Woodland, USA – Nein zu Solaranlage – weil sie Licht absaugt

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Woodland, USANein zu Solaranlage – weil sie Licht absaugt

Der Stadtrat von Woodland in North Carolina bewilligt vorerst keine weiteren Solaranlagen. Ein Grund: Bürger fürchten um die Sonnenkraft.

Die Klimakonferenz in Paris ist mit einem Abkommen zu Ende gegangen, das unter anderem der Sonnenenergie weltweit zum Durchbruch verhelfen soll. In einem Weiler im amerikanischen Süden ist die Botschaft nicht angekommen: In Woodland, North Carolina, hat der Stadtrat vergangene Woche den Bau neuer Solaranlagen auf Stadtgebiet vorderhand mit einem Moratorium belegt.

Der City Council stimmte im Verhältnis von drei zu eins gegen die Umzonung einer landwirtschaftlich genutzten Fläche nördlich der Stadt. Damit kann das Unternehmen Strata Solar nicht wie geplant neben dem US-Highway 258 eine Solarfarm errichten. Vorerst will Woodland nicht mehr als die zwei bereits bewilligten Solaranlagen, die sich um das örtliche Umspannwerk gruppieren werden.

Zu wenig Sonnenlicht für Pflanzen

An der Sitzung hatten Bürgerinnen und Bürger Gelegenheit, sich zu dem Solarprojekt zu äußern, berichtet die Zeitung «News Herald». Das absurdeste Argument gegen die Solaranlage brachte Jane Mann vor, eine Naturkundelehrerin im Ruhestand. Ihre Sorge galt den Pflanzen, die den Reiz von Woodland ausmachten. Die Frau erhob den Einwand, die Sonnenkollektoren würden Sonnenlicht absaugen und damit die Photosynthese der benachbarten Vegetation beeinträchtigen.

Mann will neben existierenden Sonnenenergie-Installationen Zonen entdeckt haben, wo Pflanzen braun werden und absterben, weil sie nicht genug Sonnenlicht erhalten. Daneben argwöhnte sie, die Solaranlage würde Krebs erzeugen. Ihr Argument: Niemand könne ihr sagen, dass Solar-Panels keinen Krebs erzeugen.

Wirtschaftliche Argumente

Vertreter von Strata Solar hatten an der Sitzung einen schweren Stand. «Es gibt keine negativen Auswirkungen», sagte Beth Strahos im Namen der Firma. Ihr Kollege Brent Niemann betonte: «Die Panels ziehen kein zusätzliches Sonnenlicht ab.»

Die hanebüchenen Behauptungen der früheren Biologielehrerin fanden Eingang in hämische Berichte von Medien selbst außerhalb der USA. Ausschlaggebend für den Stadtratsentscheid waren jedoch eher wirtschaftliche Argumente. An der Sitzung wurde klar, dass nur die Eigentümer der betroffenen Parzellen von der Solar-Investition profitieren würden. Der Stadt wurden bloß 7000 Dollar jährlich für Notfalltraining versprochen. Auch würde die solar produzierte Elektrizität die Stromrechnung der Einwohner nicht senken.

Alles Neue ist suspekt

Etliche Bürger von Woodland sahen in den Solaranlagen daher eine schädliche Neuerung. Die langjährige Einwohnerin Mary Hobbs sagte, ihr Land habe an Wert verloren, seit in der Nähe Felder mit Sonnenzellen bedeckt werden. Bobby Mann, der Mann der Bio-Lehrerin, warnte davor, dass die Solaranlagen die Attraktivität der Stadt beeinträchtigen würden. Gleich wie einst die Autobahn werden die Solarfelder Menschen zur Abwanderung treiben, glaubt Mann. «Ihr tötet unsere Stadt», sagte er. «Alle jungen Leute werden ausziehen.»

In Manns Sichtweise sind Sonnenzellen letztlich Symbole für alles unerwünschte Neue. Argumente solcher Art kennt man überall – auch jenseits von Amerikas zurückgebliebenem Süden.

(L'essentiel/sut)

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