Für Sterling war es ein Elfmeter – «Mit viel Abstand der lächerlichste Elfmeter»
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Für Sterling war es ein Elfmeter«Mit viel Abstand der lächerlichste Elfmeter»

Dank einem umstrittenen Elfmeter gewinnen die Engländer im EM-Halbfinale gegen Dänemark. Die Fans toben, im Netz herrscht helle Aufregung.

Es lief die 102. Minute. Sterling wurde von Maehle gefoult. Schiedsrichter Danny Makkelie zögerte keine Sekunde, pfiff und zeigte auf den Punkt. Die Dänen waren fassungslos. Sie lamentierten und redeten auf den Schiri ein. Und dieser hielt dann auch die Hand ans Ohr, was bedeutete, dass der VAR den Elfmeter checkte. Doch er korrigierte die Entscheidung nicht. Harry Kane nahm Anlauf und scheiterte am überragenden Schmeichel. Den Nachschuss ließ sich der Engländer aber nicht nehmen und traf zum 2:1-Schlussstand.

Doch war es tatsächlich ein Elfmeter? Für Sterling war die Antwort eindeutig. «Der Elfmeter in der Verlängerung war für mich eine klare Entscheidung: Wir sind im Sechzehner und er berührt mich am Bein – Elfmeter», sagte der City-Star nach der Partie. Dänemarks Höjbjer sagte: «Das ist natürlich sehr ärgerlich. Mir fehlen grade etwas die Worte … Aber ich bin stolz auf diese Gruppe, ich bin stolz auf all diese Menschen, die diese Reise mit uns mitgemacht haben. Es wäre fantastisch gewesen, noch mehr herauszuholen. Es war ein Vergnügen.»

Das Netz tobt nach Schiri-Geschenk

Während sich Sterling also sicher ist, dass der Entscheid korrekt gewesen war, die Dänen einfach nur stolz auf das Erreichte waren, tobten die Userinnen und User im Netz. Ja, es herrschte helle Aufregung. «Dass die Engländer überlegen waren, darüber brauchen wir nicht reden. Aber wie letztendlich der Sieg zu Stande kam ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Warum das ein Elfmeter war, man wird es nie verstehen», schrieb ein User. Ein anderer meinte: «Das ist mit ganz viel Abstand der lächerlichste Elfmeter, den ich in meinem gesamten Leben je gesehen. Das ist eine so unglaubliche klare Fehlentscheidung.»

Ein paar User versuchten es auch mit Galgenhumor. So twitterte jemand: «Einfach super, euer VAR, wie er den Fußball gerechter gemacht hat.» Andere wollten gerade ganz mit der Sportart abschließen. «Wenn das ein Elfer ist, brauchen wir kein Fußball mehr spielen», war sich etwa ein Twitter-User sicher. «Unterm Strich ist das halt scheiße für alle Beteiligten. Dänemark fliegt wegen einem Witz raus. England bekommt den Finaleinzug trotz klarer Überlegenheit quasi geschenkt», ist ein weiterer Tweet, der die Stimmung auf Social Media bestens zeigt.

Auch Arsene Wenger meldete sich zu Wort. Der langjährige Arsenal-Trainer, heute in Diensten der Fifa, sagte gegenüber verschiedenen Medien: «Das ist kein Elfmeter. Und ich verstehe auch nicht, warum man dem Schiedsrichter nicht sagt, er solle sich das noch einmal anschauen. In dem Moment ist es wichtig, dass der Schiedsrichter von seiner Entscheidung überzeugt ist.» Der VAR habe Makkelie im Stich gelassen.

Das meinen die Experten

Die Experten des Schiedsrichter-Podcasts «Collinas Erben» erklärten derweil ihre Sicht der Dinge auf Twitter. Laut ihnen gab es einen Kontakt vom Knie des Verteidigers. «Wenn Makkelie das als ursächlich für Sterlings Sturz bewertet, ist es keine klare Fehlentscheidung und der VAR raus», so die Podcast-Macher. Weiter ergänzten sie aber: «Dessen ungeachtet passt der Pfiff weder zu Makkelies Linie im Spiel noch zu der des Turniers.» Und: «Dass es den Elfer aus unserer Sicht nicht hätte geben sollen, haben wir geschrieben. Und wir haben versucht zu verdeutlichen, warum der VAR nicht interveniert hat. Schlecht und klar falsch entschieden ist nicht das Gleiche.»

Weiter dementieren die Experten einen weiteren scheinbaren Fehlentscheid. So lag unmittelbar vor der Entstehung des Strafstoßes ein zweiter Ball auf dem Spielfeld. Sterling lief mit dem anderen Ball fast unmittelbar neben der irrtümlich auf den Rasen gerollten Kugel vorbei, drang in den Strafraum ein und ging zu Boden.

Viele Fußball-Fans fragten sich daraufhin, ob der Unparteiische in diesem Fall die Partie nicht hätte unterbrechen müssen. Schließlich irritiert ein zweites Spielgerät die Akteure doch. Die Experten des Schiedsrichter-Podcasts kamen jedoch zu der Erkenntnis, dass aus Sicht des Schiedsrichters der zweite Ball das Spielgeschehen nicht beeinflusst habe. Deshalb habe er nicht unterbrochen.

(L'essentiel/Nils Hänggi)

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