Blinder Fleck – Mütter erleben im Kreißsaal oft Gewalt

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Blinder FleckMütter erleben im Kreißsaal oft Gewalt

LUXEMBURG – Liegt eine Frau in den Wehen, ist sie Ärzten und Hebammen schutzlos ausgeliefert. Immer wieder kommt es zu Gewalt. Etienne Schneider will das ändern.

Werdende Mütter erleiden immer wieder Gewalt im Kreißsaal.

Werdende Mütter erleiden immer wieder Gewalt im Kreißsaal.

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Es gibt keine Statistiken über Gewalt im Kreißsaal, erklärte Gesundheitsminister Étienne Schneider (LSAP) am Freitag. Frauen würden auch nicht immer erkennen, dass das, was sie durchmachen, Gewalt in der Geburtshilfe ist – wie etwa ein (unnötiger) Dammschnitt, ein verfrühter Kaiserschnitt, ungewollte Betäubungen, übermäßige Berührungen im Intimbereich oder auch mangelnde Kommunikation und eigenmächtiges Entscheiden des Klinikpersonals über den Kopf der Patientin hinweg.

Ein neues Register listet die Häufigkeit von Dammschnitten bei der Entbindung auf, eine der häufigsten Varianten von Gewalt in der Geburtshilfe, sagte Étienne Schneider. In Luxemburg wurde im Jahr 2014 bei 26 Prozent aller Entbindungen ein Dammschnitt vorgenommen, 2016 waren es 22,5 Prozent. Im Vergleich dazu sank die Rate von Dammschnitten in Frankreich von 27 Prozent im Jahr 2010 auf 20 Prozent im Jahr 2016, mit erheblichen Unterschieden zwischen den Geburtskliniken.

Erster Schritt: Sensibilisierung

Damit das Bewusstsein für Gewalt in der Geburtshilfe beim medizinischen Personal steigt, wurde das Thema in diesem Jahr während der jährlichen Weiterbildung an der Bohler-Klinik besprochen, zu der alle Gynäkologen und Hebammen des Landes eingeladen waren. Dies zeige ein wachsendes Maß an Sensibilität für das Problem, so der Minister.

Das Gesundheitsministerium ist überzeugt, dass es notwendig ist, das Bewusstsein sowohl in der Fachwelt, als auch in der Bevölkerung zu schärfen und hat dafür den wissenschaftlichen Rat im Bereich Gesundheit um eine Stellungnahme gebeten. Die Dienste des Ministeriums prüfen derzeit die Möglichkeit, gynäkologische und geburtshilfliche Praxen in die Weiterbildung zu integrieren.

(mau/L'essentiel)

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