Vor Gericht auf «schuldig» plädiert – Paar ergaunerte mit falscher Story 400.000 Dollar
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Vor Gericht auf «schuldig» plädiertPaar ergaunerte mit falscher Story 400.000 Dollar

Die Story ging um die Welt: Ein Obdachloser schenkte einer Frau seine letzten 20 Dollar, als ihr das Benzin ausgegangen war, sie und ihr Freund gaben es ihm tausendfach zurück.

«Paying it Forward» – zu Deutsch: das Gute weitergeben – hieß die Kampagne, die Mark D’Amico (42) und seine Exfreundin Katelyn McClure 2017 für den obdachlosen Armeeveteranen Johnny Bobbitt Jr. ins Leben riefen. Dazu stellten sie eine rührselige Geschichte, wie McClure an einem kalten Novemberabend auf der Interstate 95 in Philadelphia das Benzin ausgegangen war und Bobbitt ihr seine letzten 20 Dollar gab, um weiterfahren zu können. Dazu stellten sie ein Bild von McClure und Bobbitt auf dem Highway und später nochmal eines aller drei Involvierten, wie sie glücklich in die Kamera schauen, online. Kein Wunder: Mit ihrer Spendenkampagne, die angeblich der Resozialisierung von Bobbitt dienen sollte, häufte das Trio dank 14.000 großzügigen Gönnern über 400.000 Dollar an. Als Spendenziel waren 10.000 Dollar angepeilt worden.

Die weihnachtlich anmutende Geschichte hatte allerdings einen Haken: Sie war frei erfunden. D’Amico und McClure hatten Bobbitt zwar tatsächlich helfen wollen, als sie ihn in der Nähe eines Casinos antrafen, die Episode mit dem Benzin fand allerdings nie statt und sollte bloß dazu dienen, dem Ganzen einen emotionalen Touch zu verleihen. Das funktionierte prächtig: Die Geschichte ging viral, die drei traten in TV-Shows auf und es war sogar die Rede von einem Deal für die Buch- und Filmrechte.

Spenden für Luxusgüter verballert

Doch als D’Amico und McClure erstaunt feststellten, wie viel Geld nach dem Aufruf hereinkam, konnten sie der Versuchung nicht widerstehen und zweigten einen Großteil davon für sich selbst ab. Das wiederum passte Bobbitt nicht: Der Army-Veteran bekam zwar laut der «Phillyvoice» ein Bankkonto mit 25.000 Dollar eingerichtet und erhielt einen Camper, in dem er zeitweise auf einem Grundstück von McClures Familie lebte, brauchte aber auch ständig Geld für seine Drogensucht. Als er mitbekam, dass D’Amico und McClure den Löwenanteil der Spenden für sich verwendeten, verklagte er das Paar, der Schwindel flog auf.

Daraufhin verfolgten Ermittler die Spur des Geldes und fanden heraus, dass das «barmherzige» Paar in wenigen Monaten fast das ganze Geld für Casino-Besuche, Reisen, ein teures Auto und andere Luxusgüter wie Designer-Handtaschen ausgegeben hatte.

D’Amico drohen bis zu 20 Jahre Haft

McClure und Bobbitt bekannten sich schuldig und wurden 2019 wegen Diebstahl und krimineller Verschwörung angeklagt. Für ihre nach Bundesrecht eingestuften Verbrechen erwarten sie noch den Schuldspruch. Bobbitt wurde zudem wegen Drogenvergehen zu fünf Jahren Therapie verurteilt.

Nun bekannte sich auch D’Amico eines Cyber-Verbrechens, des sogenannten Wire Fraud, schuldig. Darauf stehen hohe Geldstrafen und bis zu 20 Jahre Gefängnis.

(L'essentiel/trx)

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