Sterbehilfe in Luxemburg: «Niemand möchte sich mit seinem eigenen Tod beschäftigen»

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Sterbehilfe in Luxemburg«Niemand möchte sich mit seinem eigenen Tod beschäftigen»

LUXEMBURG – Sterbehilfe gehört immer noch zu den Tabuthemen – auch im Großherzogtum. Dennoch nehmen etwa 20 Patienten im Land jährlich die Beihilfe zur Selbsttötung in Anspruch.

von
Séverine Goffin
Seit 14 Jahren ist Sterbehilfe in Luxemburg legal.

Seit 14 Jahren ist Sterbehilfe in Luxemburg legal.

DR

«Das Tabu ist nicht der Tod, sondern die Tatsache, dass man stirbt. Niemand möchte sich mit seinem eigenen Tod befassen», betont Jean-Jacques Schonckert, Vorsitzender des Verwaltungsrates. Dies erklärt zumindest teilweise, warum die Sterbehilfe, die seit 14 Jahren in Luxemburg legal ist, in der breiten Öffentlichkeit und auch bei den Pflegekräften nicht sehr geläufig ist.

Am heutigen Dienstag übergibt die Nationale Kommission zur Kontrolle und Bewertung der Anwendung des Gesetzes über Sterbehilfe ihren Zweijahresbericht an die Chamber. «Vor Covid nahmen etwa zehn Patienten pro Jahr diese medizinische Maßnahme in Anspruch, die es einer Person mit einer unheilbaren Krankheit ermöglicht, ihr Leiden zu verkürzen. Nach der Pandemie sind es etwa 20 pro Jahr», erläuterte Jean-Jacques Schonckert.

«Ein Antrag kann jederzeit zurückgezogen oder angepasst werden.»

«Viele Menschen denken, dass sie die notwendigen Schritte ergreifen werden, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Wenn man jedoch eine Vertrauensperson bestimmt und seinen Antrag (oder seine Patientenverfügung) im Voraus einreicht, kann man sich für den Fall vorbereiten, falls man sich zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr selbst äußern kann», erklärt der Vorsitzende. «Man darf nicht vergessen, dass diese Schritte die Registrierung des Antrags bei der Kommission, Gespräche mit dem Arzt, die mit dem Pflegeteam getroffenen Vorkehrungen usw. umfassen», so Jean-Jacques Schonckert.

Ein weiteres Hindernis: «Die Leute stellen sich manchmal vor, dass es kein Zurück mehr gibt, wenn man einmal seinen Willen geäußert hat», so der Vorsitzende. Das sei aber nicht der Fall. Ein Wunsch könne jederzeit zurückgezogen oder angepasst werden.

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