Pendler im Visier des Fiskus – «Mitarbeiter in Luxemburg nicht kriminalisieren»

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Pendler im Visier des Fiskus«Mitarbeiter in Luxemburg nicht kriminalisieren»

TRIER/LUXEMBURG – Das Trierer Finanzamt hat deutsche Pendler im Visier. Arbeiten sie für eine Luxemburger Firma in Deutschland, müssen sie das in Deutschland versteuern. Ein einträgliches Geschäft für den Fiskus, das Luxemburger Arbeitgebern nun scharf kritisieren.

Das Fass geöffnet hatte im vergangenen Jahr ein Manager aus Luxemburg. Angestellt war er bei einer Luxemburger Beratungsfirma, tätig aber vor allem in Deutschland. Eine Million Euro an Steuern musste er dem deutschen Fiskus für diese Tätigkeiten nachzahlen.

Seitdem hat das Finanzamt in Trier die lukrative Verfolgung solcher Pendler in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt. Erst kamen Informationsveranstaltungen, nun landeten bei vielen der etwa 37 000 deutschen Pendlern ein Schreiben im Postfach.

«Fünf Jahrzehnte lang von deutschen Behörden akzeptiert»

Sechs Fahnder arbeiten an solchen Fällen, in 156 Fällen wird im Banken- und Dienstleistungssektor bereits ermittelt. Abgeschlossen sind davon 24. Mit einem starken Gewinn für den Fiskus: «Wir können ein Steuerergebnis von 1,85 Millionen verzeichnen», so der Leiter des Trierer Finanzamts Jürgen Kentenich.

Die Praxis stößt nun auf harsche Kritik: «Es kann nicht sein, dass unsere Mitarbeiter für ein Verhalten kriminalisiert werden, das fünf Jahrzehnte lang von den deutschen Behörden akzeptiert wurde», schimpft Jean-Jacques Rommes, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes ABBL (Association des Banques et Banquiers, Luxemburg) in der Donnerstagsausgabe des «Trierischen Volksfreund.»

Politik soll Lösung finden

Weiterbildungstermine in Deutschland, ein Vortrag in London oder ein Dienstgespräch bei der deutschen Muttergesellschaft – das seien die Tätigkeiten, die ein Mitarbeiter aus Luxemburg normalerweise im Ausland zu erledigen habe, meint Rommes. Wenn nun Mitarbeiter diese Tätigkeiten für die fünf vergangenen Jahre auflisten und dem Finanzamt mitteilen müssten, sei das «ein ungeheurer Bürokratismus.» In der Tat muss jeder Tag, an dem ein Angestellter in Deutschland beschäftigt war, auf der deutschen Steuererklärung auftauchen.

Sein Appell: Die Politik soll eine Lösung finden. Denn nicht nur Banker sind im Visier der Steuerfahnder. In weiteren 448 Fällen laufen Vor-Ermittlungen, vor allem im Baugewerbe, bei Speditionsmitarbeitern und im Handwerk.

sb/L'essentiel Online

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