Krieg in der Ukraine: So viel Gebietsverlust macht Russland in vier Stunden

Krieg in der UkraineSo viel Gebietsverlust macht Russland in vier Stunden

Seit mehreren Monaten herrscht in der Ukraine Krieg. Unterdessen warnt die UNO vor massiven globalen Auswirkungen des Krieges. L'essentiel liefert die News zum Krieg.

von
L'essentiel & Agenturen

Das Wichtigste in Kürze

  • Am 24. Februar hat die russische Armee einen Angriffskrieg gegen die Ukraine gestartet.

  • Mehrere Verhandlungen der beiden Parteien sind bisher gescheitert.

  • Mindestens 15,7 Millionen Menschen im Land brauchen dringend humanitäre Hilfe und Schutz.

  • Fast 14 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes oder ins Ausland geflohen. Vor dem Krieg hatte die Ukraine etwa 42 Millionen Einwohner.

  • Die ukrainische Wirtschaft wird dieses Jahr voraussichtlich um bis zu 45 Prozent schrumpfen. Mehr als die Hälfte aller Klein- und Mittelbetriebe sind nicht mehr in Betrieb. 20 Prozent der Großfirmen liegen ebenfalls still.

  • Etwa 1,4 Milliarden Menschen könnten von Nahrungsmittelknappheit betroffen sein, wenn ukrainische Getreideexporte und russische Düngerlieferungen weiter ausbleiben.

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Dienstag, 04.10.2022
14:53

So viel Gebietsverlust macht Russland in vier Stunden

Die Ukraine vermeldet nach der völkerrechtswidrigen Annexion mehrerer Gebiete durch Russland weitere Erfolge bei ihrer Gegenoffensive. In der Südukraine habe die Armee fünf weitere Orte zurückerobert, schrieb der Chef des Präsidentenbüros, Andrij Jermak, am Dienstag beim Nachrichtendienst Telegram. Die ukrainische Gegenoffensive bereitet den russischen Einheiten nach Experten-Ansicht gleich an mehreren Fronten enorme Probleme.

Eine animierte Karte des russischen Mediendienstes Rybar zeigt, wie schnell die Ukraine am Dienstag vorrückt. Innerhalb von vier Stunden eroberte sie große Gebiete zurück.

«Die Ukraine diktiert im Moment das Tempo», sagte ein Vertreter westlicher Sicherheitskreise in einem Briefing zu Journalisten in London. Einige russische Einheiten stünden so unter Druck, dass sie sich zum Rückzug gezwungen sähen – teilweise gegen den Willen der russischen Führung. Mit Blick auf den möglichen Einsatz von Nuklearwaffen hieß es von dem westlichen Beamten, man sehe keinerlei Anzeichen dafür, dass Moskau einen solchen Schritt vorbereite.

13:55

Gazprom droht Moldau mit Gasabschaltung zum 20. Oktober

Russland hat der zwischen Rumänien und der Ukraine liegenden Ex-Sowjetrepublik Moldau wegen ausstehender Zahlungen mit einem Abschalten der Gaslieferungen gedroht. «Gazprom behält sich alle Rechte vor, darunter auch das Recht auf eine völlige Einstellung der Lieferungen, wenn bis 20. Oktober die Zahlungsverpflichtungen (der Republik Moldau) nicht erfüllt sind», teilte der Energiekonzern am Dienstag auf seinem Telegram-Kanal mit. Weil die Altschulden zudem immer noch nicht geregelt seien, könne Gazprom ohnehin jederzeit den Gashahn abdrehen, betonte das Unternehmen.

Gazprom hat Anfang Oktober die Lieferungen an die nach Westen strebende Republik Moldau gedrosselt. Statt der bestellten 8,06 Millionen Kubikmeter pro Tag liefert der Konzern nur 5,7 Millionen, angeblich aufgrund von Transitproblemen durch die Ukraine.

Nach Angaben von Gazprom belaufen sich die Gasschulden der ehemaligen Sowjetrepublik mit Strafen auf insgesamt 709 Millionen US-Dollar. Moldau bestreitet die Höhe der Summe und besteht auf eine Überprüfung.

