Corona in Luxemburg – Ochs-Auftritt bei Demo entsetzt Ärztekammer

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Corona in LuxemburgOchs-Auftritt bei Demo entsetzt Ärztekammer

LUXEMBURG – Seine Berufskollegen zeigen sich «schockiert», dass Dr. Benoît Ochs sich als Arzt an die Spitze der Corona-Kritiker gestellt hat.

«Halbgott in Weiß»: Der Mediziner Benoît Ochs ließ sich von den Demonstrierenden feiern.

«Halbgott in Weiß»: Der Mediziner Benoît Ochs ließ sich von den Demonstrierenden feiern.

Editpress

Bei der Luxemburger Ärztekammer stößt der Auftritt von Dr. Benoît Ochs bei der Anti-Corona-Demonstration am vergangenen Freitag auf großes Unverständnis. Ochs hatte sich am Freitag in strahlendem Weiß an die Spitze der Corona-Skeptiker gesetzt. Die Inszenierung des Arztes aus Gonderingen kommt bei seinen Kollegen überhaupt nicht gut an. Ärztekammer-Präsiden Dr. Pit Buchler sagte am Montag, er sei «schockiert und beschämt» darüber, dass dieser Arzt «mit großem Vergnügen so vor den Massen herumstolziert».

Im vergangenen Juli wurde Ochs zu einem einjährigen Berufsverbot verurteilt, weil er gegen mehr als ein Dutzend Artikel des Ethikkodexes verstoßen hatte. Im Zusammenhang mit der Pandemie verstieß er insbesondere gegen das Protokoll des Gesundheitsministeriums über die Isolierung von Corona-Patienten. Weil der Mediziner Berufung gegen das Urteil einlegte, ist das Verbot noch nicht rechtskräftig. Ochs darf daher vorläufig weiter praktizieren. Einen Termin für die Berufungsverhandlung gibt es derweil noch nicht. «Seitdem wiederholt er die gleichen Fakten», sagt Buchler. Der Ärztekammer-Präsident verurteilt die «Unwahrheiten», die Ochs verbreitet. Damit arbeite der Anti-Corona-Mediziner gegen das, was Buchler und seinen Kollegen am Herzen liege: «Die Pandemie zu überwinden.»

Ärzte-Präsident Buchler ist dabei wichtig, zwischen «besorgten Menschen und einer Minderheit von Verschwörungstheoretikern» bei der Demonstration zu unterscheiden. Er glaube, dass Ochs «manipuliert wird und manipuliert» und sein Status als Mediziner verleihe dem Gonderinger Autorität. Mit dem Disziplinarausschuss habe man ihm zwar Öffentlichkeit verschafft, «aber was konnten wir tun?», sagt Buchler. Er wisse selbst, dass der Urteilsspruch der Kammer Ochs nicht zum Schweigen bringe. Ochs' Anwalt Christian Bock bestätigte im Gespräch, dass für seinen Mandanten dieses Sache wichtiger sei, als seine Karriere und Zukunft als Arzt. Sein Mandant habe geglaubt, er stehe mit seiner Ansicht alleine da und sei erfreut gewesen, dass so viele Menschen ihn begleitet hätten.

Angesprochen auf radikale Kräfte im Demonstrationszug, bemühte Anwalt Bock den Vergleich zur «Regierung». Dort würden auch die eine Partei andere Forderungen vertreten als die andere Partei. Alle drei Parteien vereine jedoch eine gemeinsame Richtung. Unter den Demonstranten seien «vernünftige Leute», die es zu respektieren gelte, sie alle würden sich gegen «den Gedanken wehren, ihre Freiheit zu verlieren», so die Schlussfolgerung des Juristen. Bock sieht im Handeln der Regierung eine «Bevormundung», die «zu weit in unsere Rechte eingreift».

(nm/L'essentiel)

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