Deutsche Marine – Minister nach Meuterei in Erklärungsnot

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Deutsche MarineMinister nach Meuterei in Erklärungsnot

Der deutsche Verteidigungsminister steht nach einer angeblichen Meuterei auf dem Vorzeige-Segelschiff «Gorch Fock» und dem Unfalltod eines Soldaten in der Kritik.

Das deutsche Segelschulschiff «Gorch Fock» wird von kleineren Schiffen flankiert. (Bild: AFP)

Das deutsche Segelschulschiff «Gorch Fock» wird von kleineren Schiffen flankiert. (Bild: AFP)

Die angebliche Meuterei auf der «Gorch Fock» und der ungeklärte Unfalltod eines Soldaten in Afghanistan bringen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in Erklärungsnöte. Die SPD warnte den CSU-Politiker am Donnerstag vor «Vertuschungen» und warf ihm vor, sein Haus nicht im Griff zu haben. Guttenberg forderte eine «rückhaltlose Aufklärung», wandte sich aber gegen Vorverurteilungen. Die Marine schickte ein Ermittlerteam auf das Segelschulschiff, das zurzeit vor Argentinien unterwegs ist.

Auf der «Gorch Fock» war es nach dem tödlichen Absturz einer Offizieranwärterin im November zu Auseinandersetzungen zwischen Mannschaft und Offizieren gekommen. Einige Seekadetten wollten nicht einfach zum Tagesbetrieb übergehen und insbesondere nicht in die Takelage klettern. Dies brachte mehreren Soldaten den Vorwurf der Meuterei ein. Guttenberg sagte dazu in Berlin: «Sollten die Vorwürfe zutreffen, wird das Konsequenzen nach sich ziehen.»

Im Fall eines Ende vergangenen Jahres in Afghanistan getöteten Soldaten prüft die Staatsanwaltschaft Gera Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung. Im Verdacht steht ein Soldat aus Thüringen.

Beim Spielen mit Waffe getötet

Das Opfer, ein 21 Jahre alten Hauptgefreiter, wurde offenbar beim Spielen mit einer geladenen Waffe in den Kopf getroffen, wie die «Bild»-Zeitung unter Berufung auf einen Ermittlungsbericht der Feldjäger berichtete. Dies habe einer von elf befragten Soldaten zu Protokoll gegeben.

Dazu sagte Guttenberg: «Es war bereits am zweiten Tag bekannt, dass der Schuss sich mutmasslich aus der Waffe eines zweiten Soldaten gelöst hatte. Das haben wir dann auch öffentlich bekannt gemacht.» Nun seien die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abzuwarten. Das Ministerium habe «in keiner Weise etwas zurückgehalten».

Der Hauptgefreite aus dem Gebirgsjägerbataillon 232 aus dem bayerischen Bischofswiesen war am 17. Dezember kurz vor dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Afghanistan ums Leben gekommen.

Marine verspricht «gründliche Aufklärung»

Der Marineinspekteur erklärte zu der angeblichen Meuterei auf der «Gorch Fock», Beteiligte und Betroffene hätten Anspruch «auf eine gründliche Aufklärung».

Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus wies die Meutereivorwürfe gegen vier Offiziersanwärter sowie Zweifel am Ausbildungskonzept des Segelschulschiffs zurück. «Es gab keine Meuterei», sagte Königshaus N24. Es habe lediglich Vorwürfe gegeben, die «in diese Richtung gingen».

Die SPD stellte Guttenberg ein Ultimatum, die Vorfälle aufzuklären. «Länger als zwei Wochen werden wir auf keinen Fall mehr warten», sagte die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Susanne Kastner (SPD) dem «Münchner Merkur» (Freitagausgabe). Guttenberg habe «zumindest den Meldeweg» in der Bundeswehr nicht im Griff. Die Untersuchungen seien viel zu spät begonnen worden, das gelte auch für die Vorgänge auf der «Gorch Fock».

(L'essentiel online/20Minuten)

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