Chaos auf Mallorca – Passagier zwang Flieger zur Notlandung
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Chaos auf MallorcaPassagier zwang Flieger zur Notlandung

Bei der Methode handelt es sich offenbar um eine neue Strategie, um Europa zu erreichen – günstig und ungefährlicher als die Flüchtlingsboote der Menschenhändler.

Was sich am Freitagabend am Flughafen von Mallorca abspielte, war erstmalig. Doch das Phänomen hat in spanischen Medien bereits einen Namen bekommen: «patera aérea» - übersetzt etwa «Flüchtlingsflug». Denn statt mit einem «Flüchtlingsboot» - einer klassischen «patera» - erreichten diesmal 23 Migranten aus Nordafrika den europäischen Kontinent per Flugzeug. Günstig, bequem, sicher und mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Erfolg.

Ob ein Plan dahinter steckte, müssen die Behörden noch klären. Gewiss ist, dass es sich für zwölf Passagiere gelohnt hat - sie wurden bis anhin von der spanischen Polizei nicht gefasst. Die mehrheitlich jungen Menschen saßen in einer Air Arabia Maroc-Maschine von Casablanca nach Istanbul, als kurz nach Abflug ein 32 Jahre alter Marokkaner einen diabetischen Schock simulierte.

«Die Besatzung hat sie nicht stoppen können»

Der Passagier wusste ganz genau: Der Captain wird im nächstmöglichen Flughafen eine Notlandung einlegen. Tatsächlich setzte die Maschine am Flughafen Son Sant Joan in Palma de Mallorca um 18.51 Uhr auf, auf einer abgelegenen Piste mit wenig Verkehr und fast ohne Polizei.

Minuten später kam schon eine Ambulanz mit ärztlichem Personal. Die Crew des Airbus A-320, bestehend aus einem Maître de Cabine und drei Flight Attendants, öffnete die Tür. Während der Arzt den angeblich erkrankten Marokkaner versorgte, standen über 20 Personen plötzlich auf und rannten zur Tür. «Geht zurück, lasst uns unsere Arbeit machen», riefen die Sanitäter und Sanitäterinnen. Doch die Passagiere drängten sich weiter vor, stiegen über die Treppe aus und rannten schließlich kreuz und quer über das Rollfeld, um den besten Fluchtweg aus dem Flughafenareal zu finden. Sie kletterten in der Dunkelheit über den Zaun und waren verschwunden.

«Die Besatzung hat sie wohl nicht stoppen können - zumal sie auf solche Situationen gar nicht vorbereitet ist», meint der pensionierte Maître de Cabine Jorge Carrillo gegenüber dem Radiosender Cadena Ser.

«Kranker» Passagier verhaftet, Begleiter verschwunden

Der «Patient» wurde mit dem Krankenwagen in das Krankenhaus Son Llàtzer eingeliefert, ein Begleiter und die Guardia Civil waren dabei. Nach einigen Tests und Untersuchungen stand für die Ärzte und Ärztinnen fest: Der Mann ist kerngesund. Um 23 Uhr wurde er von der Polizei festgenommen. Gegen ihn besteht Verdacht auf Begünstigung illegaler Einwanderung und des Verstoßes gegen das spanische Ausländergesetz. Sein Begleiter nutzte einen Augenblick der Unaufmerksamkeit, um abzuhauen.

Kurz nach Mitternacht fasste die Guardia Civil ein Dutzend Geflohene. Einige von ihnen waren mehrere Kilometer gegangen. Um 2.20 Uhr startete die Air Arabia Maroc-Maschine wieder Richtung Türkei - es fehlten 24 Passagiere. Denn im Chaos war ein weiterer Mann an Bord ausgerastet und wurde von den Streitkräften festgenommen.

(L'essentiel/Karin Leuthold)

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