Europa und USA: Mysteriöse Hepatitis-Fälle bei Kindern stellen Wissenschaftler vor ein Rätsel

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Europa und USAMysteriöse Hepatitis-Fälle bei Kindern stellen Wissenschaftler vor ein Rätsel

In Großbritannien sind allein letzte Woche 74 Fälle von Hepatitis bei Kindern gemeldet worden, und auch in den USA häufen sie sich. Die Forschung sucht intensiv nach der Ursache der mysteriösen Fälle. 

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Mysteriöse Hepatitis-Fälle, die bei Kindern auftreten, stellen Forschung und Wissenschaft vor ein Rätsel.

Mysteriöse Hepatitis-Fälle, die bei Kindern auftreten, stellen Forschung und Wissenschaft vor ein Rätsel.

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Die üblichen Viren, die für gewöhnlich Hepatitis-Infektionen auslösen, konnten bei den Fällen nicht nachgewiesen werden.

Die üblichen Viren, die für gewöhnlich Hepatitis-Infektionen auslösen, konnten bei den Fällen nicht nachgewiesen werden.

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Ärzte und Wissenschaftlerinnen ziehen daher andere Ursprünge in Betracht, etwa das Coronavirus, andere Viren und Umweltfaktoren.

Ärzte und Wissenschaftlerinnen ziehen daher andere Ursprünge in Betracht, etwa das Coronavirus, andere Viren und Umweltfaktoren.

20 Min/Carole Alkabes

Nach mysteriösen Lebererkrankungen bei Kindern in Großbritannien sind auch in anderen Ländern Hepatitis-Fälle bekannt geworden. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten erklärte, weitere Fälle der Hepatitis unklarer Herkunft seien in Dänemark, Irland, den Niederlanden und Spanien identifiziert worden. Um wie viele Fälle es dabei ging, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Neun Fälle akuter Hepatitis seien zudem im US-Bundesstaat Alabama bei Kindern zwischen einem und sechs Jahren beobachtet worden.

74 Fälle allein in Großbritannien

In der vergangenen Woche waren in Großbritannien 74 Hepatitis-Fälle beziehungsweise Leberentzündungen bei Kindern gemeldet worden, die seit Januar auftraten. Die üblichen Viren, die für gewöhnlich Hepatitis-Infektionen auslösen, konnten bei den Fällen nicht nachgewiesen werden. Ärzte und Wissenschaftler ziehen daher andere Ursprünge in Betracht, etwa das Coronavirus, andere Viren und Umweltfaktoren.

«Eine leichte Hepatitis ist bei Kindern nach einer Reihe von Virusinfektionen sehr häufig, aber was derzeit zu sehen ist, ist ganz anders», sagte Graham Cooke, Professor für Infektionskrankheiten am Imperial College London. Einige der Fälle in Großbritannien benötigten fachärztliche Versorgung auf spezialisierten Stationen, in wenigen Fällen wurden Lebertransplantationen notwendig. Cooke war nicht überzeugt, dass das Coronavirus für das Auftreten verantwortlich ist. «Wenn die Hepatitis eine Folge von Covid wäre, wäre es angesichts der derzeit hohen Prävalenz (von Covid-19) überraschend, sie nicht weiter im ganzen Land verbreitet zu sehen», sagte er.

Möglicherweise Adenoviren als Ursache

«Derzeit ist die genaue Ursache von Hepatitis bei diesen Kindern noch unbekannt», erklärte auch das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten. Britische Wissenschaftler sagten kürzlich, sie untersuchten Adenoviren als mögliche Ursache. Diese verursachen für gewöhnlich etwa Bindehautentzündungen, Halsschmerzen oder Durchfall. Die US-Behörden erklärten, die neun Kinder mit Hepatitis in Alabama seien positiv auf Adenoviren getestet worden.

Einige Ärzte haben angemerkt, Adenoviren seien so häufig, dass ihr Nachweis bei Hepatitis-Erkrankten nicht unbedingt bedeute, dass die Viren für die Lebererkrankung verantwortlich sind. Eine Verbindung zu Corona-Impfstoffen schlossen britische Wissenschaftler aus: Keines der betroffenen Kinder sei gegen das Coronavirus geimpft gewesen.

Genetische Virus-Analysen könnten Klarheit verschaffen

Die Weltgesundheitsorganisation erklärte, die potenzielle Rolle von Adenoviren oder Coronaviren sei noch unklar. Einige der Kinder seien positiv auf das Coronavirus getestet worden. Es seien jedoch genetische Virus-Analysen nötig, um festzustellen, ob es Verbindungen zwischen den Fällen gebe. Zwischen den Kindern in Großbritannien seien sonst keine Verbindungen gefunden worden, keines davon sei kürzlich international gereist. 

(DPA/bre)

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