Auf der Sonnenseite – Neuer Rückenwind für Solarautos
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Auf der SonnenseiteNeuer Rückenwind für Solarautos

Jahrelang galten Solarautos vor allem als großer Hype. Nun aber ist Bewegung in den Sektor gekommen. Experten räumen der Technologie durchaus Chancen ein.

Auch Sonnenkinder führen manchmal ein Schattendasein. Nachdem mit Solarenergie angetriebene Autos vor fünf Jahren als das nächste große Ding angepriesen worden waren und Ford das Konzept C-Max Solar Energi präsentiert hatte, wurde es ruhig um die «Mobilität der Zukunft». Zwar twitterte Elon Musk 2016, dass Solarenergie auch für Tesla eine Option sein würde, doch das hatte wohl auch damit zu tun, dass der Visionär beide Technologien in seiner Firma quasi zur Hand hat.

In diesen Tagen nun aber haben Solarautos plötzlich wieder Rückenwind erhalten. Zusammen mit Batteriehersteller Sharp bringt Toyota Ende Monat einen mit Solarpanels aufgerüsteten Prius Plug-in Hybrid zu Testzwecken auf die Straße – wenn auch vorerst im japanischen Heimmarkt. Ende Juni hat zudem das Start-up Lightyear sein erstes Solarauto vorgestellt. Der Lightyear One ist eine imposante Elektrolimousine mit Solardach, die dank leichter Bauweise fast 800 Kilometer Reichweite haben soll.

Größer, leichter und effizienter

Tatsächlich hat die Technik deutliche Fortschritte gemacht. Die Prototypen von Toyota sind mit hocheffizienten Solarzellen ausgestattet, die einen Umwandlungswirkungsgrad von über 34 Prozent haben und auf dem Dach, der Motorhaube und der Heckklappe montiert sind. Bereits 2016 hatte Toyota einen Prius mit Solardach präsentiert. Dank größerer Fläche und höherer Zelleffizienz erzielt die neue Version aber eine Leistung von rund 860 Watt, also fast das Fünffache. Zudem kann das Auto neu nicht nur beim parken Energie tanken, sondern auch während der Fahrt.

Dass im Bereich der Fotovoltaik bemerkenswerte Fortschritte erzielt wurden, bestätigt Markus Peter. «Gesteigert wurden nicht nur die Wirkungsgrade, auch die Breite des Einsatzgebiets wurde erhöht», so der Leiter Technik und Umwelt beim AGVS. So gebe es heute neben klassischen Panels auch farbige, flexible und besonders dünne Solarzellen. Wenn ein großer Teil der Fahrzeugoberfläche mit Solarzellen bestückt sei und ideale Wetterbedingungen herrschten, könne im Lauf eines Tages genügend Energie für etwa zehn Kilometer geladen werden. Peter: «Die Kombination aus sehr leichten Fahrzeugen mit größeren und effizienteren Solarzellen verspricht für die Zukunft sogar Reichweiten von über 100 Kilometern am Tag.»

Bedenken bei der Sicherheit

Dem Durchbruch stehen Bedenken bei der Sicherheit sowie der hohe Preis im Weg. In den USA etwa darf der Solar-Prius nicht auf die Straße, weil er die Sicherheitsanforderungen nicht erfüllt. Auch Ford und Nissan kämpfen gegen Probleme bei Crashtests, die Gefahr von Überhitzung und Probleme bei der Integration der Zellen ins Design. Dazu kommen die hohen Kosten. Die Produktion gebogener Solarzellen sei zwar bereits möglich, doch koste diese Technologie relativ viel, bestätigt Markus Peter: «Man muss bei solchen Autos mit Preisen von über 100.000 Euro rechnen.» Zudem sei hinderlich, dass viele Parkplätze in Tiefgaragen liegen – was für das Aufladen nicht förderlich ist.

(L'essentiel/srt)

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