Ackerbauschule Ettelbrück – Mit Urintests gegen bekiffte Schüler

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Ackerbauschule EttelbrückMit Urintests gegen bekiffte Schüler

LUXEMBURG – Jeden Morgen bekifft zur Schule? In Ettelbrück mussten Schüler nun unangekündigt Urin abgeben. Die Drogentests sind umstritten.

Die Ackerbauschule ist die erste in Luxemburg, die mit Urintests gegen bekiffte Schüler vorgeht.

Die Ackerbauschule ist die erste in Luxemburg, die mit Urintests gegen bekiffte Schüler vorgeht.

Editpress

«Moderne Hexenjagd an der Ackerbauschule» - so kritisieren Schüler neue Methoden im Kampf gegen Drogen am Lyzeum in Ettelbrück. «Die Direktion ist dazu übergegangen, (...) ganze Klassen zu Urintests zu zwingen. Dies ohne akuten Tatverdacht», beschwert sich ein Schüler der Schule.

Die Ackerbauschule (LTA) bestätigt auf Anfrage von L’essentiel Online das Vorgehen. Schüler wandten sich besorgt an ihre Lehrer: Sie hatten Angst, mit Klassenkameraden im Wald Sägearbeiten durchzuführen, weil diese regelmäßig bekifft seien.

Zwei Mal sieben von 18 Schülern postiv

Dass der Kampf gegen Drogen an der Schule über einfache Prävention hinausgeht, ist nicht neu: Spürhunde von Polizei und Zoll schnüffeln seit Jahren regelmäßig in den Klassen nach Cannabis. «Das hatte abschreckenden Charakter, wir waren eigentlich sicher, dass seit zwei, drei Jahren niemand mehr etwas mitbringt», erklärt Tom Delles, stellvertretender Direktor des LTA.

Seit einem Monat hat die Schule zu härteren Methoden gegriffen: Schüler aus zwei Klassen wurden mit Drogenschnelltests überrascht. «Wir haben uns mit der Polizei und Staatsanwaltschaft abgesprochen und spontane Drogentests durchgeführt, weil wir nicht verantworten konnten, mit Schülern zu arbeiten, die nicht zurechnungsfähig sind», so Tom Delles. Zwei dieser Tests hatten eindeutige Ergebnisse: Sieben von 18 Schülern wurden in beiden Klassen jeweils positiv getestet.


«Ganze Schülerschaft als Drogenkonsumenten abgestempelt»

Bei der Staatsanwaltschaft heißt es auf Nachfrage, dass die Schulen keine Genehmigung für solche Tests benötigen würden. Das Thema ist bei den Schülern umstritten. Abends in Bars hört man sie diskutieren, was sie von den Drogentests halten. Viele Schüler fühlen sich missverstanden: «Es ist klar, dass der Schulbesuch unter Drogeneinfluss sowie -besitz und –verkauf in den Schulen nicht geduldet werden kann. Fraglich ist jedoch, ob es wirklich nötig und zu vertreten ist, die ganze Schülerschaft von vornherein als Drogenkonsumenten abzustempeln und als solche zu behandeln», kritisiert ein Schüler, der anonym bleiben möchte.

Tom Delles verteidigt das Vorgehen der Schule mit Drogenschnelltests: «Für uns war es einerseits eine Frage der Sicherheit. Wir müssen Unfälle vermeiden. Zudem ist dies auch Prävention. Es wäre unverantwortlich, würden Schüler mit hineingezogen, die noch keinen Kontakt mit Drogen hatten.» Die Tests hätten spontan durchgeführt werden müssen, weil konkrete Verdachtsmomente bestanden hätten. Bei Verdacht auf Alkohol verlaufe dies genauso: Die Schüler müssten wie bei einer Polizeikontrolle pusten.

Wer erwischt wird, fliegt nicht sofort

Wer einmal erwischt wird, fliegt nicht gleich von der Schule. Der Sozialdienst der Schule SPOS sowie Polizisten der Drogenprävention führen Gespräche. Die Eltern und die Polizei werden informiert. Wenn Schüler einen Ausbildungsvertrag haben, erhält auch die entsprechende Berufskammer eine Nachricht. Das Testergebnis ist nicht strafrechtlich verwertbar, kann der Staatsanwaltschaft aber als Anfangsverdacht dienen, um weitere Ermittlungen zu beantragen (Hausdruchsuchungen, Speichel- oder Urintest). Es sei in Einzelfällen auch schon zu kurzzeitigem Unterrichtsausschluss gekommen. Vor ihrer Rückkehr müssten Schüler regelmäßig negative Ergebnisse von Drogentests nachweisen.

Dass weitere solcher Urintests durchgeführt werden, schließt Delles nicht aus. Dies geschehe spontan bei Verdachtsmomenten. Ob die Ackerbauschule stärker betroffen sei als andere Lyzeen, sei unwahrscheinlich, meint der stellvertretende Direktor. «Wer die Augen vor dem Problem verschießt, kann es auch nicht sehen», so Delles. Der Regionaldirektor der Polizei in Diekirch, Bob Leesch, bestätigt, dass die Spürhunde von Polizei und Zoll auch in anderen Lyzeen, wie in Wiltz, schon angefragt wurden. Offizielle Statistiken zum Thema gibt es nicht.

(sb/L'essentiel Online)

«Jugendliche wissen oft nicht, dass Cannabis verboten ist»

Die Polizei arbeitet bei der Drogenprävention mit Schulen und Aufklärungsorganisationen zusammen: «Dabei stellen wir generell fest, dass die Jugendlichen oft nicht wissen, dass Cannabis verboten ist. Sowohl der Besitz, als auch der Konsum, als auch der Handel», erklärt Bob Leesch, Leiter der Polizei-Regionaldirektion in Diekirch. Wie der Verstoß gegen die Regeln geahndet wird, liegt in der Auffassung der Staatsanwaltschaft.

Ob es einen Anstieg des Drogenkonsums bei Jugendlichen gibt, geht aus offiziellen Zahlen nicht hervor. «Das Phänomen Cannabis ist aber sehr präsent und wird bei Jugendlichen stark verharmlost», so Leesch.

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