Ferrari im Nacken – Mercedes ruft trotz WM-Führung Krise aus

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Ferrari im NackenMercedes ruft trotz WM-Führung Krise aus

Mercedes sieht den Titel von Lewis Hamilton in Gefahr, weil Ferrari schneller ist. Doch Sebastian Vettel droht Ungemach für den GP von Japan.

Seine Miene verhieß nichts Gutes. Und die Worte, die Toto Wolff folgen ließ, passten dazu. «Ich bin niedergeschlagen», sagte der Mercedes-Motorsportchef nach dem GP von Malaysia. Es war ein Satz voller Sorgen, was auf den ersten Blick erstaunte, immerhin hatte der prominenteste Angestellte bei den Silberpfeilen, Lewis Hamilton, seinen Vorsprung auf Sebastian Vettel mit Platz 2 hinter Red-Bull-Youngster Max Verstappen eben auf 34 Punkte ausgebaut.

Wolff hatte nach dem Rennen aber auch andere Zahlen gesehen. Zahlen, die Mercedes keineswegs schmeichelten. Die Analysen zeichneten ein ungeschöntes Bild der Leistung des F1 W08: Er war in Sepang eine halbe Minute langsamer als Ferrari. «Und wenn Max bis zum Ende gepusht hätte, dann wären wir vielleicht auch eine halbe Minute hinter ihm gelandet», sagte der Österreicher und fügte an: «Wenn wir in den letzten zwei Rennen nicht Glück gehabt hätten, würden wir in der WM zurückliegen.»

Vettel: «Wir sind schneller»

Zur Erinnerung: Mitte September in Singapur hatte sich Pole-Setter Vettel mit einem gewagten Manöver noch vor der ersten Kurve selber aus dem Rennen genommen, in Malaysia musste er nach einem Motorproblem im Qualifying vom letzten Platz starten und preschte sensationell bis auf Rang 4 vor. Obwohl sein Rückstand anwuchs, ist sich der vierfache Weltmeister sicher: «Wir sind schneller. Wir haben ein Auto, das überall gewinnen kann.»

Wolff widerspricht Vettels Einschätzung nicht. Er wehrt sich aber dagegen, den Mercedes schlechtzureden. «Unser Auto ist keine lahme Ente. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir über das Auto sprechen, das die Konstrukteurs- und die Fahrer-WM anführt.» Und doch beschäftigt den 45-Jährigen eine Frage: «Wie kann es sein, dass ein Auto, das auf manchen Strecken so schnell ist, so viel verliert, weil es die Reifen überhitzt?»

Braucht «Gina» ein neues Getriebe?

Um möglichst bald eine Antwort darauf zu finden, hat Mercedes dieselben Notfallmaßnahmen ergriffen wie Ende Mai nach dem GP von Monaco, wo Hamilton und Teamkollege Valtteri Bottas nicht über die Plätze 7 und 4 hinausgekommen waren. Damals suchten die Ingenieure in der Fabrik in Brackley während zehn Tagen pausenlos nach der Ursache für das schlechte Abschneiden. Nun ist die Krisen-Taskforce erneut im Einsatz.

Allerdings bleibt diesmal weniger Zeit, am Sonntag steht in Suzuka bereits der GP von Japan auf dem Programm. Wolff sagt: «Es stehen noch fünf Rennen bevor, und wir haben gesehen, wie rasch es sich drehen kann. Wir müssen jetzt verstehen, wie wir das Maximum aus diesem Auto herausholen können, um den Vorsprung bis zum Ende zu verteidigen.»

Was Mercedes zugutekommen könnte: Auch Vettel hat Sorgen. Nach seinem Sepang-Crash mit Lance Stroll in der Auslaufrunde ist offen, ob das Getriebe seiner «Gina», wie der Wahl-Thurgauer seinen Dienstwagen getauft hat, ersetzt werden muss. Das würde ihn fünf Plätze in der Startaufstellung kosten. «Wir werden es prüfen, aber da könnte sicher eine weitere böse Überraschung drohen», sagt er.

(L'essentiel/kai)

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