Corona in der Schwangerschaft – Mutter und Tochter finden gemeinsam ins Leben

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Corona in der SchwangerschaftMutter und Tochter finden gemeinsam ins Leben

LUXEMBURG – Ludine erlebt den Albtraum aller Schwangeren: Mitten in der Schwangerschaft erkrankt sie schwer an Corona und muss per Kaiserschnitt unter Vollnarkose entbinden.

Mutter und Tochter konnten inzwischen das Krankenhaus verlassen.

Mutter und Tochter konnten inzwischen das Krankenhaus verlassen.

Sie hat gerade «drei albtraumhafte Wochen» hinter sich, aber Ludine erzählt ihre Geschichte mit klarer Stimme. Manchmal huscht sogar ein Lächeln über das Gesicht der 35-jährigen Grenzgängerin. Sie hat erlebt, was jede Schwangere in diesen Zeiten fürchtet: sich mit Corona anzustecken und per Kaiserschnitt unter Vollnarkose zu gebären. Angefangen hat alles am Ostermontag: «Ich habe ein bisschen gehustet, ich dachte, es sei eine Erkältung.» Am folgenden Mittwoch sei sie schließlich zum Arzt gegangen. Er verordnete vorsichtshalber einen PCR-Test, wie sie erzählt.

«Ich habe mir keine Sorgen gemacht. Ich hatte in der Nacht ein bisschen Fieber und am Freitag dachte ich, dass ich ein bisschen schnell außer Atem komme, also habe ich den Test gemacht», erzählt Ludine. Das habe sie hauptsächlich gemacht, um ihre Mutter zu beruhigen. Das Ergebnis kam am Samstagmorgen: positiv! Der 35-Jährigen dämmerte es allerdings schon vorher: «Ich bin in der Nacht aufgestanden, um auf die Toilette zu gehen und musste drei Pausen einlegen, um die Treppe hochzugehen. Ich spürte, dass etwas nicht stimmte.»

«Ich hatte Angst um mich und große Angst um mein Baby»

Dann ging alles ganz schnell: Am Sonntagmorgen liefert ein Notarzt die Schwangere in das Krankenhaus von Mont-Saint-Martin ein. Schon auf dem Weg bekommt sie Sauerstoff. Die Klinik bittet um ihre Verlegung nach Luxemburg, wo sie wegen ihrer Schwangerschaft beobachtet wird. Sie wird in die Notaufnahme des Krankenhauses Kirchberg eingeliefert. Nach eingehender Untersuchung wird sie auf die Intensivstation verlegt. «Es ist sehr anstrengend, nicht selbst atmen zu können, ich hatte Angst um mich und große Angst um mein Baby», erinnert sich Ludine. Sie selbst war bereits Mutter von zwei Kindern im Alter von fünf und elf Jahren, für ihren Mann aber ist es das erste Kind. «Wir hatten uns das anders vorgestellt».

Am Mittwochmorgen wurde ihr zu verstehen gegeben, dass sie entweder einen Kaiserschnitt unter Vollnarkose bekommen würde, «oder er würde uns beide verlieren». Für ihren Mann sei das ein schwerer Schlag gewesen. Er habe derweil auf das Ergebnis seines PCR-Tests gewartet und deshalb seine Tochter nicht sofort in die Arme schließen können. Traurig berichtet Ludine: «Meine Tochter wurde geboren und lebte ihre ersten zwei Tage allein.»

«Es passiert nicht nur anderen»

Die junge Mutter kämpfte unterdessen um ihr Leben: «Eigentlich wollten die Ärzte mich am Tag nach der Geburt aufwecken, aber meine Atmung war so schlecht, dass ich erst fünf Tage nach der Geburt aufgewacht bin.» Sie sei völlig desorientiert gewesen. «Mein Mann ging fünf Tage durch die Hölle», berichtet sie. Zwischen Vater und Tochter sei in dieser Zeit eine besondere Beziehung gewachsen.

Die 35-Jährige sah ihre Tochter zehn Tage nach der Geburt das erste Mal. Eine schwere Begegnung, wie sie erzählt: «Ich kannte dieses kleine Mädchen nicht und musste meinen Platz finden, ich hatte große Angst, keine Bindung aufbauen zu können.» Das Frühchen war an eine Menge versorgende Schläuche angeschlossen. Es wog bei seiner Geburt zwei Kilogramm und war 46 Zentimeter groß.

Ludine will ihre Geschichte erzählen, «damit die Leute erkennen, dass es nicht nur anderen passiert». Für sie sei Corona ein paar Tage vor der Erkrankung noch etwas ganz Abstraktes gewesen. Mit ihrem Partner habe sie einen TV-Beitrag gesehen und gesagt: «So zu gebären, unter Vollnarkose, wäre die schlimmste Art der Geburt.» Jetzt will sie schwangere Frauen ermutigen, sich impfen zu lassen, denn: «Selbst wenn man vorsichtig ist, kann man sich mit Corona infizieren».

(Marion Chevrier/L'essentiel)

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