Euro-Sonde – «Philae» pirscht sich an Kometen heran

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Euro-Sonde«Philae» pirscht sich an Kometen heran

Die europäische Raumfahrtagentur ESA steht vor dem heikelsten Schritt der Rosetta-Mission. Heute soll ein Mini-Labor auf einem Kometen landen.

Eine halbe Milliarde Kilometer von der Erde entfernt findet am Mittwoch ein Manöver statt, das in der Geschichte der Raumfahrt einzigartig ist. Erstmals soll eine Forschungssonde auf einem Kometen aufsetzen. Die Landung auf Komet 67P/Churjumov-Gerasimenko, genannt Chury, markiert den Höhepunkt der europäischen Kometenjägermission Rosetta – wenn sie denn gelingt.

Der heikelste Moment wird das Aufsetzen des Landers auf der Kometenoberfläche sein», sagt Stephan Ulamec, Projektleiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. «Die Oberflächenbeschaffenheit des Kometen, das heißt seine Härte, ist bis zur Landung selbst noch unbekannt.»

Zehn Jahre war Rosetta zum Kometen unterwegs, legte mehr als 6,4 Milliarden Kilometer zurück. Die Raumsonde war am 2. März 2004 von der Weltraumstation Kourou in Französisch-Guayana gestartet, den Lander Philae huckepack dabei. Das Landemanöver bedeutet für die Kontrollzentren in Köln, Darmstadt und Toulouse Schichtbetrieb rund um die Uhr.

Quietsche-Entchen im Weltall

Rosetta und vor allem Philae sollen mit zusammen mehr als 20 Instrumenten an Bord den Schweifstern genau analysieren. Lange war fast nichts über Chury bekannt, erst die von Rosetta gelieferten Bilder brachten erste Erkenntnisse – etwa, dass die Form des Kometen der eines Quietsche-Entchens ähnelt.

In sieben Stunden zum Kometen

Die entscheidende Landephase beginnt am Dienstagabend, wenn Philae eingeschaltet wird. Läuft alles wie geplant, wird Philae am Mittwoch um 9.35 Uhr mitteleuropäischer Zeit von Rosetta abdocken – 22,5 Kilometer über dem Kometen. Muttersonde und Lander sind zu diesem Zeitpunkt 509'500'000 Kilometer von der Erde entfernt, die Signale von dort brauchen 28 Minuten und 20 Sekunden bis zu uns.

Auf seinem Flug folgt der Lander einer vorab im DLR programmierten Computer-Sequenz. Bahnkorrekturen sind nicht möglich, denn Philae ist nicht von der Erde aus steuerbar. Nach rund sieben Stunden soll das Landegerät auf dem Landeplatz Agilkia aufsetzen: Für 17 Uhr erhoffen die Wissenschaftler in den Kontrollzentren in Deutschland und Frankreich die Landebestätigung.

Lander könnte umkippen

Es besteht durchaus die Gefahr, dass Philae bei der Landung umkippt – beispielsweise, wenn der Lander in einem steilen Hang aufsetzen sollte oder eines seiner drei Landebeine ausgerechnet auf ein dicken Brocken trifft.

Im Idealfall wird Philae sofort nach dem Bodenkontakt zwei Ankerharpunen abschießen und sich auf der Kometenoberfläche festzurren. Zusätzlich soll eine Kaltgasdüse das Landegerät gegen die Oberfläche des Kometen drücken. Denn die Schwerkraft von Chury ist verschwindend gering – der Lander wiegt dort nur wenige Gramm.

Sollte der «Ritt auf dem Kometen» gelingen, würde Europa einen Meilenstein in der Raumfahrthistorie setzen. ESA-Generaldirektor Jacques Dordain ist jedenfalls sicher: «Uns stehen völlig neue Entdeckungen bevor.»

(L'essentiel)

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