116000 neue Follower – Mitt Romney und seine falschen Freunde

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116000 neue FollowerMitt Romney und seine falschen Freunde

Promis tun es, Popstars auch und nun hat es Mitt Romney getan: Twitter-Follower gekauft. Er nutzte eine Dienstleistung, die für Social Networks eine Gefahr darstellt.

Mitt Romney hinkt Barack Obama nicht nur in den Wahlumfragen hinterher. Auch auf Twitter ist der amtierende US-Präsident um Lichtjahre populärer: Gut 18 Millionen Obama-Follower stehen weniger als 0,8 Millionen Romney-Anhänger gegenüber. Hat sich der republikanische Herausforderer daher ein paar neue «Freunde» auf Twitter dazugekauft?

Den Verdacht ins Rollen brachte die Studie «The Twitter Underground Economy: A Blooming Business» der Sicherheitsfirma Barracuda Networks. Romneys Anhängerschaft im sozialen Netzwerk Twitter ist bis am 20. Juli 2012 stetig, aber langsam gewachsen. Am 21. Juli schnellte die Follower-Zahl um 17 Prozent in die Höhe - Romney hatte wie aus dem nichts 116 000 neue Fans.

Romneys Geister-Follower

Die Twitter-Studie wirft ein schiefes Licht auf die Social-Media-Aktivitäten des Präsidentschaftskandidaten: Fast alle Profile, die Romney folgen, sind neu: Über 80 Prozent der Follower-Profile bestehen seit weniger als drei Monaten, 25 Prozent sind nicht einmal drei Wochen alt. Seine falschen Follower, Fans und Freunde fallen vor allem durch ihre Inaktivität auf: Jeder Vierte hat nicht einen einzigen Tweet verschickt, was ein untrügerisches Indiz für Fake-Konten ist. Inzwischen habe das soziale Netzwerk reagiert und rund zehn Prozent von Romneys neuen «Anhängern» bereits wieder gelöscht, schreibt Barracuda Networks.

Diese Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass die allermeisten der vermeintlich neuen Follower nicht aus der echten Twitter-Community stammen, sondern von einem Anbieter bezahlter Twitter-Follower beschafft wurden – ob mit oder ohne Romneys Wissen wird wohl im Dunkeln bleiben. Gegenüber der populären Tech-Site «CNET» haben seine Wahlhelfer den Kauf von Twitter-Fans verneint.

Test deckt Schattenwirtschaft auf

Der Fall-Romney ist nur die Spitze des Eisbergs: Betrug mit gefälschten Social-Media-Profilen steht im Fokus erhöhter Aufmerksamkeit, seit Facebook vor einer Woche 83 Millionen gefälschte Anwenderprofile eingestand (L'essentiel Online berichtete)

Gefälschte und zum Kauf angebotene Profile sind das Herzstück einer dynamisch wachsenden Schattenwirtschaft im Umfeld sozialer Netzwerke. Um den Machenschaften auf die Spur zu kommen, richteten die Sicherheitsexperten von Barracuda drei Twitter-Profile ein und kauften über eBay und andere Websites für jedes zwischen 20 000 und 70 000 Follower.

Follower zum Schnäppchenpreis

Allein auf eBay fanden die Tester 20 Profil-Dealer und unter Googles Top-100-Ergebnissen zum Suchbegriff «buy twitter followers» finden sich weitere 58 Websites, die gefälschte Twitter-Profile verkaufen. Der Preis für 1000 falsche Follower liegt bei durchschnittlich 15 Dollar. 100 000 Follower gibt es also für weniger als 1500 Dollar – wenn man den Mengenrabatt berücksichtigt. 61 Prozent der Fake-Profile sind weniger als drei Monate alt, im Schnitt bestehen sie seit knapp fünf Monaten.

Fake-Profile erschüttern laut Paul Judge von Barracuda Networks nicht nur das Vertrauen der Werbewirtschaft, weil nicht sicher ist, ob hinter den veröffentlichten Nutzerzahlen echte Accounts stehen. «Gefälschte Anwender stellen für Facebook und Twitter eine Gefahr dar», glaubt Judge. Es gefährde die Funktionsweise dieser Netzwerke an zentraler Stelle, da ihre Anwender sie nicht mehr ohne Bedenken nutzen würden.

(L'essentiel Online/owi)

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