Dr Sex – «Nach der Arbeit geht er allein zum Bier!»

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Dr Sex«Nach der Arbeit geht er allein zum Bier!»

Seit 18 Jahren muss Marie-Louise auf ihren Mann warten, weil dieser sich am Feierabend oft mit Kollegen trifft. Nun denkt sie an Trennung. Übertreibt sie?

Ein Feierabendbier kann ein wichtiges Ritual sein, das beim Übergang von der Arbeit in die Freizeit hilft.

Ein Feierabendbier kann ein wichtiges Ritual sein, das beim Übergang von der Arbeit in die Freizeit hilft.

iStock/Mediaphotos

Frage von Marie-Louise (53) an Dr Sex: Ich bin mit einem Mann zusammen, der nach der Arbeit oft zum Bier geht. Mich darüber zu informieren, dass er nicht nachhause kommt, oder mich zu fragen, ob ich mitkommen möchte, fällt ihm nicht ein. Wir haben mehrmals darüber gesprochen und er versteht nicht, warum das für mich ein Problem ist.

Ich finde es unanständig und respektlos, zumal ich das Abendessen zubereite und es dann kalt wird. Es stört mich nicht grundsätzlich, dass er zum Feierabendbier geht. Aber wenn ich Bescheid wüsste, könnte ich selber etwas abmachen oder anders planen. Zudem fände ich es halt einfach schön, wenn er mich ab und zu fragen würde, ob ich mitkommen möchte.

Ich bin nach nunmehr 18 Jahren dermaßen wütend, enttäuscht und frustriert, dass ich gestern Nacht im Gästezimmer geschlafen habe und ernsthaft an Trennung denke. In allen anderen Bereichen harmonieren wir, nur in diesem nicht. Was meinst du – übertreibe ich? Mich würde auch interessieren, was die Community darüber denkt.


Antwort von Dr Sex

Liebe Marie-Louise

Rituale, die den Übergang von der Arbeit in die Freizeit strukturieren, sind wichtig. Aus der Sozialforschung ist bekannt, dass es häufig diese Schnittstelle ist – genauer der unachtsame Umgang damit – die in Beziehungen zu Konflikten führt. Statt den Wechsel bewusst zu vollziehen und herunterzufahren, wirft man sich sogleich in die nächste Aufgabe.

Dein Partner scheint für sich eine Lösung gefunden zu haben, um nach der Arbeit den Kopf freizubekommen. Zudem pflegt er in dieser kurzen Zeit wahrscheinlich auch einige ihm wichtige Sozialkontakte. Ich denke, über beides solltest du froh sein. Oder wäre es dir lieber, wenn er gleich nach Hause kommen würde, dann aber nur herumstänkern würde?

Mir scheint, das Problem hat weniger mit deinem Mann zu tun als mit dir – auch wenn auch ich mit dir der Meinung bin, dass es sicher hilfreich wäre, wenn er etwas transparenter wäre und offener kommunizieren würde. Und dazu könnte durchaus auch gehören, dich hin und wieder zu dieser bierseeligen Feierabendrunde einzuladen.

Jedoch – und damit kommen wir zu dir, ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass er sich nach 18 Jahren, in denen er dieses Ritual nun schon pflegt, plötzlich von einem Tag auf den anderen noch komplett ändern wird. Es ist daher höchste Zeit, den Blick von deinem Mann weg und auf deine Bedürfnisse zu richten.

Du hast schon längst begriffen, wie der Hase läuft, und es ist mir daher völlig unverständlich, warum du in der Zeit, in der dein Mann beim Bier ist, nicht einfach ebenfalls dein Ding durchziehst, statt jeden Abend aufs Neue zu glauben, dass er gerade heute gleich nach der Arbeit auf der Matte steht und essen möchte.

Nimm dein Leben in die Hand und lass die Opferrolle los – du hast alle Möglichkeiten, die du brauchst. Indem du erst deine Haltung und danach dein Handeln veränderst, wird dein Mann zwangsläufig merken, dass es nicht mehr so weitergeht wie bisher. Und genau diese «Störung» stellt eine wertvolle Möglichkeit dar, im gemeinsamen Gespräch herauszufinden, wie es mit euch und eurer Beziehung weitergehen soll. Alles Gute!

(L'essentiel/wer)

Bruno Wermuth ist Sexualberater und -pädagoge. Als «Dr. Sex» beantwortet er Fragen der L'essentiel- und 20 Minuten-Leser zur schönsten Nebensache der Welt.

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