Dramatische Einbrüche – Nach den Anschlägen meiden Touristen Paris

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Dramatische EinbrücheNach den Anschlägen meiden Touristen Paris

Besucherrückgänge fast durchweg im zweistelligen Prozentbereich, Einnahmenausfälle in Milliardenhöhe: Ein französischer Touristikverband zieht eine sehr negative Bilanz.

Stadt der Liebe oder Stadt der Angst? Nach Paris kommen derzeit deutlich weniger Touristen.

Stadt der Liebe oder Stadt der Angst? Nach Paris kommen derzeit deutlich weniger Touristen.

DPA/Malte Christians

2016 sind 1,5 Millionen Touristen weniger nach Paris und die Region um die französische Hauptstadt gekommen: Vor allem Asiaten, aber auch Europäer sind wohl durch die Terroranschläge verschreckt worden – obwohl sich der Trend in letzter Zeit etwas abzuschwächen scheint. Das besagen Zahlen, die das Regionalkomitee für Tourismus (CRT) am Dienstag, 21.Februar, veröffentlicht hat. Die Anzahl der Hotel-Übernachtungen sank demnach um 4,7 Prozent, bezogen auf ausländische Touristen sogar um 8,8 Prozent.

«Im Jahr 2016 haben Hoteliers in der Region Île-de-France 1,5 Millionen weniger französische und internationale Touristen im Vergleich zu 2015 begrüßt», fasst die CRT zusammen. Obwohl die Zahl der französischen Touristen in dem Jahr nur leicht sank (-0,8 Prozent), wurden nicht wenige ausländische Besucher schmerzlich vermisst.
Aus China kamen 268.000 weniger Touristen – ein Rückgang von 21,5 Prozent. Bei den Japanern verzeichnete man schließlich den stärksten Rückgang der Hotelankünfte, nämlich um 41,2 Prozent (was 225.000 wegbleibenden Touristen entspricht).

Auch Nachbarn bleiben weg

Bei Besuchern aus Europa sieht der Trend aber nicht anders aus: Aus Italien sind 26 Prozent weniger als im Vorjahresmonat gekommen. Bei den Briten beträgt der Wert 8,5 Prozent und bei den Spaniern 9,9 Prozent. Aus Russland kamen 27,5 Prozent weniger Touristen – was 65.000 Menschen entspricht.

Die CRT Paris Île-de-France hebt hervor, dass bei der wichtigsten Gruppe, den US-Amerikanern, das Defizit weniger heftig ausfalle: Aber auch hier gibt es einen Rückgang von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit kamen 100.000 Menschen weniger.

Centre Pompidou trotzt dem Trend

Auf der Seite der Museen und Denkmäler, die 2016 besucht wurden, sind gute Ergebnisse selten: Nur das Centre Pompidou kann sogar neun Prozent Besucherzuwachs vermelden. Das Hochhaus Tour Montparnasse verzeichnet aber einen Rückgang von 32 Prozent, der Arc de Triomphe 24 Prozent, der Louvre 13,3 Prozent und Orsay 12,9 Prozent. Nach Versailles kamen 9,8 Prozent weniger Menschen und ins Disneyland Paris strömten 9,5 Prozent weniger.Gute Nachrichten gibt es immerhin aus dem Geschäftstourismus, der im vergangenen Jahr stark angestiegen ist, sodass die Anzahl der Übernachtungen von Geschäftsreisen noch die Rekordjahre 2011 und 2012 überflügelt hat.

Für die Region ergibt sich insgesamt ein Fehlbetrag von 1,3 Milliarden Euro, erklärt die CRT – und nimmt gleichzeitig an, dass die Bilanz für 2016 besser ausfallen wird: So habe man gute Auslastungen im November und während der Ferienzeit beobachtet, die es «ermöglichen, einen Teil des kumulierten Rückstandes aufzuholen».

Die Zahlen für das gesamte Land liegen noch nicht vor.

(afp/L'essentiel/fgg)

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