NGO: Migranten gehen bei Abschiebung aus Algerien und Libyen «durch die Hölle»
Publiziert

NGOMigranten gehen bei Abschiebung aus Algerien und Libyen «durch die Hölle»

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat Algerien und Libyen eine «unmenschliche Behandlung» von Flüchtlingen aus Westafrika und deren Abschiebung in den Niger vorgeworfen.

23.05.2022, Libyen, Gasr Garabulli: Migranten auf dem Weg nach Europa werden in Gasr Garabulli im Nordwesten Libyens festgehalten, nachdem sie von der libyschen Küstenwache im Mittelmeer abgefangen wurden. Foto: Yousef Murad/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Libyen, Gasr Garabulli: Migranten auf dem Weg nach Europa werden in Gasr Garabulli im Nordwesten Libyens festgehalten, nachdem sie von der libyschen Küstenwache im Mittelmeer abgefangen wurden. Ein Großteil erfährt Gewalt und Folter.

Yousef Murad/AP/dpa

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat Algerien und Libyen eine «unmenschliche Behandlung» von Flüchtlingen aus Westafrika und deren Abschiebung in den Niger vorgeworfen. «Im Durchschnitt werden monatlich etwa 2000 Migranten aus Algerien und Libyen abgeschoben, darunter Schwerverletzte, Frauen, die vergewaltigt wurden, und Menschen mit schweren Traumata, die mitten in der Wüste an der algerisch-nigrischen Grenze ausgesetzt wurden», erklärte die Hilfsorganisation am Mittwoch.

Fast 70 Prozent der Migranten, die auf dem Weg nach Europa in Libyen und Algerien aufgegriffen und in den benachbarten Niger abgeschoben wurden, berichteten laut MSF bei ihrer Ankunft, wie sie unter der «Gewalt und dem erniedrigenden Verhalten» der algerischen und libyschen Wachen gelitten hätten. Der körperliche und psychische Zustand der Betroffenen bei der Ankunft in den MSF-Behandlungszentren zeige deutlich, dass «sie durch die Hölle gegangen sind», erklärte der MSF-Einsatzleiter im Niger, Jamal Mrrouch.

Nach Angaben seiner Organisation nimmt die Zahl der aus Algerien abgeschobenen Migranten in den vergangenen Jahren stetig zu: Waren im Jahr 2020 laut MSF rund 23.170 Migranten von der Abschiebung betroffen, stieg die Zahl ein Jahr später auf über 27.200. Von Januar bis Mai diesen Jahres seien es bereits knapp 14.200 Menschen gewesen.

Verschiedene Hilfsorganisationen haben den Behörden in Algier wiederholt vorgeworfen, Menschen aus Ländern südlich der Sahara willkürlich festzunehmen und kollektiv abzuschieben – manchmal werden die Betroffenen demnach ohne Wasser und Nahrung mitten in der Wüste ausgesetzt. Algerien weist die Anschuldigungen als «böswillige Kampagne» zurück.

(AFP)

Deine Meinung

0 Kommentare