Dank Smartphone – Mitten im Film statt nur im Kino

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Dank SmartphoneMitten im Film statt nur im Kino

In den USA und in den Niederlanden wurden die ersten interaktiven Filme gezeigt, bei denen der Zuschauer via Mobilgerät mitmacht.

Noch konzentrieren sich Kinogänger ausschliesslich auf das Geschehen auf der Leinwand. In Pilotversuchen konnten die Zuschauer per Smartphone mit den Darstellern mitfühlen oder Zusatzinformationen erhalten.

Noch konzentrieren sich Kinogänger ausschliesslich auf das Geschehen auf der Leinwand. In Pilotversuchen konnten die Zuschauer per Smartphone mit den Darstellern mitfühlen oder Zusatzinformationen erhalten.

Neben den permanenten Popcorn-Mampfern, den ununterbrochen kichernden Mädchen-Gruppen oder den ihren Kindern die ganze Handlung erklärenden Eltern gehören auch diejenigen, die alle fünf Minuten auf ihr Mobiltelefon starren, zu den wohl unbeliebsten Kinobesuchern. Zumindest in Bezug auf den letzten Punkt könnte bald ein Sinneswandel stattfinden: Die Film- und die Werbebranche haben die ersten Schritte in Richtung Benutzung technischer Geräte in den Kinosälen gewagt. So liefen in den USA Spezialvorstellungen von «Arielle, die kleine Meerjungfrau». Die Zuschauer können auf ihren iPads gleichzeitig zum Geschehen im Film Miniaufgaben lösen. Es geht beispielsweise darum, Arielles Stimme wiederzufinden oder Schätze zu bergen. Zudem sollen die Mobilgeräte beim Mitsingen helfen. «Ein Filmerlebnis wie nie zuvor», verspricht der Werbe-Clip.

Etwas nüchterner fielen da die Kommentare der Spiele-Seite Polygon aus. «Wieso stellen wir etwas her, das uns vom Film ablenkt? Werden Kinder nicht sowieso schon zu leicht abgelenkt?», fragte etwa eine Userin. «Das ist eine schreckliche Idee», lautete ein weiteres Urteil. Für einen anderen Kinogänger wären hell erleuchtete Bildschirme in einem dunklen Kinosaal gar «die persönliche Hölle». Ein User konnte der Idee des interaktiven Kinos einen positiven Aspekt abgewinnen. «Leuten, die den Film schon Tausende Male gesehen haben, könnte es Spaß machen», befand er.

Mit der Hauptdarstellerin mitleiden

In den Niederlanden wurde bereits im Frühling dieses Jahres ein ähnliches Experiment gestartet. Dort wurde der laut Eigenwerbung «erste Second-Screen-Kinofilm» «App» gezeigt. Der Thriller handelt von der smartphoneabhängigen Studentin Anna Rijnders, auf deren Mobiltelefon sich nach einer Partynacht eine mysteriöse Applikation namens «Iris» befindet. Kurz darauf ereignen sich in Annas Umfeld tragische Dinge. Verwandte und Freunde sterben eines unterwarteten Todes und die junge Frau wird terrorisiert von Nachrichten, Videos und Bildern. Löschen kann sie die Killer-App nicht.

Die Kinobesucher können mit der Hauptdarstellerin mitleiden, indem sie auf ihrem eigenen Smartphone die zugehörende App herunterladen und so Teil des Filmgeschehens werden. So wird es unter anderem möglich, die Nachrichten, die Anna erhält, auf dem eigenen Telefon zu empfangen. Auch Parallelhandlungen werden auf dem eigenen Gerät sichtbar oder man kann auf dem persönlichen Bildschirm das Grauen aus einer anderen Perspektive verfolgen als die auf der großen Leinwand gezeigte. Ziel des interaktiven Kinos ist es gemäß dem deutschen IT-Blog «Tech-Lounge», Figuren und Situationen interessanter zu machen.

Obwohl es noch keine konkreten Ankündigungen gebe, geht «Spiegel Online» davon aus, dass weitere Filme im Stil der niederländischen Produktion «App» entstehen werden. Besonders die Werbeindustrie habe ein Interesse daran, Mobilgeräte in Kinosäle zu integrieren, heisst es.

Hier geht es zum Trailer für den Film «App», der bislang nur in Niederländisch verfügbar ist.

(L'essentiel Online/sts)

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