12:09

Russland hat bislang 200.000 Personen eingezogen

Seit der vom russischen Präsidenten Wladimir Putin vor zwei Wochen verkündeten Teilmobilmachung sind nach offiziellen Moskauer Angaben mehr als 200.000 Menschen zum Armeedienst eingezogen worden. «Bislang sind mehr als 200.000 Menschen der Armee beigetreten», sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Dienstag nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen.

Die mobilisierten Soldaten würden auf «80 Übungsplätzen und in sechs Ausbildungszentren» geschult, sagte Schoigu. Befehlshaber des Militärs und der Marine sollten dabei helfen, «die Rekruten schnell an den Kampf anzupassen» und zusätzliche Ausbildung anbieten.

IMAGO/SNA

Putin hatte die Teilmobilmachung von Russen im wehrfähigen Alter am 21. September verkündet. Schoigu sagte damals, dass 300.000 Reservisten die russischen und separatistischen Kräfte im Süden und Osten der Ukraine verstärken sollten. Potenziell könnten bis zu 25 Millionen Russen mobilisiert werden.

Die Mobilmachung löste eine Reihe von Protesten im Land aus. Zehntausende Männer im wehrfähigen Alter flohen vor der Einberufung ins Ausland, vor allem in Nachbarländer.

10:54

Vorbereitung auf Atomwaffenangriff

Die Stadt Kiew stattet Evakuierungszentren in der ukrainischen Hauptstadt mit Jodtabletten für den Fall eines Atomwaffenangriffs aus. Das teilte der Stadtrat mit. Mit solchen Tabletten kann verhindert werden, dass die Schilddrüse schädliche radioaktive Strahlung aufnimmt.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat damit gedroht, alle Russland «zur Verfügung stehenden Mittel» einzusetzen, um den Krieg in der Ukraine zu gewinnen.

AFP
10:00

Schweden sperrt Gegend um Nord Stream-Lecks in der Ostsee

Die schwedische Staatsanwaltschaft hat das Ostseegebiet um Lecks in den Erdgasleitungen Nord Stream 1 und 2 gesperrt und Vorermittlungen wegen großangelegter Sabotage aufgenommen. Die Nachforschungen stünden noch ganz am Anfang, sagte Staatsanwalt Mats Ljungqvist am späten Montagabend. «Deshalb kann ich keine Einzelheiten über die Ermittlungsschritte nennen, die wir unternehmen», sagte er.

Die schwedische Küstenwache sperrte ein Gebiet in einem Radius von 9,3 Kilometern um zwei Lecks für Schiffe, Taucher, U-Boote und andere Fahrzeuge. Die dänischen Behörden erklärten, Schiffe und ein Militärhubschrauber beobachteten zwei andere Lecks östlich der Insel Bornholm.

09:30

Russisches Oberhaus stimmt für Annexion ukrainischer Gebiete

Nach Russlands Staatsduma hat nun auch der Föderationsrat Moskaus völkerrechtswidrige Einverleibung der ukrainischen Gebiete Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson ratifiziert. Das Oberhaus des russischen Parlaments habe am Dienstag in Moskau einstimmig für die Aufnahme der Regionen in die Russische Föderation votiert, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Tass.

Präsident Wladimir Putin hatte am Freitag mit den von Moskau eingesetzten Besatzern die international nicht anerkannten Verträge über den Beitritt unterzeichnet. Die Staatsduma genehmigte das am Montag. Die Zustimmung beider Kammern galt als Formsache.

Putin muss das Annexionsgesetz nun noch unterschreiben, dann tritt es in Kraft. Darüber hinaus hat die Staatsduma schon verschiedene Gesetze verabschiedet, um die ukrainischen Gebiete zu integrieren. Bis zur vollen Umsetzung dieser Gesetze ist eine Übergangszeit bis 2026 vorgesehen.

Das von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik via AP veröffentlichte Bild zeigt Wladimir Putin, Präsident von Russland, bei der Zeremonie zur Annexion der von Russland besetzten ukrainischen Regionen Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson. Kremlchef Putin hat die Annexion der vier mehrheitlich von eigenen Truppen besetzten Gebiete in der Ukraine besiegelt.

Das von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik via AP veröffentlichte Bild zeigt Wladimir Putin, Präsident von Russland, bei der Zeremonie zur Annexion der von Russland besetzten ukrainischen Regionen Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson. Kremlchef Putin hat die Annexion der vier mehrheitlich von eigenen Truppen besetzten Gebiete in der Ukraine besiegelt.

