass es Kontrollen gibt, aber der Fall beweist, dass diese nicht zuverlässig waren. Zudem sehe ich nicht ein, warum man diese alten Geschichten jetzt wieder ausgraben muss.

Wie gehen Sie damit um, dass Fränk positiv getestet wurde?
Eine solche Situation haben wir noch nie erlebt. Wir sind ja keine zwielichtigen Gestalten. Wir sind eine normale, angesehene Familie in Luxemburg und haben noch nie Probleme mit der Justiz gehabt. Wir sind überfordert und das alles ist sehr anstrengend. In einem kleinen Land, wo jeder uns kennt, ist das ja noch schwerer zu ertragen.

Haben Sie das Gefühl, dass die Menschen Sie mit anderen Augen sehen?
Ja, aber es ist wichtig, der Öffentlichkeit klarzumachen, dass bei Fränk ein Diuretikum gefunden wurde. Es handelt sich um eine verbotene Substanz, aber nicht um ein Doping-Mittel. Er hätte am Tag nach der Kontrolle das Rennen wieder aufnehmen können. Als Verschleierungsmittel wird es auch nicht mehr eingesetzt, da die Präzision der Kontrollen heutzutage sehr hoch ist. Fränk und Andy haben im vergangenen Jahr 49, respektive 51 Kontrollen mitgemacht. Sämtliche Lebensmittel der Rennfahrer sollten untersucht werden.

Die Enthüllungen über die Verstrickungen zwischen Fahrern wie Scarponi oder Menchov und Doktor Ferrari tragen nicht dazu bei, dass der Radsport mehr Glaubwürdigkeit bekommt…
Seit wann sind denn Leute wie Ferrari in diesem Milieu aktiv? Diese Leute sind doch bekannt. Die Fahrer sollten nicht die ganze Verantwortung tragen müssen. Da gibt es andere Instanzen, die betroffen sind. Ich hoffe jedenfalls, dass der Radsport es schafft. Ich habe diese Sportart immer geliebt.

Es heißt, dass Andys Verletzung ihn dauerhaft am Rennfahren hindern könnte. Machen Sie sich Sorgen?
Er wird sehr gut versorgt, aber es handelt sich um eine langwierige Verletzung. Er hätte vielleicht nicht nach seinem Sturz weiterfahren sollen. Wir wissen jetzt, wie es um seine beiden Hüften bestellt ist, aber niemand kann zurzeit sagen, wann die Genesung abgeschlossen sein wird. Das bereitet mir Sorgen, denn derzeit kann kein Arzt sagen, ob er sein Höchstniveau wiedererlangen wird.

Wie sähe eine Zukunft Ihrer Söhne ohne den Radsport aus?
Sie haben studiert. Sie wären in der Lage, in vielen verschiedenen Bereichen zu arbeiten. Aber sie wollen wirklich weitermachen.

(Interview: Nicolas Martin/L‘essentiel)

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