Katholische Kirche – Missbrauchsgutachten belastet Papst Benedikt
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Katholische KircheMissbrauchsgutachten belastet Papst Benedikt

Ein Missbrauchsgutachten des Erzbistums erhebt Vorwürfe gegen den Vorgänger von Papst Franziskus. Er habe in vier Fällen nichts gegen die beschuldigten Geistlichen unternommen.

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Der ehemalige Papst Benedikt soll in mehreren Missbrauchsfällen nichts gegen die Verantwortlichen unternommen haben.

Der ehemalige Papst Benedikt soll in mehreren Missbrauchsfällen nichts gegen die Verantwortlichen unternommen haben.

Reuters
Zu diesem Schluss kommt ein Missbrauchsgutachten des Erzbistums München und Freising.

Zu diesem Schluss kommt ein Missbrauchsgutachten des Erzbistums München und Freising.

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Das Ausmaß von sexuellen Missbräuchen in der katholischen Kirche kam erst in den letzten Jahren ans Licht.

Das Ausmaß von sexuellen Missbräuchen in der katholischen Kirche kam erst in den letzten Jahren ans Licht.

Reuters/Gustavo Graf

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist in einem neuen Gutachten zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum München und Freising schwer belastet worden. Benedikt habe als damaliger Münchner Erzbischof Joseph Ratzinger in vier Fällen nichts gegen des Missbrauchs beschuldigte Kleriker unternommen, teilten die Gutachter am Donnerstag in München mit. In einer Stellungnahme bestritt Benedikt demnach seine Verantwortung «strikt», die Gutachter halten dies aber nicht für glaubwürdig, wie Rechtsanwalt Martin Pusch sagte.

«Kein Interesse an Missbrauchsopfern»

In zwei der Fälle, bei denen die Gutachter ein Fehlverhalten des damaligen Münchner Erzbischofs sehen, sei es um Kleriker gegangen, denen mehrere begangene und auch von staatlichen Gerichten attestierte Missbrauchstaten vorzuwerfen seien. Beide Priester seien in der Seelsorge tätig geblieben, kirchenrechtlich sei nichts unternommen worden. Ein Interesse an den Missbrauchsopfern sei bei Ratzinger «nicht erkennbar» gewesen.

Die Gutachter sind mittlerweile auch überzeugt, dass Ratzinger Kenntnis von der Vorgeschichte des Priesters Peter H. hatte, der 1980 aus dem Bistum Essen nach München kam. H. war als Pädophiler verurteilt und beging später im Erzbistum München weitere Missbrauchstaten.

Erzbischof glänzt mit Abwesenheit

Rechtsanwalt Martin Pusch sagte, Ratzinger habe bei der Erstellung des Gutachtens zunächst eine «anfängliche Abwehrhaltung» gezeigt. Diese habe er aber später aufgegeben und ausführlich schriftlich Stellung genommen.

(L'essentiel/DPA/bho)

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