Attentat in Arizona – Notizen deuten auf geplanten Mord hin

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Attentat in ArizonaNotizen deuten auf geplanten Mord hin

Nur einen Tag nach dem Attentat wurde Jared Loughner des Mordes und des Mordversuchs angeklagt. Notizen des jungen Mannes zeigen: Er hat die Tat wohl im Voraus geplant.

Die US-Staatsanwaltschaft hat noch am Sonntag Anklage gegen den Attentäter von Arizona erhoben. Der 22-Jährige wurde nach dem Blutbad vor einem Einkaufszentrum in Tucson am Samstag festgenommen, wo sechs Menschen getötet und 14 weitere verletzt wurden. Der 22-jährige Jared Loughner muss sich wegen Mordversuchs an der Kongressabgeordneten Gabrielle Giffords, Tötung und versuchter Tötung von Bundesbediensteten vor Gericht verantworten.

Was bewog den 22-Jährigen zu der Tat? Langsam zeichnet sich das Bild eines geistig verwirrten jungen Mannes ab. Auf seinen Profilseiten auf Myspace und YouTube hinterließ er einen Abschiedsgruss. «Lebt wohl, Freunde, bitte seid nicht wütend auf mich», schrieb er dort. Die Behörden halten die Seiten für echt - und ließen sie löschen.

Von der Schule verwiesen

Wie Jared Loughner tickte, was ihn zur Tat bewog und weshalb er zur Waffe griff und mehrere Menschen tötete, weiß vorderhand niemand. Klar ist nur, dass sich Loughner verfolgt fühlte. Aus seinen drei wirren YouTube-Videos lässt sich entnehmen, dass er der US-Regierung Gehirnwäsche vorwarf und sich vor Gedankenkontrolle fürchtete.

Ein asozialer Psychopath ist er aber nicht: Noch im März 2010 nahm er am «Tucson Festival of Books» teil und ließ sich mit einem übergroßen Kreuzworträtsel fotografieren. Dabei grinst er sympathisch in die Kamera des Fotografen. Loughner wohnte bei seinen Eltern in einer Mittelschichtgegend von Tucson und besuchte das dortige Pima Community College.

Allerdings: Jared Loughner verhielt sich offenbar zunehmend delinquent. Einer seiner Lehrer war laut «Washington Post» so verärgert über die Störungen im Unterricht durch die Ausbrüche des Schülers, dass er die Entfernung Loughners aus dem Unterricht verlangte. Nach insgesamt fünf Zwischenfällen im Klassenzimmer und in der Bibliothek, bei der jeweils die Campus-Polizei auf den Plan gerufen wurde, verwies man Jared Loughner im Oktober 2010 der Schule.

Er traf Giffords schon 2007

Seinem YouTube-Profil war zu entnehmen, dass seine Lieblingsbücher «Peter Pan», «Das kommunistische Manifest» und «Mein Kampf» von Adolf Hitler sind. Die schwer verletzte Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords ist Jüdin. Ob diese Fakten in einem Zusammenhang stehen und er der Politikerin deshalb von hinten in den Kopf schoss, ist derzeit unklar. Die Behörden scheinen einen religiösen Hintergrund nicht in Betracht zu ziehen.

Laut Informationen der «New York Times» hat Loughner Giffords schon einmal an einem «Meet and Greet»-Event im Jahr 2007 getroffen. Giffords hatte sich sogar schriftlich für die Teilnahme an dem damaligen Treffen bedankt. Der Korrespondenz zwischen Giffords Büro und dem mutmaßlichen Täter nach wollte er erneut an einem solchen Treffen teilnehmen.

Notizen deuten auf geplante Tat hin

Außerdem sind inzwischen handschriftliche Notizen Loughners aufgetaucht, die stark darauf hindeuten, dass es sich bei der Tat um einen geplanten Mord an der Kongressabgeordneten Giffords handelt. FBI-Agent Tony M. Tayler Jr. sagte in einer eidesstattlichen Erklärung, dass in Loughners Heim ein Umschlag gefunden worden sei. In dem Dokument seien die Worte «Ich habe vorausgeplant», «Meine Ermordung» und «Giffords» vorgekommen.

Ob sich Giffords an den jungen Mann erinnern kann, bei dem sie sich damals für ein Treffen bedankt hat, ist unbekannt. Sie liegt derzeit mit offenem Schädel auf der Intensivstation. Sie reagiere auf Ansprache und kommuniziere, sagten die Ärzte an einer Pressekonferenz am Sonntag. Sie wurde in ein künstliches Koma versetzt. Ob sie wieder erwacht und wie schwer ihr Gehirn verletzt wurde, ist unklar. Die Ärzte sagten, man sei optimistisch.

(20min.ch/ast)

Neunjähriges Opfer von Attentat am 9/11 geboren

Das neunjährige Mädchen, das unter den Opfern des Attentats in Tucson war, wurde am Tag der Terroranschläge des 11. September 2001 geboren.

Wie ihr Vater John Green am Sonntag dem US-Sender Fox News sagte, war seine Tochter Christina-Taylor wegen ihres Geburtstags am Tag des Einsturzes des World Trade Center in New York seit frühster Kindheit an Politik interessiert.

Aus diesem Grund sei das Mädchen auch mit einer Nachbarin zu der Kundgebung der US-Kongressabgeordneten Gabrielle Giffords gegangen, bei dem sich am Samstag das Attentat ereignete, sagte ihr Vater. Christina-Taylor gehörte zu 50 Kindern, die am Tag des Anschlags geboren wurden und die in dem Buch «Faces of Hope» (Gesichter der Hoffnung) zu sehen sind.

Polizei geht nicht mehr von Komplizen aus

Bei dem Mordanschlag auf die US-Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords in Tucson handelte es sich offenbar um die Tat eines geistig verwirrten Einzeltäters. Die Bundespolizei FBI erklärte am Sonntag, sie gehe nicht mehr von einem Komplizen aus.

Ein zunächst verdächtigter Mann sei gründlich vernommen worden. Der Verdacht der Komplizenschaft habe sich dabei jedoch nicht bestätigt, so dass der Mann freigelassen worden sei. Es gebe derzeit keinen Grund mehr zu der Annahme, dass noch andere Menschen an dem Attentat beteiligt gewesen sein könnten, hieß es.

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