Film-Experten sind sich einig – Nach der Pandemie haben wir Lust auf Seichtes

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Film-Experten sind sich einigNach der Pandemie haben wir Lust auf Seichtes

Die Zeiten seien schwierig genug, da habe das Publikum wenig Lust auf deprimierenden Stoff, sagen Filmschaffende. Der Streaming-Boom sorge zudem für eine größere Genre-Vielfalt.

Die aktuelle Pandemie-Situation und den damit verbundenen Lockdowns hat einen großen Einfluss auf die Art der Filme, die wir in nächster Zeit schauen wollen, sind sich Fachleute aus Hollywood sicher – und einig. Gegenüber dem Branchenportal «Variety» wagen sie Prognosen.

Gefragt: Feel-good-Stoff

Milan Popelka, Chef von FilmNation («Arrival», «Late Night», «Greyhound»), weiß: «Die Leute wollen abschalten. Fröhlichere und optimistischere Geschichten werden sehr gefragt sein. Es gibt genug Stress auf der Welt, deshalb glaube ich, dass die Leute keine Lust haben, etwas zu schauen, das diesen Stress noch verstärkt.»

Sprich: Laut den Filmschaffenden sind in naher Zukunft vor allem Comedys, Musicals und generell Feel-good-Storys hoch im Kurs – in Kombi mit den gewohnten Comicverfilmungen und Fortsetzungen von Hits. Das bedeute auch, dass Stoff über die Pandemie und deren Auswirkungen nicht sehr beliebt sein wird.

Schwierig: Alles, was an Corona erinnert

«Das Letzte, was das Publikum sehen will, sind Storys über Leute in Isolation oder welche, die Masken tragen», sagt Jason Blum, Gründer von Blumhouse Productions, das in den vergangenen Jahren speziell das Horror-Genre gehörig aufgemischt und aufgefrischt hat – und ausgerechnet mit Filmen über Leute in Isolation («Get Out») und über solche mit Masken («Us») große Erfolge feierte.

Er fährt fort: «Die Leute haben genug von der Pandemie. Ich glaube nicht, dass viele Filme kommen werden, die sich explizit um Covid drehen werden. Schade, hat das niemand Bombast-Filmer Michael Bay gesagt, der 2020 den Corona-Thriller «Songbird» produziert hat (dieses Jahr soll er «auf einem großen Streamingportal» verfügbar gemacht werden).

Die Pandemie stärkt die Streamer …

Die Fachleute gehen zudem davon aus, dass die eh schon große Auswahl an Filmen sehr bald sehr viel größer wird, da Corona Streamingportalen massiven Rückenwind verleiht, schließlich verbringen wir seit einem Jahr außergewöhnlich viel Zeit zuhause und alleine. Disney+ beispielsweise hat vor zwei Wochen verkündet, weniger als eineinhalb Jahre nach dem Launch bereits 100 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten zu haben (Netflix hat «nur» doppelt so viele und ist ungleich länger im Geschäft).

In den USA sind in den vergangenen zwölf Monaten zudem Paramount Plus, Peacock und HBO Max an den Start gegangen und diese Plattformen brauchen – genau wie Netflix, Disney und Amazon – guten, exklusiven Content. «Diese Streaming-Services möchten an die 100 Filme pro Jahr releasen und sind entsprechend bereit, zu investieren», so Blum. Saban-Films-Präsident Bill Bromiley («Guns Akimbo», «Fatman») bringt es gegenüber «Variety» auf den Punkt: «Es gibt mehr Käufer und mehr Konkurrenz für Filme, das ist gut fürs Business.»

Kombiniert mit oben erwähntem Verlangen nach anderen Story-Inhalten bietet das Filmschaffenden mehr Chancen sowie mehr Möglichkeiten und erlaubt es ihnen auch, Risiken einzugehen. Erfolgsstorys wie das durch Hits wie «The Kissing Booth» oder «To All the Boys» wiederbelebte Rom-Com-Genre zeigen, das sich das lohnen kann.

… und beflügelt später die Kinos

Sobald die Situation es erlaubt, Filme wieder ohne aufwendige Covid-Sicherheitsmaßnahmen zu produzieren (Produktionen kosten wegen des Mehraufwands für die Vorkehrungen und zusätzlichem Personal mehr als sonst), werden wir laut den Expertinnen und Experten einen klaren Anstieg der Releases erleben.

Und zwar auch im Kino, trotz des Aufstiegs der Streamer. «Junge Leute werden jede Möglichkeit nutzen, Zeit miteinander zu verbringen und gemeinsam Dinge zu erleben», sagt Produzentin Gail Berman.

(L'essentiel/Schimun Krausz)

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