in Tierversuchslabor – Offenbar jahrelang Arznei-Studien gefälscht

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in TierversuchslaborOffenbar jahrelang Arznei-Studien gefälscht

Ex-Mitarbeiter des Tierversuchlabors LPT berichten anonym, dass sie Studien auf die ein oder andere Art verfälschen mussten. Die Ermittlungen laufen.

Gewalt gegen Tiere; sterbende, blutende Hunde, verfälschte Medikamenten-Studien: Das LPT kommt nicht mehr aus den Schlagzeilen.

Hat eines der größten Tierversuchslabore Deutschlands Medikamentenstudien gefälscht um Kunden bei der Stange zu halten? Genau das berichten ehemalige Mitarbeiter des LPT, nachdem der Tierschutzverein Soko Tierschutz Undercover-Aufnahmen aus dem Tierversuchslabor veröffentlichte, die zeigen wie Beagles, Affen oder Katzen in dem Labor gehalten und gequält wurden.

Dosierung heimlich runtergeschraubt

Neben dem Verdacht der Tierquälerei steht nun auch der Verdacht im Raum, dass ehemalige Mitarbeiter von verschiedenen Standorten angehalten wurden, auf die eine oder andere Art heimlich Studien zu verfälschen und nicht darüber zu sprechen.

Nach der Ausstrahlung von Undercover-Aufnahmen im LPT, meldeten sich mehrere ehemalige Mitarbeiter des Tierversuchslabors beim ARD-Magazin Fakt. Sie berichten von gefälschten Medikamentenstudien an unterschiedlichen Standorten des Tierversuchslabors. Tiere sollen undokumentiert und heimlich ausgetauscht worden sein. Dosierungen wurden verändert, ohne es zu kommunizieren.

So erzählt eine ehemalige Mitarbeiterin des Tierversuchslabors (Standort: Wankendorf bei Plön) anonym davon, dass bei Arznei-Studien mit Ratten die Dosierung heruntergeschraubt wurde, um ein Ergebnis zu erhalten, das den Kunden nicht abschrecken würde.

Tote Versuchstiere heimlich ausgetauscht

«Es gab drei unterschiedliche Dosierungsstärken. In der stärksten sind die Tiere der Reihe nach gleich zu Anfang innerhalb von wenigen Tagen zum Großteil verstorben», erklärt die ehemalige Mitarbeiterin von LPT gegenüber «Fakt». Darum habe man den Tieren deutlich niedrigere Dosen verpasst, ohne dies dem Kunden zu melden. Die Ex-Mitarbeiterin erzählt weiter, das sie angehalten wurde, nicht darüber zu reden.

Ein eingeschleuster Mitarbeiter von der Soko Tierschutz filmte während seiner mehrmonatigen Undercover-Recherche im LPT sogar den Austausch eines Affen, der während einer Medikamentenstudie heimlich ausgetauscht wurde. Der Tod des Affen hätte gemeldet werden müssen. Stattdessen experimentierte man am neuen Affen weiter.

«Angriff auf die Folterkammern»

All diese Vorwürfe scheinen jedoch nicht neu. Das deutsche Magazin Stern berichtete bereits 1982 über fragwürdige Zustände im Tierversuchslabor LPT in Medienbüttel. Titel: «Angriff auf die Folterkammern». Ein Tierpfleger berichtet darin von Tieren, die während Versuchsreihe heimlich und ohne entsprechende Meldung heimlich ausgetauscht wurden.

Ob Medikamentenstudien gefälscht und damit möglicherweise auch Menschenleben in Gefahr gebracht wurden, ist jetzt Sache der Staatsanwaltschaft. Es laufen derzeit sechs Ermittlungsverfahren gegen das LPT. Aktuellen Informationen zufolge muss das Labor 2020 schließen.

Tierschutz- Großdemo geplant

Die Soko Tierschutz will indes ihren öffentlichen Druck gegen LPT aufrecht erhalten. Für den 16. November ist um 14 Uhr eine Großdemo unter dem Motto «LPT Schließen, Tierversuche abschaffen!» in Hamburg angekündigt. Die erste Demo nach öffentlich werden des Skandals war die größte Tierschutz-Demo Deutschlands aller Zeiten. Rund 8000 Menschen protestierten friedlich für die Schließung des Labors.

(L'essentiel)

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