Heiraten in China – Paare müssen immer öfter Brautjungfern mieten

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Heiraten in ChinaPaare müssen immer öfter Brautjungfern mieten

Einst war es eine Ehre, Brautjungfer zu sein. Heute werden in China Frauen über Agenturen für diese Aufgabe vermittelt. Der Job ist nämlich alles andere als lustig.

In China boomen Agenturen, die Brautjungfern für Hochzeiten vermieten. Für chinesische Bräute wird es nämlich immer schwieriger, ihre Freundinnen für die Aufgabe zu gewinnen. Verständlich, denn Brautjungfern müssen im Namen der Braut große Mengen Alkohol trinken. Zudem werden sie häufig von männlichen Gästen beschimpft oder sogar sexuell belästigt.

Wie das Portal «The Conversation» berichtet, hat der Trend zur Brautjungfern-Vermietung begonnen, nachdem es im vergangenen März zu einem Vorfall mit der berühmten Schauspielerin Liu Yan gekommen war: Als sie eine Freundin auf deren Hochzeit als Brautjungfer begleitete, wurde sie von den Trauzeugen beinahe in einen Pool geworfen.

Das Video ging viral und eröffnete auf sozialen Plattformen eine Debatte um die Misshandlungen, die Brautjungfern zu ertragen haben. Vor wenigen Wochen wurde auch der Fall einer 28-jährigen Brautjungfer bekannt, die nach einer Hochzeit in der Provinz Hainan starb. Die Frau war offenbar mit Baijiu, einem hochprozentigen Kornbrand, abgefüllt worden.

Preis hängt vom Aussehen ab

«Viele Frauen sagen der Braut ab, weil sie angeblich keine Zeit haben oder nicht zur Hochzeit kommen können, weil sie zu weit weg wohnen», sagt Cheng Fei, Geschäftsführer einer Agentur, die Brautjungfern vermittelt, zu «Shanghai Daily».

Das Geschäft ist rentabel: Pro Paar vermietet Fei vier bis acht «professionelle Brautjungfern», die je nach Aussehen zwischen 100 und 200 Yuan (umgerechnet 10 bis 35 Euro) pro Tag kosten.

Gäste mussten Paar versprechen, dass sie sich benehmen

Doch nicht alle Bräute sind mit der Lösung glücklich. «Wieso sollte ich eine mir komplett unbekannte Frau als Brautjungfer an meiner Hochzeit wollen?», fragte eine Frau namens Zou gegenüber «Wuhan Evening News». Dann lieber gar keine, meint sie.

Eine andere Frau gibt zu, dass sie mit ihrer besten Freundin einen Vertrag abschloss, bevor sie als Brautjungfer zusagte. Laut Vertrag war «ein unangebrachtes Verhalten der Gäste ihr gegenüber» verboten. «Das Brautpaar muss an einem Punkt eine Linie ziehen und von den Gästen verlangen, dass sie sich anständig benehmen», sagt Sozialforscher Liu Qianding.

(L'essentiel/kle)

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