Krisen-Diplomatie – Outtara-Lager wird (noch) nicht gestürmt

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Krisen-DiplomatieOuttara-Lager wird (noch) nicht gestürmt

Die afrikanischen Bemühungen um die Elfenbeinküste reißen nicht ab: Führende Politiker wollen zwischen dem Ex-Präsidenten Gbagbo und dem Wahlsieger Ouattara vermitteln - nicht zum ersten Mal.

Führende afrikanische Politiker starten heute Montag einen neuen Vermittlungsversuch zur Beilegung der Krise in der Elfenbeinküste. Kenias Regierungschef Raila Odinga will im Auftrag der Afrikanischen Union den bisherigen ivorischen Präsidenten Laurent Gbagbo und den international als Wahlsieger anerkannten Alassane Ouattara treffen.

Odinga beriet am Sonntag in Lagos mit Nigerias Präsident Goodluck Jonathan über die Lage in der Elfenbeinküste. Jonathan ist amtierender Präsident der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS).

«Mit ihm reden und sehen, was geschieht»

Diese hatte Gbagbo bereits mit einer militärischen Intervention gedroht, falls diplomatische Bemühungen scheitern sollten, ihn zum Machtverzicht zu bewegen. Eine Vermittlungsmission von den drei Präsidenten der ECOWAS-Länder Benin, Sierra Leone und Kap Verde, Boni Yayi, Ernest Koroma und Pedro Pires, vergangene Woche war erfolglos.

Odinga sagte vor dem Treffen mit Jonathan der Nachrichtenagentur AFP am Telefon, er wolle der Mission am Montag nicht vorgreifen. «Wir wollen nur mit ihm (Gbagbo) reden und wir werden sehen, was geschieht», sagte Odinga. «Es hängt davon ab, wie Gbagbo damit umgehen will.» Yayi, Koroma und Pires wollten Odinga zu den Gesprächen nach Abidjan begleiten.

Erstürmung von Ouattara-Hauptquartier abgesagt

Um den «laufenden Verhandlungen eine Chance» zu geben, sagte der Gbagbo-Vertraute und Anführer der ivorischen «Jungen Patrioten», Charles Blé Goudé, die geplante Erstürmung des Hauptquartiers Ouattaras am Sonntag ab. Sie seien übereingekommen, «unser Projekt», das Golf Hotel, in dem sich Ouattara verschanzt hält, auszusetzen, sagte Blé Goudé im staatlichen Fernsehsender RTI.

Zugleich drohte Blé Goudé dem Ouattara-Lager erneut. Er forderte die «Besatzer des Golf Hotels» auf, ihre von den UNO-Blauhelmen gesicherte Zentrale zu verlassen. Der Jugend- und Arbeitsminister hatte vergangene Woche mit der Erstürmung des Hotels am Neujahrstag gedroht. Blé Goudé hatte 2004 blutige antifranzösische Unruhen angezettelt und war dafür mit UNO-Sanktionen belegt worden.

Neuauszählung vorgeschlagen

Angesichts der angespannten Lage in der ehemaligen französischen Kolonie schlugen zwei namhafte französische Juristen, der frühere Aussenminister Roland Dumas und Anwalt Jacques Vergès, eine Neuauszählung der Stimmen der Präsidentschaftswahl vom 28. November vor. Die Neuauszählung solle unter internationaler Aufsicht vorgenommen werden, sagten die von Gbagbo beauftragten Dumas und Vergès auf einer Pressekonferenz in Abidjan am Sonntag.

Die internationale Gemeinschaft sieht in Ouattara den rechtmässigen Sieger der Präsidentschaftswahl von Ende November. Gbagbo weigert sich jedoch abzutreten. Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen beiden Lagern schürten Ängste vor einem neuen Bürgerkrieg in dem westafrikanischen Land.

(20 Minuten)

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