Fußball-WM in Russland – Mindestens 17 Arbeiter starben auf Baustellen

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Fußball-WM in RusslandMindestens 17 Arbeiter starben auf Baustellen

Todesfälle, mangelnde Sicherheit, fehlender Lohn: Vor der Fußball-WM 2018 in Russland prangert Human Rights Watch die Arbeitsbedingungen auf den Baustellen an.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat die Umstände, unter denen russische und ausländische Bauarbeiter in den russischen Stadien für die Fußball-Weltmeisterschaft schuften, scharf kritisiert. Die Arbeiter auf Stadionbaustellen in sechs russischen Städten würden über Monate hinweg nicht bezahlt, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten 34-seitigen Bericht der Organisation. Oft existieren demnach nicht einmal Arbeitsverträge.

Arbeiter hätten im Winter ohne Schutzkleidung bei Temperaturen von bis zu minus 25 Grad Celsius arbeiten müssen – ohne ausreichende Pausen zum Aufwärmen. Mindestens 17 Arbeiter seien bereits auf WM-Baustellen ums Leben gekommen, berichtete HRW unter Berufung auf Zahlen des globalen Gewerkschaftsbundes Bau- und Holzarbeiter Internationale (BHI). Den russischen Behörden warf die NGO vor, ihre Mitarbeiter einzuschüchtern. In der Stadt Wolgograd sei bereits ein Mitarbeiter festgenommen worden.

Angst vor Racheakten

Zudem verweist HRW auf die unwürdigen Arbeitsbedingungen nordkoreanischer Bauarbeiter, über die internationale Medien bereits im Frühjahr berichteten. Die Nordkoreaner, die im St. Petersburger WM-Stadion schufteten, mussten ihren Lohn an ihre Regierung abführen und hatten kaum jemals frei. Laut dem Fußballweltverband Fifa werden die nordkoreanischen Arbeiter nicht mehr beschäftigt.

Für ihren Bericht befragte HRW russische Arbeiter und ausländische Bauarbeiter aus der Ukraine, Weißrussland und Zentralasien. Viele Befragte hätten Racheakte ihrer Arbeitgeber befürchtet, wenn sie über Menschenrechtsverletzungen berichteten, betont die NGO.

Fifa weist Vorwürfe zurück

Die Organisation warf der Fifa vor, die Arbeitsbedingungen im Vorfeld des in Kürze beginnenden Confederations Cup und der WM im kommenden Jahr nicht ausreichend zu überprüfen. Die Fifa komme ihren eigenen Zusagen zu den Menschenrechten nicht nach, kritisierte die Organisation.

«Die Fifa hat versprochen, die Menschenrechte zum Herzstück ihrer weltweiten Aktivitäten zu machen. In Russland wird dieses Versprechen auf die Probe gestellt – und das Ergebnis ist nicht zufriedenstellend», sagte Jane Buchanan, stellvertretende Leiterin der Abteilung Europa und Zentralasien bei Human Rights Watch.

Die Fifa wies die Vorwürfe zurück. Der Verband «teilt das Ziel von HRW, angemessene Arbeitsbedingungen auf WM-Baustellen sicherzustellen», erklärte die Fifa. Die Angaben der Menschenrechtsorganisation stimmten nicht mit der Einschätzung der Fifa überein. Der Verband nehme vierteljährliche Inspektionen durch unabhängige Experten und Gewerkschaftsvertreter vor.

(L'essentiel)

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