Islam in Luxemburg – Muslime, «eine unscheinbare Minderheit»
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Islam in LuxemburgMuslime, «eine unscheinbare Minderheit»

LUXEMBURG – Tausende Muslime leben in Luxemburg, werden im Alltag aber kaum wahrgenommen. Eine Ausstellung gibt nun erstmals Einblick in ihr Leben.

«L’essentiel Online»: Sie haben über Muslime in Luxemburg promoviert und nun die erste Ausstellung zum Thema konzipiert (siehe Infokasten). Welches Ziel verfolgt Ihr Projekt?

Lucie Waltzer, Soziologin: «Muslime werden oft stereotyp dargestellt. Das ist mir bei den Recherchen für meine Doktorarbeit immer wieder aufgefallen. Bekannte haben mit Unverständnis im Blick behauptet, es gebe doch gar keine Muslime in Luxemburg oder mich gefragt, warum ich mich mit Terroristen beschäftige. Um von dieser Idee wegzukommen und zu zeigen, dass die Muslime Menschen sind wie du und ich, haben wir die Ausstellung entworfen. Wir stellen Muslime in ihrem Alltag vor und erklären, was es bedeutet, Muslim in Luxemburg zu sein.»

Zwischen 8‘000 und 12‘000 Muslime leben laut Schätzungen in Luxemburg. Das entspricht etwa zwei Prozent der Bevölkerung. Doch im Alltag fallen sie kaum auf. Wie ist das zu erklären?

«Muslime in Luxemburg sind eine unscheinbare Minderheit, anders als zum Beispiel in Deutschland oder in Frankreich. Das liegt zunächst einmal daran, dass Frauen kaum Kopftuch tragen. Auch die zehn Moscheen im Land sind unauffällig, weil sie in normalen Wohnhäusern untergebracht sind. Zudem stammen die meisten Muslime aus dem ehemaligen Jugoslawien. Die ersten kamen in den 1970er Jahren als Arbeiter nach Luxemburg, die meisten von ihnen erst durch den Krieg in den 1990ern.

Sie verstehen sich selbst als Vertreter eines europäischen und moderaten Islam. Diese Gruppe Muslime hat im Kommunismus gelebt, Religion wurde unterdrückt und nur im privaten Kreis ausgeübt. Viele der Muslime in Luxemburg sind nicht in den Vereinen engagiert, die die Moscheen betreiben. Viele sind genauso muslimisch, wie Luxemburger christlich sind, die gar nicht in die Kirche gehen.»

Der Islam ist vom Staat nicht anerkannt.
Seit 2011 haben die Muslime mit der «Shoura» eine offizielle Vertretung, die über eine Konvention verhandelt. Spielt diese Anerkennung im Alltag eine Rolle?

«Die staatliche Anerkennung, die auf sich warten lässt, wirft eher die Frage nach der Gleichberechtigung zwischen dem Islam und den anderen religiösen Gemeinschaften auf. Keine Konvention bedeutet auch keine finanzielle Unterstütung vom Staat. Aber diese Punkte beschäftigen eher die Vereine. Denn im Alltag stellt sich vor allem die Frage nach der Infrastruktur: Wo finde ich eine Moschee oder eine Koranschule, wenn ich möchte, dass meine Kinder arabisch lernen?»

Fühlen sich junge Muslime in Luxemburg ausgeschlossen?

«Immer mehr der in Luxemburg lebenden Muslime sind hier geboren, gehen hier zur Schule und fühlen sich ganz selbstverständlich als Luxemburger. Aber auch junge Muslime mit ausländischen Wurzeln haben im Gespräch immer wieder unterstrichen, dass sie Luxemburg als ihre Heimat ansehen. Und trotzdem stoßen sie oft auf Unverständnis: Eine 14-Jährige berichtete in einem Interview für unsere Ausstellung, dass sie bei ihrem ersten Spaziergang mit Kopftuch gefragt wurde, ob sie eine Ninja sei. Alles andere ist eine sehr individuelle Frage. Wer tatsächlich fünf Mal am Tag beten will, findet einen Weg, wie es ihm möglich ist. So streng wie man oft denkt, sind die Regeln des Islam gar nicht.»

(Sarah Brock/L'essentiel Online)

Wander-Ausstellung zum Islam in Luxemburg

Die Ausstellung «L'islam au Luxembourg - l'islam du Luxembourg» (Islam in Luxemburg – luxemburgischer Islam) ist vom 6. Juni bis zum 28. Juli im Dokumentationszentrum Centre de Documentation sur les Migrations Humaines (CDMH) in Düdelingen zu sehen.

Öffnungszeiten: donnerstags bis sonntags, von 15 bis 18 Uhr oder nach Anmeldung

Der Eintritt ist frei.

Vernissage : 5. Juni, um 19 Uhr.

Im Anschluss wird die Ausstellung durch verschiedene Schulen ziehen.

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