Quique Setién – «Messi ist schwierig zu führen»

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Quique Setién«Messi ist schwierig zu führen»

So offen hat noch kaum einer über die Macken des Superstars gesprochen: Der ehemalige Barça Trainer Quique Setién erzählt von seiner Zusammenarbeit mit Lionel Messi.

Kamen nicht miteinander aus: Quique Setién und Lionel Messi.

Kamen nicht miteinander aus: Quique Setién und Lionel Messi.

Foto: Getty Images/Pedro Salado

Ein bisschen leid tun konnte er einem schon. Eder Sarabia, der an der Seitenlinie immer so passioniert coachte, gestikulierte, näherte sich bei einer Trinkpause Lionel Messi. Er hatte Anweisungen für ihn, wollte ihm seine Meinung mitteilen. Also begann er zu reden, bis er feststellte: Messi hört ja gar nicht zu. Nein, der Argentinier nahm einen Schluck aus seiner Trinkflasche und ging wieder weg. Zurück blieb ein verdutzter Sarabia, zu diesem Zeitpunkt noch Assistenztrainer beim FC Barcelona. Zurück blieb aber auch die Erkenntnis, dass die Barça-Stars gar kein Interesse daran haben, in der Öffentlichkeit eine funktionierende Zusammenarbeit zu heucheln.

Das war Ende Juni, kurz darauf kam das 2:8-Debakel in der Champions League gegen Bayern München und die logische Entlassung Sarabias und seines Chefs, Quique Setién. In einem Gespräch mit dem früheren spanischen National- und Weltmeistercoach Vicente del Bosque, aufgezeichnet von der Zeitung El Pais, gibt eben dieser Setién nun Einblicke in seine schwierige Zeit bei den Katalanen – insbesondere in die Zusammenarbeit (oder eben nicht) mit Messi. Er beginnt mit wenig Überraschendem, mit überschwänglichem Lob: «Ich glaube, er ist der beste Spieler aller Zeiten. Es gab großartige Fußballer, aber seine Kontinuität ist unerreicht. Höchstens vielleicht von Pelé.» Doch es gebe noch eine andere Seite, diejenige, die nichts mit dem Spieler Messi zu tun habe.

Messis gefürchtete Blicke

Und genau diese Facette sei «schwieriger zu führen», so der 62-Jährige weiter. Er hält kurz inne und präzisiert: «Viel schwieriger.» Diese menschliche Seite haben viele Sportler, sichtbar wurde sie bei Michael Jordans Doku «The Last Dance», erklärt Setién. Dabei scheinen Messi und Jordan relativ wenig gemeinsam zu haben – außer, dass sie in ihren Sportarten oft als «GOAT», also als Bester der Geschichte, bezeichnet werden. Denn Jordan war ein extrovertierter Basketballer, während Messi kaum spricht. Das bestätigt auch Setién, aber: «Er lässt dich schon spüren, wenn er dir etwas mitteilen will.» Nämlich mit seinen Blicken.

Del Bosque greift einen Satz auf, den der frühere Barça-Trainer Gerardo Martino offenbar mal im Training zu Messi gesagt haben soll: «Ja, ich weiß, dass ein Anruf von Ihnen beim Präsident genügt, um mich zu entlassen. Ich weiß es wirklich, es ist nicht nötig, dass Sie mir das jeden Tag auf dem Platz zeigen.» Bestätigt wurde die Aussage nie definitiv, das ist für Setién auch nicht nötig: «Mir braucht das keiner zu erzählen, ich habe Messi und andere Jungs erlebt und weiß genau, wie sie ticken.»

Doch er zeigt auch Verständnis für den Superstar. Es sei diese Besessenheit, immer gewinnen zu wollen, ja, fast schon zu müssen: «Er hat so viele Titel gewonnen, das generiert eine Gier, die schädlich sein kann, wenn der Erfolg ausbleibt.» Dazu komme der Druck von außen: «Die Erwartungen sind mittlerweile so brutal, dass sie sich tief eingebrannt haben. Bei ihm und anderen, die permanent gewinnen müssen.» Setién blieb nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren: «Wer bin ich schon, um ihn zu ändern? Schließlich wird er seit 15 Jahren so akzeptiert, wie er ist.»

Ein Assistent gießt Öl ins Feuer

Ein Brandbeschleuniger, der das Innenleben von Barças Team endgültig in Flammen setzte, soll Assistent Sarabia gewesen sein. Einer, der zeitweise hysterisch an der Seitenlinie auf und ab hüpfte, um Anweisungen zu geben. «Ein ausgezeichneter Junge», wie Setién befindet. Aber: «Ich musste dem Team schon am ersten Tag sagen, wie er tickt. Der Erste, der ihn aushalten musste, war ich. Später sagten mir die Captains, dass ihnen egal ist, was er an der Seitenlinie herumkreischt.»

Also wurde die Beziehung nicht besser, sondern schlechter. Bis sie in der großen Demütigung endete, dem historischen 2:8 gegen die Bayern. Auch dazu gebe es Geschichten, die der Öffentlichkeit bisher verwehrt blieben, sagt Setién: «Eines Tages werde ich alles darüber erzählen.»

(L'essentiel/fas)

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