Dmitry Astakhov/Pool Sputnik Government/AP/dpa
08:11

Angst vor Kriegsdienst – 200.000 Russen nach Kasachstan gereist

Seit der Teilmobilmachung des russischen Militärs vor knapp zwei Wochen sind bereits mehr als 200.000 russische Staatsbürger ins Nachbarland Kasachstan in Zentralasien eingereist. Diese Zahl nannte Innenminister Marat Achmetdschanow am Dienstag der Staatsagentur Kazinform zufolge vor Journalisten. Seit dem 21. September hätten 147.000 Russen die Ex-Sowjetrepublik aber wieder verlassen. Zu den Hintergründen sagte der Minister nichts.

«Gestern kamen mehr als 7000 Bürger Russlands in Kasachstan an, etwa 11.000 verließen das Land», sagte Achmetdschanow. Es werde keine Einreisebeschränkungen für russische Staatsbürger geben. Bislang sind seinen Angaben zufolge 68 Anträge auf Einbürgerung gestellt worden.

Russlands Präsident Wladimir Putin will nach offizieller Darstellung rund 300.000 Reservisten einziehen lassen, um nach den Niederlagen der russischen Armee in der Ukraine die besetzten Gebiete zu halten. Er hatte deshalb eine Teilmobilmachung angeordnet, was bei vielen Russen Panik auslöste. Viele reisten ins Ausland aus – neben Kasachstans etwa auch nach Armenien, Georgien und in die Türkei.

06:32

Durchbruch im Süden

Im Süden der Ukraine wollen die ukrainischen Truppen ihren Vormarsch entlang des Flusses Dnipro fortsetzen, um auf die Stadt Cherson vorzustoßen. Im Nordosten des Landes rückt der noch unter russischer Kontrolle stehende Verkehrsknoten Swatowe in das Visier.

In der Nacht auf Dienstag vermeldete Selenksyj in seiner nächtlichen Videobotschaft weiter Landgewinn in der Region Cherson. Die ukrainischen Truppen hätten weitere Städte in etlichen Gebieten zurückerobert, sagt Selenskyj. Welche Städte gemeint sind, ist unklar.

Gemäß der Denkfabrik «Institute for the Study of War» stehen die ukrainischen Kräfte rund 30 Kilometer vor Cherson. Zuvor meldete Wladimir Saldo, der von Russland installierte Statthalter in den besetzten Teilen von Cherson, einen Durchbruch der ukrainischen Streitkräften. Die Informationslage ist angespannt, sagen wir es mal so, denn es gab in der Tat Durchbrüche», sagte Saldo. Es soll sich um den größten Durchbruch an der Südfront seit Kriegsbeginn handeln.

Die ukrainische Armee ist nur noch rund 30 Kilometer von Cherson entfernt.

Die ukrainische Armee ist nur noch rund 30 Kilometer von Cherson entfernt.

Institute for the Study of War
05:35

Nordkorea unterstützt russische Annexionen

Nordkorea steht bei den völkerrechtswidrigen und international kritisierten Annexionen ukrainischer Gebiete durch Russland auf der Seite Moskaus. Die zuvor abgehaltenen Scheinreferenden in den vier Gebieten Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja seien «im Einklang mit der UN-Charta» abgehalten worden, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter am Dienstag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA.

Jo Cheol Su, Generaldirektor für internationale Organisationen im nordkoreanischen Außenministerium, sagte zudem, dass man die Haltung der russischen Regierung bei der Annexion der Gebiete unterstütze.

Im Juli erkannte Nordkorea als weltweit drittes Land nach Russland und Syrien die Unabhängigkeit der prorussischen Separatistenrepubliken Donezk und Luhansk in der Ukraine an.

05:15

Russische Eliteeinheiten werden von ukrainischer Armee zurückgedrängt

Angaben der Ukraine zufolge haben Soldaten mehrere russische Eliteeinheiten im Gefecht um die Stadt Lyman sowie in der Region Cherson zurückgedrängt.

Ukrainische und russische Quellen berichteten am Montag, dass den Ukrainern «entscheidende Durchbrüche» im Norden der Region Cherson gelungen seien. Nach der Eroberung von Lyman schaffen es die ukrainischen Truppen, weiter in Richtung Osten vorzustoßen. In einer TV-Ansprache habe Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj die Rückeroberung bekannt gegeben.

