Psilocybin – Nehmen wir bald Pilze gegen Depressionen?
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PsilocybinNehmen wir bald Pilze gegen Depressionen?

Ein Trip gegen die am weitesten verbreitete psychische Krankheit: Anfang 2018 starten europaweit Versuche, Magic Mushrooms gegen Depressionen einzusetzen.

Steve Jobs nahm Pilze, um kreativer zu werden, Bill Gates genauso. In den 60er-Jahren waren Magic Mushrooms außerdem mitverantwortlich für den Summer of Love.

Warum sollten die magischen Pilze also nicht auch gegen Depressionen helfen? Das Forschungsunternehmen Compass Pathways macht gerade viel Cash locker, um nächstes Jahr in Zusammenarbeit mit dem Auftragsforschungsinstitut Worldwide Clinical Trials zu testen, ob Magic Mushrooms auf diesem Gebiet hilfreich sein können. Sollte die Studie erfolgreich sein dürfen sich Menschen mit psychischen Störungen vielleicht schon bald mit einem Trip behandeln lassen.

«Die Welt aus der Distanz betrachten»

Das Experiment startet laut Business Wire Anfang 2018 in acht europäischen Ländern: Unter anderem mit dabei sind Finnland und Norwegen, die allgemein für eine relativ fortschrittliche Politik stehen, aber auch Deutschland, Portugal, Großbritannien und Holland. Insgesamt nehmen in diesen Ländern 400 Patienten an der Studie teil.

In der Vergangenheit wurden vor allem in den USA bereits kleinere Experimente durchgeführt, um psychische Erkrankungen mit Pilzen zu behandeln. Magic Mushrooms sollen unter anderem Alkoholikern, Kokainsüchtigen und Menschen mit Depressionen und Zwangsstörungen helfen. Der Versuch von Compass Pathways konzentriert sich bei den angekündigten Experimenten vor allem auf Depressionen.

Laut den frühen Studien unterscheidet sich die Wirkung stark von klassischen Psychopharmaka: «Wenn man auf Psilocybin ist, betrachtet man Dinge aus der Ferne. Wie ein Astronaut, der plötzlich die ganze Erde sieht und sich denkt: ‹Warum habe ich mir Sorgen um dies und das gemacht?›», sagt Dr. Robin Carhart-Harris, einer der führenden Forscher auf dem Gebiet. Im Gegensatz zu konventionellen Medikamenten würden also nicht einfach nur die Symptome bekämpft, sondern die Einstellung der Patienten verändert.

PayPal-Gründer investiert Geld

Bei Compass Pathways handelt es sich um ein großes Unternehmen mit hochkarätigen Investoren: Peter Thiel steckt unter anderem Geld in das Projekt – er war der Mitbegründer des Online-Bezahldienstes PayPal. Außerdem wird Compass Pathways unterstützt von Bitcoin-Milliardär Michael Novogratz und Filmproduzent Sam Englebardt.

Sollte der Versuch erfolgreich verlaufen, bedeutet dies wohl eine Revolution auf dem Gebiet der Behandlung von psychischen Krankheiten. Schließlich leiden weltweit über 300 Millionen Menschen an Depressionen und verlassen sich momentan auf Medikamente mit starken Nebenwirkungen und eher geringen Erfolgschancen.

(L'essentiel/Tillate/nei)

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