Ägypten – Mubarak lässt sein Volk warten

Publiziert

ÄgyptenMubarak lässt sein Volk warten

In Ägypten deutet vieles auf einen Rücktritt des Präsidenten hin. Husni Mubarak will sich am Abend in einer Fernsehansprache an das Volk wenden. Die Spannung steigt.

Das ägyptische Staatsfernsehen hat am Donnerstag eine neue Erklärung von Präsident Husni Mubarak angekündigt. Der Präsident wolle sich in den kommenden Stunden äußern, berichtete der TV-Sender. Mubarak soll am Abend seinen Stellvertreter Omar Suleiman zu einem vertraulichen Gespräch getroffen haben. Im Anschluss daran traf er sich mit Regierungschef Ahmed Shafik.

Hossan Badrawi, der Generalsekretär der ägyptischen Regierungspartei NDP, sagte zuvor dem britischen Sender BBC, er hoffe, dass Mubarak die Macht übertrage. Mubarak werde «sehr wahrscheinlich» am Abend zur Nation sprechen.

Der US-Sender ABC berichtete, Generalstabschef Sami Eman habe einem ihrer Reporter gesagt: «Es endet heute nacht». Der US-Sender NBC meldete unter Berufung auf zwei Quellen in der ägyptischen Regierung ebenfalls, dass Mubarak in der Nacht zurücktrete.

Nach Informationen des US-Senders NBC soll nach einem Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak Vizepräsident Omar Suleiman an die Staatsspitze rücken. Das Militär habe mitgeteilt, der Rücktritt sei eine Antwort auf legitime Forderungen des Volkes, berichtete der Sender am Donnerstag.

Die Armeeführung gab unmittelbar danach eine Stellungnahme ab. Darin hieß es, dass das Oberkommando in einer «Sitzung ohne Ende» sei. Die Armee habe «Schritte eingeleitet, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten». Ein Vertreter der Armeeführung sagte indes zu Demonstranten auf dem Tahrir-Platz, dass «alle Forderungen erfüllt» würden. Die Demonstranten brachen in Jubel aus.

L'essentiel Online/dpa

Heftige Proteste in Algerien

Im Schatten der Ereignisse in Ägypten spitzen sich in Algerien die Proteste gegen die Regierung weiter zu. Zwei Tage vor einer von Regimegegnern geplanten Massendemonstration in der Hauptstadt Algier gab es am Donnerstag erneut Berichte von Streiks, Selbstverbrennungen und Plünderungen in öffentlichen Einrichtungen.

Die Organisatoren wollen den geplanten Protestmarsch am Samstag trotz eines Demonstrationsverbots starten lassen. Sie fordern einen demokratischen Wandel und ein sofortiges Ende der autoritären Herrschaft von Präsident Abdelaziz Bouteflika. Der 73-Jährige ist seit 1999 im Amt. Aus Angst um seine Macht hatte Bouteflika zuletzt bereits weitreichende Versprechungen gemacht und ein Ende des seit 19 Jahren geltenden Ausnahmezustands in Aussicht gestellt. Am Donnerstag machten Gerüchte die Runde, dass noch vor dem Protestmarsch am Samstag vier bislang verbotene Parteien zugelassen werden könnten. (SDA)

Deine Meinung