Laut dem US-amerikanischen «Institute for the Study of War» (ISW) haben die Ukrainer dabei einige der Elite-Einheiten Russlands in die Knie gezwungen. So flüchteten Teile der 144. motorisierten Schützendivision aus der Region Lyman. Die 76. Luftlandedivision wiederum habe erfolglos versucht, den Norden der Region Cherson zu halten, wird das Institut zitiert.

02:08

Putin stehe für Terror und Unfreiheit

Die deutsche Außenministerin, Annalena Baerbock, sieht derzeit keine Chance für Verhandlungen über ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Das Verhandlungsangebot des russischen Präsidenten Wladimir Putins an Kiew laute in etwa: Wir rauben euer Land, unterwerfen eure Bürgerinnen und Bürger, und ihr dürft das dann unterschreiben, sagte die Grünen-Politikerin der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Dienstag). «Das ist das Gegenteil von Frieden. Das ist Terror und Unfreiheit.»

Die deutsche Außenministerin, Annalena Baerbock.

Die deutsche Außenministerin, Annalena Baerbock.

AFP

Trotzdem suchten sie selbst und die deutsche Regierung permanent nach einer diplomatischen Lösung. «Jeden Tag versuchen wir es. Jeden Tag seit dem 24. Februar bekniet einer der über 190 Staaten der Welt oder eine internationale Organisation im Auftrag der Weltgemeinschaft den russischen Präsidenten, das Bomben einzustellen», sagte die Außenministerin. «Die einzige Antwort des russischen Präsidenten sind weitere Gräueltaten.»

02:03

Weitere Raketenwerfer für die Ukraine

Die USA wollen der Ukraine zeitnah vier weitere Mehrfachraketenwerfer vom Typ Himars zukommen lassen. Die Lieferung sei Teil eines neuen Hilfspakets im Umfang von 624 Millionen Dollar (rund 635 Millionen Euro), das voraussichtlich am Dienstag verkündet werden solle, teilten US-Gewährspersonen am Montag (Ortszeit) mit. Damit würde die Zahl der präzisen Mehrfachraketenwerfer mit hoher Reichweite, die Washington der Führung in Kiew bereitgestellt hat, auf 20 steigen.

Den Waffensystemen wird ein großer Anteil an jüngsten Geländegewinnen der ukrainischen Armee im Kampf gegen Russlands Angriffstruppen zugeschrieben. So konnte die Ukraine mit deren Hilfe Brücken treffen, über die das russische Militär seine Truppen mit Nachschub versorgt hatte. Auf diese Weise konnten ukrainische Kräfte leichter in zuvor von Russland kontrollierte Gebiete eindringen.

01:29

Kuleba: Russland spalte Afrika

Der ukrainische Außenminister Dimitri Kuleba hat Russland beim Auftakt seines Afrika-Besuches vorgeworfen, die Spaltung des Kontinents voranzutreiben. «Russland überfiel nicht nur die Ukraine. Es verbreitet Zerfall und unterstützt Militärputsche in Afrika», sagte Kuleba am Montag in der senegalesischen Hauptstadt Dakar. Vor wenigen Tagen war das westafrikanische Land Burkina Faso erneut von einem Militärputsch erschüttert worden. Etliche Menschen waren am Wochenende in der Hauptstadt Ouagadougou mit russischen Flaggen unterwegs.

Dimitri Kuleba

Dimitri Kuleba

AFP

Die Junta des neuen Machthabers Ibrahima Traoré hatte angegeben, für den Anti-Terror-Kampf in dem Land «andere Partner» heranziehen zu wollen, ohne weitere Angaben zu machen. Russland ist in der Sahelregion zunehmend militärisch aktiv. So konzentriert sich Mali inzwischen auf die Zusammenarbeit mit Russland und hat sich von Frankreich in sicherheitspolitischen Fragen abgewendet.

Kuleba besuchte den Senegal als erstes Land seiner Afrika-Tour, die nach Angaben des ukrainischen Außenministeriums bis zum 12. Oktober dauern soll. Nächste Station Kulebas ist laut der ukrainischen Botschaft im Senegal die Hauptstadt der Elfenbeinküste, Abidjan.

