Hasen, Enten &Co. – Ostern, das Fest der Wegwerftiere

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Hasen, Enten &Co.Ostern, das Fest der Wegwerftiere

Viele amerikanische Eltern können ihren Kindern nicht widerstehen und kaufen ihnen zu Ostern Kaninchen, Enten oder eingefärbte Küken. Darauf folgt oft das böse Erwachen.

80 Prozent der Kaninchen in Tierheimen der USA stammen nach Einschätzung der Experten aus österlichen Geschenkkörben. (Bild: ZVG)

80 Prozent der Kaninchen in Tierheimen der USA stammen nach Einschätzung der Experten aus österlichen Geschenkkörben. (Bild: ZVG)

Betreiber von Tierheimen in den USA genießen an Ostern die Ruhe - die Ruhe vor dem Sturm. Jedes Jahr werden sie in den Tagen und Wochen nach dem christlichen Feiertag von Leuten überrannt, die ihre neu erstandenen Haustiere loswerden wollen. In vielen Teilen des Landes ist es Tradition, Kindern an Ostern junge Kaninchen zu schenken, Entlein oder Hühnerküken. Und so innig US-Kids die flauschigen Jungtiere herzen, so rasch verlieren sie oft das Interesse an ihnen. Gedacht als Gefährten, die zur Verantwortung erziehen sollten, enden die Kuscheltiere als lebendige Wegwerfspielzeuge.

Besonders oft werden «Bunnies» weggegeben, wie Osterhasen auf Englisch heißen. 80 Prozent der Kaninchen in Tierheimen stammen nach Einschätzungen der Experten aus österlichen Geschenkkörben. Viele Familien denken nicht daran, dass Kaninchen fünf bis 15 Jahre alt werden und ebenso viel Pflege sowie Zuneigung benötigen wie Hunde oder Katzen. Eine Zeitung im kanadischen Winnipeg hat errechnet, dass Kaninchen ihre Halter über das ganze Leben gerechnet mehr als 6'000 Euro kosten.

Kaninchen, Küken, Salmonellen

«Ostern und Kaninchen passen nicht zueinander» titelt die «House Rabbit Society» auf ihrer Website. Die Interessengemeinschaft der Kaninchenhalter bittet Eltern inständig, nur dann lebendige Osterhasen zu verschenken, wenn ihre Kinder sich auf zehn Jahre hinaus dazu verpflichten, für die Tiere zu sorgen. Karnickel gehören in Käfige, die mindestens sechsmal so groß sind wie das erwachsene Tier, schreibt der Kaninchenverein. Sie brauchen Bewegung und jede Woche 30 oder mehr Stunden außerhalb des Käfigs. Viele Familien bringen die nötige Disziplin dazu nicht auf, weshalb viele an Ostern verschenkte Kaninchen ihren ersten Geburtstag nicht erleben.

Noch weniger als Ostergeschenke geeignet sind junge Enten. Wie Hühnerküken tragen viele Entlein Salmonellen auf sich, und die von diesen Bakterien ausgelöste Krankheit ist für Kinder besonders gefährlich. «Kleine Kinder sollten jeden Kontakt mit diesen Vögeln meiden, denn sie berühren oft mit den Händen den Mund und waschen sich nach Kontakt mit den Vögeln weniger gut», sagte der Mikrobiologe Jeff LeJeune zur Zeitung Palladium-Item in Indiana.

Zerdrückt oder vernachlässigt

Als Haustiere haben Enten den Vorzug, dass sie bei früher Prägung so anhänglich werden wie Hunde. Gegen sie spricht indes, dass sie sich in der Regel alle 15 Minuten erleichtern. Wer Entlein in seiner Wohnung halten will, muss ihnen Windeln anlegen. Die sind in den USA zwar online erhältlich, aber die Umstände verderben in manchen Familien rasch die Freude an der Ostergabe.

Bei Hühnerküken dauert die Begeisterung oft noch weniger lang. Die meisten der putzigen Flaumknäuel überleben höchstens wenige Wochen. Sie werden von Kleinkindern zerdrückt, von Katzen oder Hunden geschnappt oder sie gehen in Hinterhöfen aus Vernachlässigung ein. Entlässt man sie in die freie Wildbahn, ist ihre Überlebenschance praktisch null, schreibt die Info-Website Petplace.com.

Kunterbunte Bibelis

Tierschützer kritisieren besonders die Idee, die Küken bunt einzufärben. In rund der Hälfte der US-Gliedstaaten ist noch heute erlaubt, das Federkleid der Hühner in ein grelles Rosa, Hellblau oder eine andere Farbe zu tauchen. Das geht bei Küken besonders einfach - vor dem Schlüpfen. Wie die Webseite einer texanischen Geflügelfarm erklärt, spritzt man am 18. Tag nach der Befruchtung speziell aufbereiteten Lebensmittelfarbstoff durch die Schale ins Ei und verschließt das Einstichloch mit Wachs.

Die ungiftige Farbe schadet weder dem Küken noch Menschen, und nach wenigen Wochen wachsen ungefärbte Federn nach. Tierschützer kritisieren die Praxis denn auch nicht wegen irgendwelcher Risiken, sondern wegen der damit verbundenen Erniedrigung. «Dies sind lebendige Geschöpfe», sagte der Tierarzt Marc Cooper dem Mother Nature Network. «Wenn man sie einfärbt, sendet man die Botschaft aus, dass sie Gag-Objekte sind anstatt lebende Tiere.»

So sollen Eltern ihren Kindern doch lieber Stofftiere schenken, raten Tierfreunde. Oder die übersüßen Marshmallow-Küken, die in den USA als «Peeps» in keinem Osternest fehlen. Und was den Osterhasen angeht, empfehlen sie eine langjährige Initiative von Tierschützern aus Ohio: «Mach meinen aus Schokolade!»

(L'essentiel Online/Martin Suter)

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