Cargolux-Kollektivvertrag – Nun streiten sich auch noch die Gewerkschaften
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Cargolux-KollektivvertragNun streiten sich auch noch die Gewerkschaften

LUXEMBURG - Der Auftakt für die Tarifverhandlungen bei der Cargolux verlief holprig. Auch die Gewerkschaften sind sich uneins.

Ein Zankapfel bei den Kollektivvertragsverhandlungen könnte die umstrittene Italien-Tochter der Cargolux werden.

Ein Zankapfel bei den Kollektivvertragsverhandlungen könnte die umstrittene Italien-Tochter der Cargolux werden.

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Das Tauziehen um den neuen Kollektivvertrag für die heimische Frachtfluggesellschaft Cargolux könnte für alle Beteiligten zur Knochenarbeit werden. Bereits zum Verhandlungsauftakt am Dienstag haben sich zwischen Management und den Gewerkschaften OGBL und LCGB zum Teil große Gräben aufgetan. Zu allem Überdruss liegen sogar die Arbeitnehmervertreter selbst im Clinch.

Aus Sicht des OGBL hätte der Auftakt der Tarifverhandlungen kaum holpriger verlaufen können. Die Kollegen vom LCGB hätten mit ihrer Forderung nach einer Job-Garantie die Verhandlungsposition der Gewerkschaften deutlich geschwächt, sagt OGBL-Generalsekretär Hubert Hollerich zu L‘essentiel: «Das war ein Schuss in den Ofen. Die Strategie des LCGB hat nichts bewirkt.» Die christlich-soziale Arbeitnehmerorganisation hatte die Beschäftigten der Cargolux bekanntlich vergangene Woche aufgefordert, nur mehr Dienst nach Vorschrift zu verrichten und gleichzeitig von der Direktion eine Garantie für ein Engagement in Luxemburg gefordert. Die Airline habe sich dadurch erpresst gefühlt, sagt Hollerich. Zudem wären laut OGBL auch viele Mitarbeiter von diesem angeblichen «Bummelstreik» nicht begeistert gewesen.

Beim nächsten Treffen in der übernächsten Woche wird nun jede Gewerkschaft ihren eigenen Forderungskatalog vorlegen. «Mit dem LCGB werden wir uns jedenfalls nicht mehr absprechen», versichert Hollerich.

«Genug Extra-Meilen zurückgelegt»

Der LCGB weist die Vorwürfe zurück. «Wir haben zwei Jahre lang auf Verbesserungen für das Cargolux-Personal hingearbeitet. Irgendwann ist das Fass voll, sowohl das Flug- als auch das Bodenpersonal haben schon genug Extra-Meilen in Form von Mehrarbeit zurückgelegt», sagt LCGB-Generalsekretär Aloyse Kapweiler zu L‘essentiel. Der OGBL sei in diese Pläne eingeweiht gewesen, hätte aber nicht mitmachen wollen. Trotz der aktuellen Meinungsunterschiede sei man aber weiterhin gewillt, zusammenzuarbeiten: «Wir stehen ja erst ganz am Anfang der Verhandlungen.»

Cargolux habe den Gewerkschaften am Dienstag einen Einblick in die schwierige finanzielle Lage der Airline gegeben und danach einen ersten Vorschlag für Änderungen im neuen Kollektivvertrag skizziert. Dieser sah offenbar auch eine Reduzierung von Urlaubstagen vor, was beiden Gewerkschaften deutlich missfällt. «Wir werden das Verhandlungspapier von Cargolux jetzt in Ruhe analysieren und mit unseren Mitgliedern besprechen», sagt Kapweiler. Die Verhandlungen könnten sich bis ins neue Jahr hineinziehen, war am Dienstag von beiden Seiten zu hören.

OGBL und LCGB hatten im Vorfeld die Sparpläne der Cargolux, die unter anderem eine Auslagerung von Arbeitsplätzen nach Italien vorsehen, scharf kritisiert.

(jt/L'essentiel)

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