Viele afrikanische Länder hatten bei der Abstimmung der UN-Vollversammlung über die Verurteilung des russischen Angriffskriegs auf eine klare Verurteilung verzichtet. 35 der 193 UN-Mitgliedstaaten enthielten sich. Darunter waren neben China, Indien und Brasilien auch 17 afrikanische Staaten, darunter Südafrika und der Senegal.

Montag, 03.10.2022
21:59

Selenskyj wirbt nach Rückeroberungen um Vertrauen im besetzten Gebiet

Vor dem Hintergrund der ukrainischen Offensive hat Präsident Wolodymyr Selenskyj um das Vertrauen der Bevölkerung in den russisch besetzten Gebieten geworben. «Russische Propagandisten schüchtern die Menschen in den noch von den Besatzern kontrollierten Gebieten ein, dass die Ukraine angeblich fast jeden, der in den besetzten Gebieten bleibt, als Kollaborateure betrachten werde. Absolut wirres Zeug», sagte Selenskyj am Montag in seiner täglichen Videoansprache. Wer sich den Russen nicht angedient habe, habe nichts zu befürchten, sagte er.

Der 44-Jährige betonte, dass es nur vereinzelt Unterstützung für die russischen Okkupanten gegeben habe, obwohl sich «Hunderttausende» vorübergehend unter der Besatzungsmacht befunden hätten. Damit widersprach er dem russischen Narrativ, dass die Menschen in den vier besetzten ukrainischen Gebieten Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja mehrheitlich nach Russland strebten. Mit dieser Begründung hatte Kremlchef Wladimir Putin nach der Abhaltung von Scheinreferenden die Gebiete annektiert.

Selenskyj berichtete von weiteren Rückeroberungen der ukrainischen Armee und kündigte die Auszahlung von Renten und Sozialleistungen in den wiedergewonnenen Territorien an. Die durch den Krieg finanziell schwer angeschlagene Ukraine hatte sich am Montag Finanzhilfen der Europäischen Union über fünf Milliarden Euro gesichert. Der Vizepräsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis, hatte mitgeteilt, das Geld werde für «sofortige Liquiditätsengpässe sowie Lohn- und Pensionszahlungen» verwendet.

19:15

Schweden vermutet, Russland pumpe Gas in defekte Pipeline

Das Meeresgebiet rund um Gas-Lecks an den Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee ist für Untersuchungen abgesperrt worden. In den Ermittlungen wegen Verdachts der schweren Sabotage habe die schwedische Staatsanwaltschaft beschlossen, das Gebiet abzusperren, um Tatortuntersuchungen anstellen zu können, teilte Staatsanwalt Mats Ljungqvist am Montagabend mit. Den schwedischen Behörden zufolge ist das Leck an Nord Stream 2 wieder grösser geworden. Es scheine, als ob Russland aktiv Gas in die Röhre pumpe – und solange sich in der Pipeline Gas befinde, könne man sich den Rohren nicht nähern.

Nach Angaben der schwedischen Küstenwache wurde am Nachmittag ein fünf Seemeilen (knapp neun Kilometer) breites Gebiet abgesperrt. Das bedeutet, dass man dort unter anderem weder mit dem Schiff durchfahren noch ankern, tauchen oder fischen darf.

Das Nord Stream 1-Gasleck in der Ostsee, fotografiert aus einem Flugzeug der schwedischen Küstenwache.

Das Nord Stream 1-Gasleck in der Ostsee, fotografiert aus einem Flugzeug der schwedischen Küstenwache.

Swedish Coast Guard/dpa
18:37

Schickte Putin Zug von Atomwaffen-Einheit Richtung Ukraine?

Videoaufnahmen eines langen Güterzuges mit militärischer Spezialausrüstung schüren die Sorge vor einem atomaren Angriffs Russlands. Wie die «Times» und die «Daily Mail» berichten, ist der Zug in Richtung Ukraine unterwegs. Videoaufnahmen zeigen den Zug in Zentralrussland. Laut «Times» hat Präsident Putin den Einsatz befohlen.

Die Ausrüstung und die Fahrzeuge auf dem Zug gehören laut den Berichten zum 12. Hauptdirektorat des russischen Verteidigungsministeriums. Dieses ist für die Lagerung, Wartung und Bereitstellung von Waffen für die Strategischen Raketentruppen zuständig.

