In Ergänzung zur Chemotherpie – Mit Disney-Filmen den Krebs bekämpfen
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In Ergänzung zur ChemotherpieMit Disney-Filmen den Krebs bekämpfen

Disneyfilme machen nicht nur Kinder glücklich, sondern helfen auch Schwerkranken: Frauen, die während der Chemotherapie einen solchen schauen, ging es danach deutlich besser.

Könnte das, was bei Kindern funktioniert, auch bei Erwachsenen Wunder wirken? Das fragte sich Sophie Pils von der Medizinischen Universität Wien, als sie ihre kleine Cousine beim Ansehen eines Disneyfilms beobachtete. Und die Idee zur nun im Fachjournal «Jama» publizierten Studie war geboren.

Um herauszufinden, ob das Schauen von Filmen wie «Bambi» (1942), «Alice im Wunderland» (1951) oder «Das Dschungelbuch» (1967) auch Krebspatientinnen während der Chemotherapie positiv stimuliert, rekrutierte die Gynäkologin unter ihren Patientinnen 50 Probandinnen. Sie alle erhielten am Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien wegen Eierstock-, Gebärmutterhals- oder Gebärmutterkrebs eine Chemotherapie, wie Orf.at berichtet (siehe Box).

Erinnerungen an eine schöne Zeit

Die eine Hälfte der Teilnehmerinnen agierte während den insgesamt sechs Chemo-Sitzungen wie gehabt, die anderen 25 durften sich am Tablet Disney-Klassiker wie «Cinderella» (1950), «Susi und Strolchi» (1955), «Mary Poppins» (1964), «Aristocats» (1970), «Robin Hood» (1973) oder «Arielle» (1989) ansehen.

Dass es vor allem alte Disneyfilme waren, hatte einen guten Grund, wie Pils dem ORF sagte: So seien die meisten Patientinnen älter als 50 Jahre. «Wir wollten sichergehen, dass sie den Film in einer Zeit gesehen haben, wo sie definitiv gesund waren.» Kurz: «Es sollte sie in eine positive und glücklichere Zeit zurückversetzen.»

Zusätzlich befragte die Medizinerin die Probandinnen vor und nach den Sitzungen zu ihrem Befinden und ihrem Sozialleben.

Wacher und sozialer

Ergebnis: Die Filme bewirken tatsächlich etwas. So zeigten sich die Patientinnen, die in den Genuss der Disneystreifen kamen, im Nachhinein weniger angespannt, gereizt und besorgt. Auch hätten sie sich im Anschluss wacher und weniger erschöpft gefühlt.

Doch auch auf den Umgang mit anderen habe das Filmschauen einen positiven Effekt gehabt, zitiert ORF die Gynäkologin: «Onkologische Patienten wollen in der Regel niemanden belasten und lehnen Hilfe oft ab. In diesem Fall haben einige zum Beispiel ihre Kinder angerufen, mit denen sie die Filme früher angesehen haben.» Bei den Patientinnen der Kontrollgruppe blieben die Effekte dagegen aus.

Akzeptanz und Reife

Eine gesicherte Erklärung für die Wirkung der Disneyfilme hat das Team um Pils jedoch nicht: Die Wissenschaftler gehen aber davon aus, «dass die soziale Kompetenz und emotionale Reife der Patientinnen durch die Filme gestärkt wurden, weil sie teilweise auch starke weibliche Charaktere zeigen.» Schließlich gehe es in ihnen um Akzeptanz und die persönliche Reife. «Es sind eigentlich Entwicklungsromane.»

Weitere Studien sollen nun klären, ob sich die Effekte auch mit anderen Filmen oder Beschäftigungen erziehen lassen.

(L'essentiel/Fee Anabelle Riebeling)

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