Independent Spirit Awards – «Moonlight» überragt alle – Affleck disst Trump
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Independent Spirit Awards«Moonlight» überragt alle – Affleck disst Trump

Einen Tag vor den Oscars wurden die Independent Spirit Awards vergeben. Die Verleihung brachte einen überraschenden Sieger hervor – und blieb ungewohnt unpolitisch.

Am Samstag wurden im kalifornischen Santa Monica die Independent Spirit Awards verliehen – das sind Filmpreise für Hollywood-unabhängige Produktionen. Das amerikanische Drama «Moonlight» ist mit sechs Trophäen der Abräumer des Abends, welcher unerwartet unpolitisch blieb.

Während bei den SAG Awards und auch bei den Grammys zahlreiche politische Botschaften gemacht wurden, war Amerikas neuer Machthaber bei den Spirit Awards kaum ein Thema – die Trump-kritischen Statements können an einer Hand abgezählt werden.

Trumps Politik «ist unamerikanisch»

Prominentester Protestler ist Casey Affleck, der den Preis für den besten männlichen Hauptdarsteller in «Manchester By The Sea» entgegen nahm. «Ich tue jetzt etwas, das ich eigentlich nicht tun sollte», sagte der 41-Jährige bei seiner Dankesrede, «aber ich habe immer mehr das Gefühl, dass meine Kinder nur auf mich hören, wenn ich etwas im Fernsehen sage.»

«Die Politik dieser Regierung ist verabscheuenswert und wird nicht bestehen», fuhr er fort, «sie ist unamerikanisch.» Der Amerikaner machte zudem ein weiteres Statement mit seinem Hemd, auf dem das arabische Wort für «Liebe» aufgedruckt war.

Eher subtile Kritik

Einen ähnlichen Weg wählte Sasha Lane, Hauptdarstellerin im Drama-Roadmovie «American Honey», das sechsmal nominiert war, aber schließlich keinen Spirit Award gewann. Die 21-Jährige, deren Vater Afro-Amerikaner ist, trug ein Shirt mit dem Aufdruck «Black Lives Matter».

Die einzigen anderen nennenswerten Kommentare zu Trumps Politik kamen von den Komikern und Schauspielern Nick Kroll (38) und John Mulaney (34), welche die Show moderierten und der US-Regierung in ihrem Eröffnungsmonolog ein paar Seitenhiebe verpassten.

Der Eröffnungsmonolog von Nick Kroll und John Mulaney. (Quelle: Youtube/Film Independent)

«Moonlight» hat auch Oscar-Chancen

Zurück zu «Moonlight»: Das Drama über einen homosexuellen Afroamerikaner, das nur 1,5 Millionen Dollar kostete, erhielt Auszeichnungen als bester Film, für die beste Regie, das beste Drehbuch, die beste Filmtechnik und den besten Schnitt; zusätzlich wurde ihm der Robert Altman Award fürs beste Ensemble verliehen. Ob dem Indie-Preisregen heute Sonntag auch ebenso viele oder gar noch mehr Oscars folgen? Der Film ist für acht Academy Awards nominiert.

Die deutsche Produktion «Toni Erdmann» erhielt den Independent Spirit Award als bester internationaler Film und ist als bester fremdsprachiger Film für einen Oscar nominiert. Der Preis für die beste Hauptdarstellerin ging an Isabelle Huppert und ihre Hauptrolle im französisch-deutschen Psycho-Thriller «Elle»; in derselben Kategorie könnte sie heute Sonntag ein goldenes Männchen gewinnen.

Eindrücke vom blauen Teppich der Independent Spirit Awards. (Quelle: Youtube/Film Independent)

(L'essentiel/shy)

Zweifelhafte Ehre

Neben den Spirit Awards wurden am Samstagabend auch die Golden Raspberry Awards – oder Razzies – für die schlechtesten Leistungen des Filmjahres vergeben. «Batman v Superman» (Bild) und die Clinton-kritische Doku «Hillary's America» wurden mit je vier Preisen abgewatscht, wobei letzterer in den Hauptkategorien «schlechtester Film», «schlechteste Regie», «schlechtester Hauptdarsteller» und «schlechteste Hauptdarstellerin» gewann. Kristen Wiig (43) bekam eine Goldene Himbeere für ihre Nebenrolle in «Zoolander 2».

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