Zerbrechliche Stangen – Mit Pole Dance Straßenschilder zerstört

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Zerbrechliche StangenMit Pole Dance Straßenschilder zerstört

40 Verkehrsschilder sind in Neuseeland in den letzten Monaten kaputt gegangen. Schuld sollen Prostituierte sein, die an den Stangen mit Pole Dance auf sich aufmerksam machen.

In Neuseeland hat Pole Dance an Straßenstangen Folgen für die Verkehrsschilder. (Bild: Keystone)

In Neuseeland hat Pole Dance an Straßenstangen Folgen für die Verkehrsschilder. (Bild: Keystone)

Neuseeland hat ein Problem. Mit Verkehrsschildern. Und vor allem mit Prostituierten. In den letzten 18 Monaten wurden in der Region um Auckland über 40 Verkehrsschilder verbogen, geknickt oder gar ganz zerbrochen. Anwohner sind empört, immerhin kosten die zerstörten Schilder, die ersetzt werden müssen, tausende Dollar.

Doch die Schuldigen sind rasch gefunden: Es sind die Prostituierten. «Sie nutzen diese Straßenschilder als Pole-Dance-Stangen», erzählt Donna Lee, ein Mitglied des Stadtrats von Otara-Papatoetoe, gegenüber dem «Telegraph». Die Stangen würden den Prostituierten dazu dienen, sich zu präsentieren und Freier neugierig zu machen. Gut ist das für die Verkehrsschilder ganz offensichtlich nicht, denn Lee weiß: «Einige Prostituierte sind schwere, kräftige Personen.»

Wie Prostitution – das ist doch Sport!

US-amerikanische Pole Dancerinnen haben auf diese Meldung aus Neuseeland empört reagiert. Gegenüber der «Huffington Post» sagte Wendy Traskos, Gründerin der «US Pole Dancing Federation», dass die Stangen vielleicht im Rahmen des neuen Sport «urban pole dancings» (des städtischen Stange-Tanzens) benutzt worden seien. Das in Fitnesscentern oder in Clubs
Gelernte wird hierbei an Straßenschildern angewendet. Traskos wirbt dafür, dass Pole Dance endlich als normale Sportart anerkannt wird.

Sie glaubt denn auch, dass in Neuseeland nicht die Prostitution das Problem sei, sondern die Straßenschilder selbst: «Woraus genau machen sie in Neuseeland ihre Stangen? Aus Taschentüchern?», meint die Pole-Tänzerin angriffig. «Das hört sich verrückt an und vielleicht muss die Stadt darüber nachdenken, wie sie ihre Schilder herstellt, wenn eine Frau mit etwa 60 Kilo diese bereits mit etwas Akrobatik zerstören kann.»

Zu viele Prostituierte in Wohngegenden

Für die Anwohner im Süden Aucklands in Neuseeland sind die sportlichen Erklärungen weniger schlüssig. Die zahlreichen zerstörten Straßenschilder sind nur ein Problem der stetig wachsenden Anzahl Prostituierter. In einem von der Gemeinde veröffentlichten Bericht sind jetzt erstmals die Klagen der Anwohner zusammengefasst worden. Die Gegend Hunter’s Corner sei zum Beispiel ein beliebter Treffpunkt für Prostituierte und ihre Kunden und deshalb stattbekannt. Anwohner Bernie Taylor erzählt zur Illustration davon, dass er schon einmal ein Päckchen von der Post erhalten habe, auf dem statt des Straßennamens nur das Wort «Nutten-Ecke» gestanden habe. «Es kam trotzdem problemlos bei uns an.»

Supermarkt-Besitzer klagen, dass vor ihren Geschäften ständig 20 bis 30 Prostituierte herumlungern würden. In den Läden würde geklaut und die Kunden um Geld gebeten. Vor kurzem fuhr ein Transvestit mit einem Supermarkt-Wagen ins Auto einer Frau. Ein anderer zog sich um, während ein voller Schulbus vorbeifuhr.

Prostitutionsverbot gefordert

In dem Bericht der Gemeinde wird das Parlament in Wellington jetzt dazu aufgefordert, dem Rat in Auckland zu erlauben, Sexarbeitern den Zugang zu bestimmten Gebieten zu verbieten. John McCracken, der Gemeindevorsitzende, hält eine Kontrolle dieser Branche für gerechtfertig. Die Prostituierten warnen allerdings davor, ihnen die Arbeit gesetzlich zu verbieten. Es könne sein, dass einige von ihnen keine Kondome mehr dabei haben würden, da sie Angst hätten, sich mit den Kondomen zu verraten, wenn sie von der Polizei befragt würden.

Neuseeland hat eines der liberalsten Prostitutionsgesetze der Welt. Sexarbeit wurde im Jahr 2003 entkriminalisiert. Geht es nach den Anwohnern in der Region um Auckland, würde sich dies bald wieder ändern.

(L'essentiel Online/ske)

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