«White House HOney Ale» – Obamas Rezept: das gute alte Bier

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«White House HOney Ale»Obamas Rezept: das gute alte Bier

US-Präsident Obama lässt nichts unversucht. Neustes Wahlkampf-Gimmick: Bier aus dem Weißen Haus. Während Braufans rätseln, was in dem Trunk steckt, bleiben die Republikaner außen vor.

Hat er den Gerstensaft wirklich so gern oder will er nur sein Image als «cool dude» bestärken? In der Sommerhitze des Wahlkampfs setzt US-Präsident Barack Obama auf selbst gebrautes Bier – und weckt bei Bierfans im ganzen Land die Neugierde: Sie wollen das Rezept haben, um Obamas Bier nachbrauen zu können.

«White House Honey Ale» heißt eine von drei Sorten, die der Präsident in der Mikrobrauerei des Weißen Hauses herstellen und abfüllen lässt. Ihren letzten öffentlichen Auftritt hatten die braunen Flaschen mit dem gelbumrandeten, elliptischen Etikett in Iowa, wo Obama letzte Woche drei Tage lang auf Wahlkampftour war. Nachdem er in einem Café mit dem Besitzer über Biere gefachsimpelt hatte, ließ Obama eine Flasche aus dem Kampagnenbus holen und schenkte sie ihm.

Der Pressetross stürzte sich sofort auf das Thema. Ob es erlaubt sei, das Bier über Grenzen zwischen Gliedstaaten zu transportieren, wollte ein Reporter von Obamas Sprecher Jay Carney wissen. «Gibt es auch Brennereien im Weißen Haus, von denen wir nichts wissen?», fragte ein anderer. Der amüsierte Carney antwortete geheimnisvoll: «Es geht viel ab hinter den Bäumen des South Lawn.»

Honig aus präsidialem Bienenstock

Amerikas Bierfans lassen sich nicht so leicht abspeisen. Sie wollen endlich das Rezept für das Bier ausprobieren, nach dem seit Anfang 2011 von Obamas Küchenpersonal Hopfen und Malz vergoren werden. Bekannt ist vom «Honey Ale» des Weißen Hauses, von dessen «Honey Blond Ale» und «Honey Porter» bloß, dass der zur Süßung verwendete Honig aus dem Bienenstock der Präsidentenresidenz stammt.

Um es genauer zu wissen, hat ein Bierliebhaber eine offizielle Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz («Freedom of Information Act», FOIA) verfasst. Die Enthüllung des Rezepts sei im öffentlichen Interesse, heißt es in dem Brief, weil es «wesentlich zum öffentlichen Verständnis der Tätigkeiten der Regierung beiträgt». Dann ködert der Verfasser des Briefs den zuständigen Sachbearbeiter mit der Bitte, ihm eine vom Präsidenten signierte Rezeptkopie zuzuschicken: «Dann wärst du der coolste FOIA-Beamte in der ganzen Bundesregierung, und wer könnte einem solchen Titel widerstehen?»

Das Begehren wird indes an den geltenden Regelungen abprallen. Das Weiße Haus untersteht nämlich anders als die übrigen Teile der US-Regierung nicht dem «Freedom of Information Act». Unverzagt schlugen Bierliebhaber einen zweiten Weg ein. Um an das Rezept heranzukommen, lancierten sie auf der Regierungswebsite «We The People» eine Petition. Bis 17. September wollen sie 25 000 Unterschriften sammeln. Bisher haben sich dem Begehren über 2300 Interessierte angeschlossen, Trend stetig steigend.

Schon Gründerväter kannten Bier als Wahlkampfhilfe

Sollte die Unterschriftenzahl erreicht werden, wird Obama das Rezept wahrscheinlich herausrücken und in einer effektvollen Inszenierung übergeben. Dass sich Bier für Wahlkämpfe bestens eignet, wussten nämlich schon Amerikas Gründerväter. Angeblich hat bereits Präsident Thomas Jefferson zu Beginn des 19. Jahrhunderts sein eigenes Bier brauen lassen. Immer wieder suchen Politiker die Gesellschaft von Biertrinkern, um sich als «Everymen» – Freunde der einfachen Bürger – darstellen zu können. Im Primärwahlkampf der Demokraten 2008 hoben Obama und Hillary Clinton die Biergläser beinahe um die Wette.

Die Republikaner sind beim Alkohol derzeit eher verhindert. Während sich Ronald Reagan einst mit einem Glas kalifornischen Weins ablichten ließ, rührte der frühere Alkoholiker George W. Bush nach dem Alter von 40 keinen Tropfen mehr an. Und Mitt Romney ist als Mormone so trocken, dass er sogar Tee und Kaffee vermeidet – außer als Geschmacksvariante bei Eiscreme.

(L'essentiel Online/Martin Suter)

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