Luxemburger «Fifa»-König – Mit kühlem Kopf und flinken Fingern zur WM
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Luxemburger «Fifa»-KönigMit kühlem Kopf und flinken Fingern zur WM

LUXEMBURG - Francisco Munoz spielt am Wochenende für Luxemburg bei der «Fifa17»-WM. Im Vorfeld spricht er über Emotionen, Ambitionen und die Angst der Franzosen vor ihm.

Dank seinem Erfolg bei den Luxemburger Meisterschaften darf Francisco Munoz sein Land bei der WM vertreten.

Dank seinem Erfolg bei den Luxemburger Meisterschaften darf Francisco Munoz sein Land bei der WM vertreten.

11F Gaming

Cool bleiben. Einfach die Nerven behalten. Wenn das bei diesem Computerspiel so einfach wäre. Jeder «Fifa»-Spieler kennt wohl den Drang, bei schlechtem Spielverlauf etwas zu zerstören (siehe Video unten). Unzählige Controller, Fernseher und Laptops haben bereits den «Fifa-Tod» erlitten. Francisco Munoz (22) ist dagegen die Ruhe in Person, wenn er in die virtuelle Fußballwelt abtaucht. «Emotionen sind bei dem Spiel gefährlich. Deswegen blende ich normalerweise alles aus», sagt der Luxemburger, der als nationaler Meister am Wochenende die Farben des Großherzogtums bei der «Fifa17»-Weltmeisterschaft in Paris vertritt.

Mit der Teilnahme an der WM geht für den dreimaligen Luxemburger Meister ein Traum in Erfüllung. Vor fünf Jahren war so ein Event noch ganz weit weg. Denn da erst entdeckte Munoz seine Leidenschaft. «Ich habe am Anfang ein wenig online gezockt. Dann meinte einer, ich soll doch bei der französischen Meisterschaft mitmachen», erzählt der Hauptstädter, der den Spielernamen «Ciscinho» trägt. Gesagt, getan. Die Qualifikation war kein Problem und so startete er bei den Meisterschaften 2013 durch – und zwar richtig. «Ich bin erst im Halbfinale ausgeschieden», berichtet er. Danach wurden die Regeln übrigens geändert. Nur noch Franzosen durften mitmachen. «Ich glaube sie hatten Angst, dass ein Luxemburger französischer Meister werden wird», sagt Munoz mit spitzbübischem Lächeln.

Große Clubs steigen ein

Drei Jahre später mausert sich eSports zu einer immer größeren Nummer in Europa. Finanzkräftige Fußballvereine wie der VfL Wolfsburg, Schalke 04, West Ham United oder Paris St. Germain haben Spieler unter Vertrag genommen. Auch Munoz, der in seiner Freizeit gerne mit Freunden kickt und Tennis spielt, hat sich einen Namen gemacht und wird von 11F Gaming gesponsort. «Viel Geld verdienen lässt sich bis jetzt noch nicht, aber durch die Fußballclubs bekommt das Ganze jetzt eine andere Dimension», glaubt der 22-Jährige, der von der Luxemburger Online-Plattform vor allem in Sachen Marketing unterstützt wird: «Die machen das schon sehr professionell», lobt der Managementstudent der Uni Luxemburg.

Professionell ist auch die WM in Paris an diesem Wochenende. Munoz, der sein Spiel bei «Fifa17» etwas mehr auf Ballbesitz und Kurzpassspiel ausgelegt hat, kann es kaum erwarten. Und er rechnet sich durchaus Chancen ein. «Durch die Gruppenphase würde ich gerne kommen. Auch wenn in Paris eigentlich alles Zugabe ist», sagt er selbstbewusst. Er glaubt, dass sich das Niveau der Spieler dort nicht sonderlich unterscheiden wird: «Dieses Spiel wird oft mit dem Kopf entschieden. Wer ruhig bleibt, erhöht seine Chancen.» Und das Francisco «Ciscinho» Munoz das kann, hat er schon oft bewiesen.

(Henning Jochum/L'essentiel)

Games Week in Paris

Das Event vom 27. bis zum 31. Oktober in Frankreich zählt zu den größten Game-Veranstaltungen in Europa. Die «Fifa17»-WM ist darin eingebettet. Samstag und Sonntag wird die Vorrunde ausgetragen. Es gibt vier Gruppen zu je acht Spielern, die sich im Vorfeld qualifizieren mussten. Die besten Vier jeder Gruppe kommen in die K.o-Phase, welche am Montag über die Bühne geht.

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