Laut dem unabhängigen Militäranalysten Konrad Musyka bedeutet die Verlegung nicht zwingend eine atomare Eskalation des Konflikts. Es könne sich auch um ein «Warnsignal» an den Westen handeln – oder eine der regelmäßigen intensiven Übungen der strategischen Raketen-Einheiten Russlands.

Ukraine erhält weitere fünf Milliarden Euro von der EU

Die Europäische Union hat nach Angaben aus Kiew eine Absichtserklärung über neue Finanzhilfen in Höhe von fünf Milliarden Euro für die kriegsgebeutelte Ukraine unterzeichnet. «Das ist eine weitere Geste der EU, dass sie gewillt ist, die Ukraine beim Sieg in diesem Krieg, dem Wiederaufbau und dem Streben nach einer europäischen Zukunft zu unterstützen», schrieb am Montag Ministerpräsident Denys Schmyhal auf Twitter.

Der Regierungschef dankte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Vizepräsident Valdis Dombrovskis für diese Hilfe, die als Kredite mit langer Laufzeit fließt.

Dombrovskis schrieb auf Twitter, das Geld werde für «sofortige Liquiditätsengpässe sowie Lohn- und Pensionszahlungen» verwendet. Ein erster Teil fließe Mitte Oktober, weitere zwei Tranchen später in diesem Jahr.

15:15

IAEA: Chef des ukrainischen Akw Saporischschja wieder freigelassen

Der Chef des unter russischer Kontrolle stehenden ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja ist nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) wieder freigelassen worden. Er habe die Bestätigung erhalten, dass Ihor Muraschow «wohlauf nach Hause zurückgekehrt» sei, erklärte IAEA-Chef Rafael Grossi am Montag auf Twitter. Muraschow war nach ukrainischen Angaben am Freitag von einer russischen Patrouille festgenommen worden.

15:09

Lawrow vergleicht Politik der USA gegen Moskau mit «Hitler-Methoden»

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat den USA eine gegen Russland gerichtete Politik vorgeworfen, wie sie einst NS-Diktator Adolf Hitler gegen die Sowjetunion geführt habe. «Die USA haben sich praktisch den ganzen kollektiven Westen unterworfen und ihn mobilisiert, die Ukraine zu einem Instrument des Krieges mit Russland zu machen – so, wie damals Hitler die Mehrheit der Länder Europas für einen Überfall auf die Sowjetunion unter Waffen stellte», sagte Lawrow am Montag bei einem Auftritt in der Staatsduma.

Lawrow warf der Ukraine vor, die Rechte der Menschen auf ihre russische Sprache, ihren Glauben und die eigene Kultur beschnitten zu haben. Der Chefdiplomat verteidigte die Annexion als Mittel, die russischsprachige Bevölkerung vor Diskriminierung durch ein «nazistisches Regime» in Kiew zu bewahren.

13:55

Moskau bestätigt Geländeverluste in südukrainischer Region Cherson

Das russische Verteidigungsministerium hat Geländeverluste seiner Truppen in der illegal annektierten südukrainischen Region Cherson bestätigt. Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow teilte am Montag mit: «Mit überlegenen Panzereinheiten ist es dem Feind in der Richtung Solotaja Balka, Aleksandrowka gelungen, durch unsere Verteidigung durchzubrechen». Die russischen Truppen hätten «eine vorbereitete Verteidigungslinie besetzt» und fügten den Angreifern schwere Verluste zu, sagte Konaschenkow.

Kiew und Beobachter hatten zuvor ebenfalls ukrainische Geländegewinne in der Region Cherson gemeldet, die sich als eines der härtesten Schlachtfelder für die ukrainischen Streitkräfte erwiesen – mit langsameren Fortschritten im Vergleich zur im September begonnenen erfolgreichen Gegenoffensive in der Region um die zweitgrößte Stadt Charkiw im Nordosten.

Ukrainische Medien verbreiteten eine Aufnahme, die ukrainische Soldaten in dem Dorf Chreschtscheniwka zeigte, in einem Gebiet in Cherson, in dem ukrainische Truppen offenbar russische Verteidigungslinien durchbrochen haben. Kremlnahe russische Militärblogger haben zunehmend eine Feldüberlegenheit der Ukraine, verstärkt von Panzereinheiten, in dem Gebiet eingestanden.

imago images/SNA
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