Wir essen lokal – Nicht mal die Grillwurst ist echt luxemburgisch

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Wir essen lokalNicht mal die Grillwurst ist echt luxemburgisch

Gromperekichelcher und Grillwurst - oder woran denken Sie bei lokalen Produkten? Kann man sich in Luxemburg lokal ernähren? Wir machen den Test. Die Vorbereitungen.

Apfel statt Banane, Kartoffeln statt Reis, Kräutertee statt Kaffee. Sich lokal zu ernähren, ist gut für den Planeten, schafft Jobs vor der Haustür und man weiß, was man isst.

Soweit die Theorie. Aber haben Sie schon einmal versucht, auf exotische Produkte zu verzichten und sich lokal zu ernähren? Meine Kollegin Fatima und ich wollen es ausprobieren. Eine Woche lang. Der Test kann beginnen:

Was ist eigentlich lokal?

Was dürfen wir dann noch zu uns nehmen? Wir haben nach der Definition der sogenannten «Locavoren»-Bewegung die Wahl zwischen einem Umkreis von 50 bis 200 Kilometern. Wir sind großzügig und werden uns auf Produkte aus einem Umkreis von 200 Kilometern beschränken. Also zeichnen wir den Radius auf die Autokarte.

Was bei uns in den kommenden Tagen auf den Tisch kommt, darf aus Luxemburg stammen, aber auch aus dem Saarland, der Eifel, Wallonien, Lothringen und dem Elsass. Und der Wohnort meiner Eltern liegt im Kreis. Auf den Honig von «zuhause» muss ich also ebenso wenig verzichten wie auf die Apfelschorle aus Merzig!

Wie geht «gutes Essen»?

Was müssen wir essen, damit wir gesund bleiben? Wir bitten die ASBL der Ernährungsberater um Hilfe. Auch bei der Slow Food-Vereinigung bitten wir um ein paar Tipps. Schließlich wissen sie, wie gutes Essen funktionieren sollte. «Lokal essen, heißt Produkte der Saison essen», erklärt uns der Präsident. Gut, dass die Ernte gerade vorbei ist und wir die Idee nicht im Winter hatten!

Ab zum Einkauf

Lokale Produkte? Wo bekomme ich sie, ohne von meiner Wohnung in der Hauptstadt auf den Bauernhof fahren zu müssen? Mein erster Reflex ist der Wochenmarkt in Luxemburg-Stadt. Wer Gemüse mag, findet hier sein Glück: Von A wie Auberginen (aus Luxemburg und nicht vom Mittelmeer) bis Z wie Zwiebel.

Nur sollte man gerade keinen Heißhunger auf Wassermelone oder Pfirsiche haben. Ich entscheide mich für Cavolo Negro, eine toskanische Kohlart, in Luxemburg gewachsen. Die Tomaten lasse ich liegen, mit fast 10 Euro das Kilo sind sie mir deutlich zu teuer. Dafür nehme ich frischen Salat mit.

«Die Kürbiskerne kommen garantiert aus China»

Auch Brot gibt es beim Biobäcker auf dem Markt. «Wir versuchen, so viele Zutaten aus der Großregion einzusetzen wie möglich», versichert mir die Verkäuferin. «Weizen, Roggen und Dinkel gibt es in Luxemburg. Nur die Kürbiskerne kommen garantiert aus China.» Ich nehme Baurebrout. Ohne Kerne.

Kollegin Fatima hat es leichter. Sie bekommt Lokales direkt an die Haustür. Denn sie bezieht eine Bio-Kiste mit Obst und Gemüse direkt vom Erzeuger im Saarland. Im Internet sieht sie genau, woher die Produkte stammen. Es gibt auch ein Croissant mit der «Großregion-Garantie». Woher die Schokolade kommt, verrät der Erzeuger aber nicht. In wenigen Klicks hat sie ihre Kiste bestellt. Zwei Tage später ist sie da. Kostenpunkt: 27 Euro.

Wer hat schon Zeit für was anderes als Supermarkt?

Zugegeben, Markt, Biokiste... Wer hat schon Zeit, sich so viele Gedanken ums Essen zu machen. Also machen wir den Test im Supermarkt.

Schokoriegel? Keine Chance. Chips? Auch nicht. Cola, Kaffe oder Tee? Vergiss es! Wer einmal die Abteilung mit dem Knabberkram umschifft hat und genau hinschaut, entdeckt viel mehr luxemburgische Produkte, als man meinen könnte.

Pasta? Aus dem Ösling statt aus Italien. Öl? Statt Olive werden es Sonnenblumenkerne. Sprudelwasser kommt aus Beckerich oder Rosport. Kartoffeln in allen Varianten. Geräucherte Forelle aus der Our. Käse, Joghurt und sogar Mozzarella sind leicht zu finden. Und was ist mit den Tomaten aus Belgien? Woher stammen sie denn dort?

«Für die Grillwurst kann ich ihnen nichts garantieren»

In der Fleischabteilung wird’s brisant. Auf dem Etikett für Bio-Hühnchen steht «Belgien» als Herkunftsort. Das Hühnchen ohne Bio hat keine Herkunft. Und die Letzebuerger Grillwurst auch nicht! Auf dem Etikett ist nichts zu finden. Also wende ich mich an den Fleischverkäufer. «Für die Grillwurst kann ich Ihnen nichts garantieren», erklärt dieser.

Die einzige Garantie gibt es bei dem Label «Vum Lëtzebuerger Bauer». Das gilt jedoch nur für Rindfleisch. «Weil es das Label gibt, führen wir genau Buch. Die Rinder können zwar in Belgien oder Frankreich geboren werden, gezüchtet, gefüttert und geschlachtet werden sie aber in Luxemburg», versichert der Verkäufer. Gut, dass ich sowieso nicht auf Fleisch stehe.

Viel teurer als sonst

An der Kasse bin ich erstaunt. 160 Euro für meinen Einkauf. Das sind mindestens 50 Euro mehr für den Zweiwocheneinkauf als sonst. Und auch dann habe ich schon auf Qualität, Bioware und die Herkunft geachtet, nur weniger streng.

Fatima ruft mich aus dem Supermarkt an: «Sie heften hier überall luxemburgische Fahnen an Keksverpassungen mit deutschen Produkten. Ich finde nichts!» Ein Verkäufer erklärt ihr, dass es für viele Kunden keinen Unterschied mache, ob Butterkekse aus Luxemburg oder Deutschland stammen.

Morgen erfahren Sie, wie der erste Tag mit rein lokalem Essen gelaufen ist!

(Sarah Brock/Fatima Rougi/L'essentiel Online)

Zwei Redakteurinnen machen den Test

Was? Eine Woche nur Lokales essen.

Wer? Fatima (25) und Sarah (28) aus der Redaktion von «L'essentiel Online».

Wann? Jeden Tag ein Stück des Abenteuers bei «L'essentiel Online».

Sarah schreibt auf Deutsch, Fatima auf Französisch. Hier geht's zu der französischen Version des Textes.

Morgen erfahren Sie, wie der erste Tag mit rein lokalem Essen gelaufen ist!

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