Expertenmeinung: «Migranten senken die Löhne nicht, im Gegenteil»

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Expertenmeinung«Migranten senken die Löhne nicht, im Gegenteil»

LUXEMBURG – Martín Fernández Sánchez vom Liser widerspricht der Meinung, dass Zuwanderer die Löhne nach unten drückten. Stattdessen seien die meisten Migranten gut ausgebildet und würden gut bezahlt.

von
Joseph Gaulier
In Luxemburg sind Zuwanderer vergleichsweise gut ausgebildet.

In Luxemburg sind Zuwanderer vergleichsweise gut ausgebildet.

Editpress/Fabrizio Pizzolante

Niedrigere Löhne durch ausländische Arbeitnehmer im Land? Martín Fernández Sánchez, Forscher am Liser (Luxembourg Institute of Socio-Economic Research) und Experte für Migrationsthemen ist anderer Meinung. Er stützt sich auf amerikanische Studien, unter anderem die von Joan Monras. Sie besagt, die Auswirkungen, die die Zuwanderung auf die Löhne hat, seien zeitlich begrenzt und würden sich zudem räumlich verteilen.

«Natürlich gibt es zwischen Luxemburg und den USA große Unterschiede, allein schon in Bezug auf die Größe des Marktes und die Mobilität», erklärt Sánchez. Im Großherzogtum sei der Arbeitsmarkt sehr einheitlich und würde auch zu einem Großteil aus qualifizierten Migranten bestehen. Im Gegensatz dazu seien sie in den USA im Durchschnitt weniger ausgebildet. Der Liser-Forscher ist überzeugt: «Migranten senken die Löhne nicht, im Gegenteil. Sie machen die Unternehmen produktiver und führen tendenziell zu höheren Löhnen für qualifizierte Arbeitnehmer». Und diese Auswirkungen würden sich schnell im ganzen Land und über die Grenzen hinaus ausbreiten.

Andere Situation bei den Grenzgängern

Der Zustrom der Migranten geschehe zudem langsam und sei deshalb berechenbar. Unternehmen können sich an diese Entwicklung der Arbeitskräfte anpassen. Grenzgänger hätten zwar einen ähnlichen Effekt auf die Lohnbildung, aber nicht auf die Wirtschaft insgesamt. «Die Grenzgänger konsumieren und kaufen ja eher in ihrer Heimat. Deshalb kommen die hohen Löhne auch den Grenzregionen zugute», so Sánchez. Die Situation sei demnach eine völlig andere als beispielsweise bei den Portugiesen oder Spaniern, die in Luxemburg leben.

In bestimmten Sektoren, zum Beispiel im Baugewerbe, könnten unqualifizierte Arbeitskräfte die Löhne nach unten drücken, räumt Sánchez ein. «Die Auswirkungen sind jedoch begrenzt, da die Einheimischen nicht in diese Bereiche drängen.»

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